Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 2 / 94

Das Reich im Zeichen der drei Streifen

Der Weg vom Turnschuh des Adi Dassler zum Duftwasser der Marke adidas *
aus DER SPIEGEL 23/1986

Nach Coca-Cola und Marlboro gelten die drei adidas-Streifen als das bekannteste Markenzeichen der Welt. Den Namen adidas verdankt die Firma dem Schuster Adolf, genannt Adi, Dassler, der im Jahre 1920 seine ersten Turnschuhe herstellte. 28 Jahre später gründete Dassler im fränkischen Herzogenaurach, unweit von Fürth, die Firma adidas. Am anderen Ufer des Flüßchens Aurach gründete Bruder Rudolf, mit dem sich Adolf zerstritten hatte, das Konkurrenzunternehmen Puma.

Als Adolf Dassler im Jahre 1978 starb, war Puma weit abgehängt. Adidas erwirtschaftete in 17 Fabriken einen Weltumsatz von gut einer Milliarde Mark. Sohn Horst übernahm zu Beginn des Jahres 1985 die Führung im Konzern, nachdem Mutter Käthe in der Silvesternacht einem Herzinfarkt erlegen war. Inzwischen ist die Firma, die Horst Dassler und seinen vier Schwestern gehört, weltweit unangefochten die Nummer eins auf dem Sportartikel-Markt.

Erst unter der Führung des neuen Chefs veröffentlichte die publizitätsscheue Familie etwas präzisere Zahlen ihres Geschäfts. Mit 10600 Mitarbeitern, davon 4400 in der Bundesrepublik, wurden im vergangenen Jahr mehr als drei Milliarden Mark Umsatz erwirtschaftet. Dazu kommt gut eine Milliarde Mark aus der Lizenzproduktion. 60 Prozent des adidas-Geschäfts sind Sportschuhe aller Art, von denen täglich 280000 Paar in dem weltweiten Firmenreich hergestellt werden. Das restliche Geschäft machen die Nachfahren Adi Dasslers mit Sport- und Freizeitkleidung.

Während das traditionelle Sportgeschäft inzwischen nicht mehr so recht vorankommt, wächst der Freizeitmarkt nahezu ungebrochen weiter. Die adidas-Strategen, die ihre Artikel vor allem an junge Leute verkaufen, haben deshalb in jüngster Zeit Pop- und Unterhaltungsstars als Werbeträger unter Vertrag genommen. Neben Rock-Größen wie Udo Lindenberg tritt jetzt auch der Rambo-Darsteller Sylvester Stallone in den drei Streifen gegen das Böse an.

»Für den Mann mit Körperbewußtsein« gibt es seit dem vergangenen Herbst sogar eine Kosmetik-Serie namens adidas. Die Duftwässer und Deos werden allerdings nicht von den Herzogenauracher Sport-Spezialisten hergestellt, sondern stammen aus dem Hause Margaret Astor.

Eine Schlappe erlitten die Schuhverkäufer, als ihnen die aus Amerika schwappende Jogging-Welle zunächst entging. Mit der US-Firma Nike erwuchs dadurch ein ernsthafter Konkurrent auf dem Sportschuhmarkt. Horst Dasslers erklärtes Ziel ist es nun, auch in den USA und in Japan eine marktbeherrschende Position aufzubauen.

Unglücklicherweise hatte Vater Adi in den Gründerjahren vergessen, die drei Streifen in den beiden wichtigen Ländern gesetzlich schützen zu lassen. Das ist der Grund, warum neuerdings immer augenfälliger ein stilisiertes Dreiblatt mit dem Schriftzug adidas auf den Produkten des Hauses zu sehen ist.

Die drei Streifen sollen künftig nur noch im Sport erscheinen. In dem aufblühenden Modegeschäft wird hingegen das Dreiblatt auf die adidas-Herkunft verweisen. _(25% hält Descente (Japan) ) _(49% hält die japanische Werbeagentur ) _(Dentsu )

[Grafiktext]

DIE WELT ZU FÜSSEN Ausdehnung des adidas-Sportimperiums Zahlen an den Pfeilen=Anteile in Prozent Inge Bente Karin Essing Horst Dassler Brigitte Baenkler Sigrid geb. Dassler geb. Dassler geb. Dassler Dassler -Malms adidas Sportschuhfabriken, Sardan Holding AG, Sporis Holding AG, Adi Dassler Stiftung & Co KG, Luzern (Schweiz) Luzern (Schweiz) Herzogenaurach 100 75 100 100 zwölf adidas- Sarragan S.A., Facconable, ISL Licensing, Tochter- Fribourg Romilly sur Seine Zug gesellschaften (Schweiz) (Frankreich) (Schweiz) im Ausland 100 100 100 51 Adi Dassler Arena UK, Arena USA, ILS Marketing AG, Beteiligungs- Leeds Huntington Beach Luzern gesellschaft mbH, (Großbritannien) (USA) (Schweiz) Herzogenaurach 100 100 55 Erima GmbH & Co Le Coq Sportif, Pony, Sport- Romily sur Seine Secaucus bekleidungs KG, (Frankreich) (USA) Reutlingen 100 Schwahn-Olympiade GmbH & Co KG, Süßen Lizenz- und Lohnproduktion in 37 Ländern

[GrafiktextEnde]

25% hält Descente (Japan)49% hält die japanische Werbeagentur Dentsu

Zur Ausgabe
Artikel 2 / 94

Mehr lesen über