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»Das war ein Massaker hier«

Baskische Amateurfunker hörten während der Unruhen in der Stalt Vitoria den Funk der spanischen Polizeieinsatzwagen ab. Bei den Kämpfen waren fünf Menschen getötet und über 100 verletzt worden.
aus DER SPIEGEL 19/1976

»Jetzt ist die Kirche völlig leer, der Herr Pfaffe hat uns reingelegt. Er hat uns gesagt, alle würden durch den Haupteingang rauskommen, aber er hat uns was vorgemacht. Die sind alle abgehauen.«

»Hast du dem Pfaffen nicht gesagt, er sei ein Hurensohn?«

»Wenn ich sehe, daß sie die Tür aufmachen und noch jemand rein oder raus will, dann ist der erste, dem ich ein paar überziehe, der Pfarrer. Der sagt mir doch glatt, wir könnten machen, was wir wollten, ohne Durchsuchungsbefehl kämen wir in die Kirche nicht rein. Ich hab' ihm gesagt, den Befehl hätte ich in der Tasche.«

»Bestell ihm von mir, er sei ein Hurensohn.«

»Das werde ich ihm sagen und noch einiges mehr.«

»Hier ist alles verbarrikadiert wie überall in der Stadt; aber wir haben jedenfalls den Verkehr wieder in Fluß gebracht, wir haben die Menschenansammlungen aufgelöst, wir haben geschossen, wer weiß nicht wie.«

»In der Umgebung der Kirche von San Francisco ist jetzt niemand mehr.«

»Wenn du noch jemanden siehst, nimm ihn fest.«

»Ja, es ist nur so: Die Leute werden wieder alle in der Sakristei verschwinden.«

»Und wir haben immer noch nicht diese Durchsuchungsbefehle! Aber egal, so wie die Dinge liegen, könnt ihr auch so reingehen.«

»Na gut, wenn du es sagst ...«

»Ich habe den Wagen J 3 zur Regierung geschickt wegen der Papiere; sobald sie sie haben, setzen sie sich mit euch in Verbindung.«

»Wir haben Verletzte, wir sind von allen Seiten umzingelt. Schüsse.

»Diese Schüsse ... was war das? Habt ihr in die Luft geschossen?

»Das ist hier der totale Krieg. Uns geht die Munition aus, und die decken uns derart mit Steinen ein, daß es unmöglich ist, sich zu verteidigen.« »Erzähl, was passiert ist.«

»Wir haben uns in Richtung auf die Kirche bewegt, und ehe wir da waren, haben sie uns schon erwartet. Sie haben uns mit Steinen bewarfen, und wir haben nach rechts und links gebrüllt, und dann haben wir ihnen ein paar Ladungen verpaßt, und jetzt sind da immer noch Leute ...

»Wir haben Tränengas und Rauchbomben geworfen und auch Prügel verteilt. Hier sind Autobarrikaden, die Leute werfen mit Steinen und allem.

»Wir befinden uns auf der Plaza de Salinas, wir haben mehrere Verletzte und kaum noch Munition und ... Also, was sollen wir machen?«

»Ist deine Abteilung noch o. k. oder habt ihr Verletzte?« »Mehrere Verletzte!« »Wie sieht es bei euch aus?

»Das kannst du dir doch vorstellen. Nachdem wir über 1 000 Schuß abgefeuert haben und die ganze Kirche San Francisco auseinandergenommen haben, da kannst du dir doch vorstellen, wie das hier aussieht!«

»Greift ihr im Augenblick noch an, seid ihr weiter in Schwierigkeiten oder was?«

»Im Augenblick nicht.«

»Na gut, vielen Dank, gute Arbeit!« »Sagt Wagen J 1, daß wir dringend Munition brauchen. Wir haben überhaupt nichts mehr. Wir sind absolut blank.«

»In Ordnung, Charly. Sag mir, was für Munition ihr braucht.«

»Ich brauche Patronen, ich brauche Platzpatronen, und ich brauche Hartgummigeschosse.«

»In Ordnung. Es ist bloß so: Die Munition, die du brauchst, haben die von Valladolid, und die sind noch nicht mal hier vorbeigekommen. Also schicke ich dir erst mal Platzpatronen und Hartgummigeschosse, aber noch keine Patronen.

»Schickst mir »ne Flöte, und ich kann sie nicht spielen! Ich hab' hier zweieinhalb Abteilungen, die lahmliegen, und die andere halbe Abteilung hat auch nur noch ein bißchen was zum Schießen. Das war ein Massaker hier. »Verstanden, verstanden.«

»Hör mal, ich meine das wirklich, ein Massaker ...«

»Sanitätsposten! Verschaffen Sie sich eine genaue Übersicht über die Anzahl der Verwundeten mit Schußverletzungen; und dann gibt es da offenbar auch eine Leiche.«

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