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Briefe

Das Recht ist blind
aus DER SPIEGEL 48/1971

Das Recht ist blind

(Nr. 46/1971, SPIEGEL-Titel über Angela Davis)

Wir Amerikaner glauben an Gleichheit vor dem Gesetz. Wenn man einen Mord gemacht hat, macht es nichts, welche Farbe man hat, das Recht ist blind. Ich glaube, daß die Deutschen die Bosheit in anderen Ländern suchen, weil ihre Vergangenheit so übel ist.

San Diego, Californien (USA) JIM PETERSON

Von dem Augenblick an, da Amerika die Mächte der Zeit -- Angela Davis ist eine Manifestation davon -- in der Gaskammer enden läßt, von diesem Augenblick an bröckeln die ersten Steine aus dem stolzesten Freiheitsgebäude unseres Planeten.

Wolfsburg (Nieders.) LOUIS KUMMER

Wie schön wird es in ein paar Jahren in den USA zu leben sein, wenn »Wallace kommt« und Millionen auf dem Marsch zu den Gräbern farbiger Bürgerrechtskämpfer wie zum Beispiel Angela Davis in Schlachten mit Polizei- und anderen faschistischen Organen verwickelt werden! Henry James hatte recht, als er vor einigen Jahrzehnten schrieb: »Es ist ein schwieriges Schicksal, Amerikaner zu sein.

Balve (Nrdrh.-Westf.) ULRICH SEGHERS

Für Angela Davis sehe ich schwarz. Nixon und die weißen Bestien auf der ganzen Welt haben schon ganz andere Dinge geschafft. Aber so wie der Tag gekommen ist, an dem China in die Uno aufgenommen wurde, so wird der Tag kommen, an dem die Bestie Kapitalismus ihr Ende finden wird.

Bonn ERNST SMOLKA

Ich habe ihren Artikel mit größter Genugtuung gelesen. Obwohl Sie sich in einigen Argumenten widersprachen, sollte man dies zum Anlaß nehmen, die »Freiheit für Angela Davis«-Bewegung zumindestens moralisch zu unterstützen. Ich sehe auch in der Bundesrepublik ein System des Rechtsradikalismus entstehen, wenn nicht im Frühstadium hier etwas unternommen wird.

Gießen DIETER KEIL

Amerika ist so vom Faschismus bedroht wie die Bundesrepublik oder Rußland oder Italien beispielsweise. Das faschistoide Wachstum ist Nationalitäten-eigentümlich und darum in den Anfängen so schwer erkennbar. in Griechenland zum Beispiel hinter der königlich-militärischen Staatsform in Stille gereift, brauchte es nur eines geringen Anstoßes, um sich von heut auf morgen voll zu etablieren. In Südafrika sind derzeit nur Verwaltungsanordnungen nötig, da die Machtakzente gleich zu Anfang gesetzt wurden, als die Mehrheit der Bevölkerung sich noch auf der Suche nach Staatsbegriffen »befand.

Kiel GREGOR ALSCHER

Nirgends kann man die Unfähigkeit der USA besser erkennen als in ihrer Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Jugend.

Schriesheim (Bad-Württ.)

GERHARD ZITTEL

Als Student und ehemaliges Parttime-Mitglied des »besetzten Computer-Centers der Sir George Williams-Universität (1969), hier in Montreal, kann ich Ihnen nur mitteilen, daß die soziale Situation der Schwarzen (nebst den Indianern und Eskimos) in Kanada auch nicht viel anders ist als in den Vereinigten Staaten.

Montreal (Kanada)

DIETER ANTON HALBWIDL

Das Anliegen, sich für unterprivilegierte Bevölkerungsteile in den USA einzusetzen, sollte nicht dazu führen, eindeutig kriminelles Verhalten zu beschönigen.

Darmstadt VOLKMAR RAUSCH

Es ist zu hoffen, daß endlich auch die letzten »We shall overcome«-Romantiker begreifen, daß es nicht möglich ist, die Nixons, Reagans oder Wallaces (diese Figuren sind beliebig austauschbar) mit Gewaltlosigkeit zur Vernunft zu bringen. USA-SA-SS -- die Apo-Losung scheint zu stimmen. Für die Zukunft kann nur gelten: Ob militant-aggressiv, subversiv oder innere Emigration, jedes Mittel muß recht sein, um dem Wahnsinns-Imperium USA den Rest zu geben.

Höchst (Hessen) HERMANN HESSE

Einer der Sündenböcke der amerikanischen Gesellschaft ist Angela Davis. Gott oder wer weiß auch immer mag verhüten, daß sie auf dem Altar der einst wirklich großen amerikanischen Nation geopfert wird, um die Verdrängung der Schuld weiterzutreiben.

Höchberg (Bayern) LUTZ CHRISTIAN ISTEL

Man sollte doch nicht versuchen, sie zur Märtyrerin zu stempeln, bevor der Prozeß, der wahrscheinlich nicht nur völlig unhaltbare Recherchierungs-Ergebnisse der Anklagevertretung bringen wird, überhaupt begonnen hat.

Köln WOLFGANG WEIDEMANN

Hätte Angela Davis unter der Diktatur Hitlers gelebt, so wäre sie verloren, unter Nixon hat sie noch eine Chance.

Rheydt (Nrdrh.-Westf.) H. G. HEIDFELD

Die USA können es sich eigentlich nicht mehr erlauben, auch diese Symbolfigur noch mundtot zu machen. Wenn das der Fall sein sollte, dann »ade, du freie Welt«.

Tübingen ROLAND SCHÖLLKOPF

Nixon vergeht, aber Angela Davis wird leben!

Köln MICHAEL EDELMEIER

Bemerkenswert ist das Gespräch mit Herbert Marcuse. Insbesondere seine ausweichende Antwort auf die Frage, wie der Prozeß gegen Angela Davis verlaufen wird. Seine Antwort ist bezeichnend für viele Amerika-Immigranten, denen dieses Land einmal Zuflucht gewährt hat. Sie sind von einem Gefühl der Dankbarkeit beseelt, das zu einer Betriebsblindheit führt und sie an die ungebrochene amerikanische Tradition von Rechtsstaat und Demokratie glauben läßt. Dieser Glaube steht jedoch in einem tragischen Widerspruch zu dem Schicksal der intelligentesten Schülerin Herbert Marcuses. Er glaubt, sie habe noch zwei Chancen. Was muß eigentlich noch geschehen, bis Herbert Marcuse ein Licht aufgeht.

Hamburg STEFAN HÜTHER

Jetzt wollen Sie uns auch noch weismachen, die USA sei auf dem Weg zum Faschismus. Einseitiger und verbohrter. als Sie es tun, lassen sich die Verhältnisse in Amerika nicht mehr beurteilen.

Rendsburg (Schl.-Holst.) R. GÜNTHER

Die gleichen Kreise, die Angela Davis vernichten wollen, haben Hiss, Sacco und Vanzetti auf dem Gewissen. Sie haben sich nicht gescheut, John F. Kennedy ermorden zu lassen und die Aufklärung dieses Verbrechens mit allen Mitteln zu verhindern. Das winzige Positive an einem solchen Fall ist, daß Leuten, denen My Lai und der Ku-Klux-Klan nicht genügen, die Barbareien gezeigt werden, zu denen eine »Kulturnation« fähig ist. Daß solche Zustände nicht auch bei uns eindringen, da sei Brandts Ostpolitik vor.

Nürnberg CLAUS LÜCK

Faschismus in Amerika? Wie lange noch wird das Fragezeichen seine Berechtigung haben?

Wittlensweiler (Bad.-Württ.)

CLAUS ALTENDORE

Auf Ihrer Titelseite befindet sich ein Fragezeichen zuviel! All Power to the People!

Dudweiler (Saarland) RUDOLF RUPPERATH

War das eigentlich Zufall, daß Sie den Angela-Davis-Titel so dicht an Südafrika gerückt haben? Ich meine, es muß ja nicht jeder wissen, was in den USA los ist. Sie mit Ihrem ewigen Aufgerüttle! Aber ich schlafe weiter, ich versprech's!

München KARL-HEINZ MATTNER

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