Zur Ausgabe
Artikel 1 / 78

»Das ist die Herausforderung«

Nachdem Strauß seinen Anspruch auf die Kanzlerkandidatur angemeldet hat, will nun auch Albrecht zum Kampf um die Führung antreten. Um Strauß zu verhindern, ist der niedersächsische Ministerpräsident entschlossen, notfalls die Einheit der Union zu riskieren und ohne Unterstützung der CSU in den Wahlkampf 1980 zu ziehen.
aus DER SPIEGEL 22/1979

Beim Jubelfest der Union saß einer grimmig abseits im Garten des Bundeshauses. Obwohl Franz Josef Strauß scheinbar allen Grund zum Feiern hatte -- gerade war sein Protegé Karl Carstens mit respektablen 528 Stimmen zum neuen Bundespräsidenten gewählt worden -- war seine gute Laune nach den neuesten Nachrichten dahin.

Jetzt sei es amtlich, meldeten ihm an jenem Mittwochnachmittag seine Zuträger, Helmut Kohl werde endgültig auf eine Kanzlerkandidatur verzichten, und der Niedersachse Ernst Albrecht wolle, von Kohl empfohlen, den Spitzenjob antreten. Allein die Überlegung, den Carstens-Triumph nicht mit der vorzeitigen Bekanntgabe des Kohl-Rückzuges zu trüben, habe die CDU-Präsidialen bewogen, die Kandidaten-Rochade nicht schon am Mittwoch zu beschließen und bekanntzugeben.

Doch schon am Montag werde im CDU-Bundesvorstand ein schneller Wechsel diskutiert und Albrecht die Kanzlerkandidatur der CDU angetragen.

Damit, interpretierten die Strauß-Freunde das Kalkül der CDU-Strategen, wolle sich der von Strauß in die Ecke gepunchte Kohl befreien und -- da persönlich nicht mehr betroffen -- der CDU das Vorrecht in der Kanzlerfrage zurückerobern.

Strauß, seit Monaten mit gespitzten Lippen auf der Lauer, sah sieh zum Pfiff gezwungen. Gerne hätte der zum Zaudern neigende CSU-Chef weiter gewartet. Erst im Frühjahr 1980 wollte er über die eigene Kandidatur entscheiden. Dann nämlich meinte er besser abschätzen zu können, wie sieh Chancen und Risiken verteilten.

Doch nun, am Gartentisch hinter dem Parlament, bedrängten ihn seine engsten Getreuen, er dürfe nicht länger zögern. Wenn CSU-Landesgruppenchef Friedrich Zimmermann nicht gerade unterwegs war, dem Vorsitzenden ein frisches Bier zu holen, redete er eifrig auf Strauß ein, sich jetzt von Kohl »nur ja nicht die Prärogative« nehmen zu lassen. Strauß müsse das Gesetz des Handelns behalten und dem Duo Kohl/ Albrecht zuvorkommen.

Während CSU-Mdß Graf Huyn am einen Ende des Tisches Frau Marianne Strauß, Gegnerin einer Kanzlerkandidatur ihres Franz Josef, galant die Hand küßte, setzte Zimmermann dem Gatten zu. Sollte Strauß die Gelegenheit wieder ungenutzt verstreichen lassen, dann, so der CSU-Parlamentarier, sei er nicht länger bereit, »die Position des Offenhaltens« zu verteidigen. Dann werde er die Finger vom strategischen Geschäft lassen und sich aufs Verwalten der Fraktionsarbeit beschränken.

Abends, inzwischen waren der Parteichef, der Landesgruppenvorsitzende und Generalsekretär Edmund Stoiber zum Umtrunk in die Bonner Strauß-Wohnung gewechselt, hatte es Zimmermann geschafft. Strauß stelle sich für eine Kanzlerkandidatur der Unionsparteien »zur Verfügung«, erklärte die CSU in einer sorgsam ausgetüftelten Pressemitteilung. Einzelheiten wolle ihr Parteichef mit der Führung der CDU überlegen.

Der Halbkandidat vermied es bewußt, in dem knappen Kommunique von einem »Anspruch« auf die Kanzlerkandidatur zu reden.

Der schlaue Zimmermann, Drahtzieher auch des später revidierten Kreuther Trennungsbeschlusses der CSU, hatte dem Vorsitzenden eingeredet, diese weiche Formulierung lasse ihm immer noch einen Rückzugsweg offen. Mit der nicht an Vorbedingungen geknüpften Bereitschaftserklärung könne Strauß künftig möglichen Vorwürfen aus der CDU begegnen, er habe sich nicht klar genug geäußert. Zimmermann scheinheilig: »Wir haben nur Klarheit geschaffen. Jetzt kann keiner mehr sagen, Strauß drücke sich, wenn er zuviel von »rebus sic stantibus' redet«, und damit den Eindruck erwecke, daß er ohne Veränderung der Parteienlandschaft nicht antrete.

Und wie von Strauß-Kennern vorausgesagt, angelte der Bayer schon am nächsten Tag wieder nach dem Hut, den er gerade erst in den Ring geworfen hatte. Strauß habe »nicht erklärt«, verbreitete am Freitag die Bayerische Staatskanzlei fernschriftlich, »er werde, wolle oder müsse Kanzlerkandidat werden. Vielmehr hat er auf Anfrage erklärt, er stehe zur Verfügung, wenn man ihn dafür brauche. Ministerpräsident Strauß hat niemand unmittelbar oder mittelbar aufgefordert, ihn zum Kanzlerkandidaten vorzuschlagen«.

Daß dennoch die Strauß-Erklärung vom Himmelfahrtstag als eindeutiger Anspruch auf die Kanzlerkandidatur der Union verstanden werde, war von der CSU-Spitze einkalkuliert. Der CDU-Vorsitzende Kohl hielt denn auch die Meldung für so alarmierend, daß er hinter dem arglos nach Hannover zurückgefahrenen Ernst Albrecht hertelephonierte.

Voller Sorge, sein Favorit könne nach dem Zugriff des Bayern die Courage verloren haben, bat Kohl nochmals um das Jawort zur Kandidatur. Albrecht versicherte, er werde stehen, wenn Kohl ihn vorschlage -- und die Partei ihn fordere. Er sehe sich jetzt erst recht zur Kandidatur verpflichtet, um zu verhindern, daß Strauß in der CDU die Macht übernehme. Albrecht: »Das ist die Herausforderung. ich trete an.« Kohl selbst gab sich kampfeslustig: »Wir ziehen die Gamaschen hoch. Wir werden den Helm fester binden.« Und über den Schritt seines Gegners Strauß, den er schon »seit vielen Wochen« nicht mehr gesprochen haben will: »Ein neues Kapitel in der Geschichte: Wie vernichtet sich eine erfolgreiche Partei selbst.«

»Der große Teil der CDU-Basis ist für Strauß.«

So bescherte die Carstens-Wahl der CDU/CSU nur ein kurzes Hoch. Dann beherrschte wieder, wie vorher schon, der Streit in der Unionsspitze die Schlagzeilen, zur Freude der Koalitionsparteien SPD und FDP, deren Gezänk um ihren Präsidentschaftskandidaten dank Strauß in der Öffentlichkeit rasch an Interesse verliert.

Dennoch: Der Erfolg des rechtskonservativen Karl Carstens und das Aus für den glücklosen Kanzleranwärter Kohl markieren in den Unionsparteien das Ende der totalen Depression. In einem Duell Strauß-Albrecht sieht das Parteivolk wenigstens eine, wenn auch geringe Chance, daß sich die Führungsfrage endlich zu klären beginnt.

Zugleich aber drohen dadurch erneut Gefahren für die Einheit der Union, sollten CDU und CSU jeweils auf ihrem Kandidaten beharren. Gleichwohl spürt Strauß soviel Rückenwind aus der CDU wie nie zuvor. Der CSU-Boß wird um so entschiedener gegen Albrecht kämpfen, je mehr er sich in seinem Anspruch auf die Kanzlerkandidatur von einem großen, vielleicht gar dem überwiegenden Teil der Schwesterpartei CDU legitimiert glaubt. Dies jedenfalls hat Zimmermann ihm eingeredet.

Auch von seinem neuen Verbündeten Kurt Biedenkopf sieht er sich bestätigt. Ausgerechnet der kleine Professor aus der westfälischen Hochburg der Christdemokraten sekundierte Strauß am letzten Freitag: »Ich gehe davon aus, daß die gesamte CDU/CSU so geschlossen hinter dieser Kandidatur steht, wie die CDU/CSU hinter der Kandidatur (Kohls, d. Red.) 1975 stand.«

Nach vielen Gesprächen »mit allen maßgeblichen CDU-Leuten«, betonte Zimmermann selbstsicher, die er und seine CSU-Kollegen Richard Stücklen, Gerold Tandler, Max Streibl und Edmund Stoiber in den letzten Tagen geführt hätten, sei eines ganz klar: »Der große Teil der CDU-Basis ist für Strauß.«

Dem CSU-Vorsitzenden müssen solche Erkenntnisse seiner Mitstreiter um so glaubwürdiger erscheinen, als er aus Unterredungen am Rande der Bundesversammlung ähnliches herausgehört hatte. beispielsweise Baden-Württembergs Ministerpräsident Lothar Späth zu Strauß: »Ich halte es für ausgeschlossen, Albrecht noch so aufzubauen, daß er bis zum Wahltag eine ernsthafte Gefahr für den Schmidt wird.« Ebenso wie der Hesse Alfred Dregger erklärte auch Späth vieldeutig, bei den Wahlen sei das »entscheidende Plus«, einen gemeinsamen Kandidaten zu haben.

Den größten Eindruck aber machte auf Strauß ein Bericht Zimmermanns, wonach eine starke Mehrheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion den CSU-Führer als Kanzlerkandidaten wünsche. Der Landesgruppenchef berief sich dabei unter anderem auf Auskünfte des früheren CDU-Vorsitzenden und Strauß-Intimfeindes Rainer Barzel und auf ein Gespräch mit dem CDU-Finanzexperten Hansjörg Häfele. Der habe versichert, es gebe in der Fraktion schon jetzt eine Mehrheit für Strauß. Und die werde von Tag zu Tag größer.

Unklar bleiben dabei die Beweggründe der Push-Strauß-now-Bewegung. Teils treibt sie der Mut der über Kohl Verzweifelten, teils die Überzeugung, nur die konservative Dampfwalze aus dem Süden vermöge die Koalition zu stoppen.

Teils aber auch scheinen tückische Mini-Machiavellisten im Unionslager am Werk. Die Wahl 1980 sei, so ihr zynisches Konzept, ohnedies nicht mehr zu gewinnen. Mithin biete es sich an, mit einer Strauß-Kandidatur gleich zwei Probleme zu lösen: den Bayern ein für allemal aus den Kanzlerträumen zu reißen und den Strahlemann aus Hannover für 1984 unbeschädigt zu erhalten. Der Baden-Württemberger Lothar Späth mag dabei für 1984 auch an einen Kanzlerkandidaten Lothar Späth denken.

»Ich eigne mich nicht mehr zum Punchingball.«

So bunt gewürfelt die Strauß-Truppe in der Fraktion auch sein mag, Albrecht muß sie ernst nehmen. Er schließt nun nicht mehr aus, daß Strauß sich in einem Handstreich von der Fraktion zum Kanzlerkandidaten und damit zum Garanten der Einheit der Union ausrufen läßt. Denn allein er, so könne Strauß argumentieren, sei von einem gemeinsamen Gremium der Schwesterparteien CDU und CSU berufen worden.

Strauß könnte sogar auf einen Präzedenzfall verweisen. Auch Kurt Georg Kiesinger wurde 1966 in der Krise um Ludwig Erhard von der Fraktion als neuer gemeinsamer Kanzlerkandidat nominiert.

Andererseits aber kann Albrecht sich eine gute Chance auch bei einem Zweikampf in der Bundestagsfraktion ausrechnen, sollte er vom CDU-Parteivorstand zum offiziellen Kandidaten der Christdemokraten gewählt werden. Ende letzter Woche nahm er allerdings noch in Kauf, sich schon an diesem Montag eine Nase bei den eigenen CDU-Freunden zu holen.

Der derzeitige Strauß-Boom, so Albrechts Überlegung, werde aber im selben Augenblick abflachen, in dem die Kohl-Krise beendet sei, die CDU einen eigenen Kanzlerkandidaten vorweisen könne und Strauß die Union wieder mit seinem unsäglichen Bürgerparteiler Hermann Fredersdorf zu pesten beginne.

Dabei hatte der Niedersachse am liebsten erst zur Bundestagswahl 1984 antreten wollen -- nach einem neuen Wahlerfolg 1982 in Hannover -- gegen eine weiter ausgezehrte Bonner SPD! FDP-Koalition. Doch rasch wurde Albrecht klar, daß er als Bewerber womöglich für immer aus dem Rennen wäre, wenn er jetzt nicht um das Spitzenamt kämpft.

Hielte er sich vorsichtig zurück, weil er nicht in einem wenig aussichtsreichen Wahlkampf gegen Helmut Schmidt verschlissen werden möchte, würde dies seine Kandidatur für 1984 ernstlich gefährden. Dann namlich könnte ihn die Partei zurückweisen mit dem Argument, er habe in einer schwierigen Lage aus egoistischen Motiven gekniffen.

Das Ergebnis einer CDU-Präsidiumstagung im münsterländischen Ascheberg Anfang letzter Woche bestärkte Albrecht in seinem Entschluß, schon jetzt anzutreten. Kohl hatte die Runde der CDU-Führer gefragt, wer denn nun für einen Kanzlerkandidaten Strauß sei. Fast alle stimmten dagegen. Selbst Dregger habe abwehrend die Hände gehoben, berichteten Kohl-Freunde. Allein Kurt Biedenkopf mochte nicht nein sagen.

Biedenkopf setzt auf Strauß, weil ihm dann als liberales Gegengewicht der Fraktionsvorsitz zufallen könnte.

Kohl, befreit vom Druck, sich dem Konkurrenzkampf mit Strauß weiter auszusetzen, drängte: Allein Albrecht könne einen Rechtsruck der CDU unter Strauß verhindern, argumentierte der Pfälzer im Zwiegespräch mit dem Niedersachsen, Gerhard Stoltenberg sei nach seinem knappen Wahlerfolg in Schleswig-Holstein zu schwach, die übrigen CDU-Landesfürsten entweder selber zu weit rechts, wie Dregger, oder zu wenig populär, wie Bernhard Vogel und Lothar Späth.

Der noch amtierende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende versprach, sich an der Seite Albrechts tapfer zu schlagen. Jetzt, da endlich die Last der Kanzlerkandidatur von ihm genommen sei -- »In den Monaten vorher war ich verwundbar wie nie« -, werde er mit all seinen Gegnern abrechnen. Kohl: »Ich eigne mich nicht mehr zum Punchingball.«

Albrecht glaubte Ende letzter Woche, die Risiken seiner neuen Karriereplanung tragen zu können, die zwei Tage zuvor Konkurrent Strauß so umschrieben hatte: »1980 verliert er den Bundestagswahlkampf und 1982 dann auch noch die (Landtags-) Wahl in Niedersachsen.«

Albrecht hingegen hält zumindest sein Ministerpräsidentenamt für sicher. Verliere er 1980 die Wahl gegen Helmut Schmidt, will er denn auch nicht den Fehler Helmut Kohls wiederholen, der 1976 vom Sessel des Mainzer Premiers als Oppositionsführer nach Bonn wechselte.

Dann habe er immer noch die Möglichkeit, die Landtagswahl mit Anstand zu gewinnen, und 1984 könne ihm dann niemand die erneute Kanzlerkandidatur streitig machen, meinte Albrecht im Vertrauten-Kreis. Gegen eine marode Koalition unter einem gealterten Helmut Schmidt habe er in fünf Jahren reelle Chancen.

Auch einen anderen Fehler, den die Vorgänger Kohl und Barzel gemacht haben, möchte Albrecht vermeiden. Er will sich gar nicht erst in einen zermürbenden Kampf um das Ja des Franz Josef Strauß zu seiner Bewerbung einlassen.

Hat ihn erst einmal der Bundesvorstand der Christdemokraten zum neuen Kanzlerkandidaten gewählt -- die Mehrheitsverhältnisse waren Freitag vergangener Woche schwer kalkulierbar -, wird Albrecht die CSU vor die Entscheidung stellen: entweder sein Konzept mitzutragen oder einen Wahlkampf auf eigene Rechnung zu führen -- mit einem eigenen Kanzlerkandidaten Strauß.

Nicht von ungefähr hatte der kalte Karriereplaner schon vor 14 Tagen öffentlich erklärt, die Union könne notfalls auch mit zwei Kanzlerkandidaten ins Rennen gehen.

Schneller als erwartet müßte Albrecht zum Doppelkopf antreten, wenn die CDU denn hinter ihn tritt und Strauß nicht zurückweicht. CSU-Landesgruppenchef Zimmermann am vergangenen Freitag: »Dann wird es eben zwei Kanzlerkandidaten geben. Das wird ganz sicher die CSU veranlassen, auf die Bürgerpartei von Fredersdorf im übrigen Bundesgebiet zu setzen. Dann wird es bei dieser Bürgerpartei einige repräsentative Auftritte von Franz Josef Strauß geben.«

Das scheint den niedersächsischen Politiker nicht mehr zu schrecken: »Am Wahlabend werden wir zusammenrechnen«, so Albrecht vor Freunden. »Dann werde ich Koalitionsverhandlungen aufnehmen.« Mit welcher Partei, sagte er nicht.

Seine Strategie für 1980 hat Albrecht bereits fertig. Hauptziel: Wähler der Mitte von der FDP zu sich herüberzuziehen und so Helmut Schmidt die Regierungsmehrheit zu nehmen.

Dazu brauche er, der Strahler mit dem liberalen Flair, nicht den verlorenen Haufen der Fredersdorf-Anhänger, auf deren Unterstützung Strauß angewiesen zu sein glaubt. Mit liberalen Gesellenstückehen wie dem Niedersachsen-Ja zum Rentenabkommen mit Polen und dem spektakulären vorläufigen Nein zur Wiederaufbereitungsanlage in Gorleben kann Albrecht den Koalitions-FDP in der Tat gefährlicher werden als der um Fredersdorf angereicherte Strauß, dessen Wiederauftauchen allem reanimierend auf die Freidemokraten wirkt.

Assistieren soll Albrecht beim FDP-Stimmenfang der Vorzeige-Liberale der Union Walther Leisler Kiep, derzeit Finanzminister im Hannoveraner Kabinett.

Ansonsten aber will sieh Albrecht so konservativ aufführen, wie es in Wahrheit seinen Überzeugungen entspricht.

Albrecht plant für den Bundestagswahlkampf die harte Konfrontation mit den Sozialliberalen über Fragen der inneren und äußeren Sicherheit. In der Abrüstungspolitik möchte er die SPD als Sicherheitsrisiko anprangern. Den liberalen Bundesinnenminister Gerhart Baum und seine weiche Welle bei der inneren Sicherheit will Albrecht »energisch stoppen«.

Wie immer das Katzbalgen um die Bonner Beute ausgehen wird, der Krach in der CDU/CSU, trostlose Hinterlassenschaft des abtretenden Kanzlerkandidaten Kohl, bleibt auf der Tagesordnung:

* Obsiegt Franz Josef Strauß, dann müssen sich die beiden Schwesterparteien widerwillig mit dem Strauß-Furt Fredersdorf arrangieren, denn ohne den oder eine andere, mindestens ebenso fragwürdige »Veränderung der Parteienkonstellation« glaubt der Bayer nicht gewinnen zu können.

* Setzt sich Albrecht in der CDU durch, dann müssen er und seine Freunde damit rechnen, wie zuvor schon Rainer Barzel und Helmut Kohl in die Zermürbungsmühle des CSU-Vorsitzenden zu geraten. Seherisch raunte der Niedersachse Parteifreunden letzte Woche zu: »Strauß kann sich auf Dauer nicht erlauben, jeden Kandidaten der CDU zu demontieren. Man weiß nur nicht, wo er die Grenze sieht.« Einen Hauch von Straußens Grenzwertvorstellungen bekam Albrecht schon letzte Woche zu spüren: In einem Brief ermunterte der bayrische Ministerpräsident Bundeskanzler Schmidt, nur ja an dem zentralen Entsorgungskonzept für die Nuklearenergie festzuhalten, das jene gigantische Wiederaufbereitungsanlage in Gorleben voraussetzt, der Albrecht eine Woche zuvor mit liberalem Lächeln die Zustimmung verweigert hatte.

Zur Ausgabe
Artikel 1 / 78
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.