Zur Ausgabe
Artikel 32 / 51

Briefe

Daß es stinkt
aus DER SPIEGEL 41/1950

Daß es stinkt

Da Ihr Artikel »Klug sein und Mund halten« mehr und mehr Staub aufwirbeit, möchte ich als alt-angestammter SPIEGEL-Abonnent nicht versäumen. Ihnen den Beitrag der »Stuttgarter Zeitung« vom heutigen Datum zu diesem Thema einzusenden. Vielleicht macht es Ihnen Freude, zu sehen, wie auch unsere Tageszeitungen auf Ihre immer bestens informierte Zeitschrift reagieren.

Stuttgart

HANS A. DUERR

Die Sache mit den Bestechungsgeldern der Abgeordneten hat ja einigen Staub aufgewirbelt. Natürlich werden die Herren klagen. Vielleicht auf Feststellung, daß sie statt 2000 nur 1000 DM Bestechungsgelder angenommen hätten. Oder daß sie keine Bestechungsgelder angenommen hätten, da die ihnen gebotene Summe zu niedrig war. Möglich ist ja alles. Zu den Prozessen, die man Dir eventuell an den Hals hängen wird, wünsche ich Dir Hals- und Beinbruch!

Detmold

Dr. PIETZNER

Der SPIEGEL hat in der Bonner Angelegenheit so viel persönlichen Mut gezeigt, daß ich Ihnen nur den Dank für viele Leser sagen kann.

Kassel

ELFRIEDE VON LIEBERMANN

Ihr Artikel »Klug sein und mundhalten« wird von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung unserer Politik sein. Es liegen heute darüber Unterlagen vor, daß aus Kreisen der Schwerindustrie in den Jahren zwischen den Weltkriegen Parteien der verschiedensten, auch entgegengesetzter Richtungen finanziert worden sind. Das war ein wesentlicher Grund für das Erstarken der NSDAP von der man erwartete, daß sie sich von Korruption freihielt. Heute sind wir darüber unterrichtet, daß sich das deutsche Volk, welches seine Haut gutgläubig und anständig zu Markte trug, im Irrtum befand. Auch die NSDAP war gekauft und hat dafür wesentliche Teile ihrer Zielsetzung fallen lassen. Sogar innerhalb der NSDAP waren verschiedene Richtungen gegeneinander von der Schwerindustrie finanziert.

Isernhagen

Dr.-Ing. ERICH HEITMANN

Kaum hatte ich die Nr. 39 erhalten, als AFN und Nordwestdeutscher Rundfunk auch schon meldeten, gegen den SPIEGEL sei eine Klage angestrengt worden. Wie, wenn an der SPIEGEL-Schilderung etwas Wahres dran wäre? Dann wäre doch ja wohl etwas faul im Staate Dänemark. Man berichte uns darüber weiter!

Schleswig

JAKOB TÜCHSEN

Die Berichterstattung über die Hintergründe der Bundeshauptstadt-Beschlußfassung des Bundestages ist für den naiven Staatsbürger kaum zu glauben. Hoffentlich wird die Richtigkeit dieser »schmutzigen Wäsche« öffentlich festgestellt.

Während in der Diktatur der SD für die »Reinheit der Idee« in der eigenen staatstragenden Clique sorgte und dabei oft faule Sachen unterschlagen wurden, hat offenbar diese Aufgabe mit der Wirksamkeit des öffentlichen Gewissens in der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der SPIEGEL übernommen. Das Bundesinnenministerium u. die demokratischen Parteien müßten dem Spiegel für die Erfüllung dieser staatserhaltenden Aufgabe noch dankbar sein, zumal er oft gleich immer das Material für die Beweisaufnahme der Dienststraf- und Parteigerichtsverfahren liefert.

In Sachen Bonn - Frankfurt fehlt nur noch, daß ein Parteijurist auf den patenten Gedanken kommt, die Rechtswirksamkeit des seinerzeitigen Bundestagsbeschlusses anzuzweifeln und damit unsere demokratische Oeffentlichkeit Gelegenheit hat, eine erbitterte Neuauflage dieser Debatte zu erleben. Der Zeitpunkt hierfür wäre weltpolitisch gerade günstig gewählt.

Kevelaer

PAUL JAESCHKE Kath. Arbeitersekretär

Zur Ausgabe
Artikel 32 / 51
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.