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Hausmitteilung Datum: 10. Januar 1972

aus DER SPIEGEL 3/1972

Was SPIEGEL-Leser sind, was sie lesen und sehen, verdienen und besitzen, was sie mögen oder auch nicht, kurz, alles was mit demoskopischer Wissenschaft nach den Kunstregeln der Statistik zu ermitteln ist, ist ausgeforscht und wird weiter ausgeforscht werden. Wie SPIEGEL-Leser aussehen, das herauszufinden hat bisher wohl nur einer unternommen und vor Jahren zu einem Buch zusammengestellt: der Kölner Carl Hargesheimer, nom d'artiste und selbstgewählte Chiffre für alle seine Tätigkeiten, auch als Regisseur, auch als Bildhauer-Chargesheimer. Er fand den SPIEGEL-Leser im Fond des Bentley, Homburg auf dem Kopf, fand den Schüler, der im Antiquariat aus Stapeln alter Hefte eine bestimmte Ausgabe sucht, ertappte einen Studenten, der sich in der hintersten Bankreihe des Hörsaals mit der Lektüre die Langeweile einer Pflichtvorlesung verkürzt, entdeckte einen versunkenen Leser in einer Kölner Kneipe und entdeckte ein Exemplar, das an der Seite der Reisetasche von Gründgens herausragte -- und er photographierte schliesslich den prominentesten Nichtleser für einen SPIEGEL-Titel: Konrad Adenauer. In der vergangenen Woche wurde Chargesheimer, 47 Jahre alt, in seiner Wohnung tot aufgefunden.

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Lee Brawand, dienstältester SPIEGEL-Redakteur, in den vergangenen Jahren als Geschäftsführender Redakteur für Wirtschaft zwischen Chefredaktion und den Wirtschaftsressorts des Blattes koordinierend, hat sich von diesen Pflichten beurlauben lassen. Er übernahm zum Beginn dieses Jahres die Chefredaktion der Zeitschrift »Manager Magazin«, die gemeinsam von der amerikanischen Verlagsgruppe McGraw-Hill und dem SPIEGEL-Verlag herausgegeben wird.

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