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Hausmitteilung Datum: 10. November 1986 Nazi-Titel

aus DER SPIEGEL 46/1986

In den 80er Jahren erst ist den Deutschen die traumatische Gegenwart »eines in unsere nationale Geschichte eingebrannten moralischen Imperfekts« bewußt geworden, so Jürgen Habermas in der »Zeit«. SPIEGEL-Titel haben dieses Bewußtwerden der Nazi-Zeit reflektiert, gleich ob der Anstoß von außen kam (Begin, UdSSR, Waldheim) oder hausgemacht war (Hitler-Tagebücher, Bitburg).

Wie wenig sich die Deutschen zu dem von ihnen betriebenen Zerstörungs- und Selbstzerstörungswerk bekennen möchten, kam in dem absurden »Historiker-Streit« dieses Sommers ans Licht, als deutsche Gelehrte »die neue Auschwitz-Lüge« (Rudolf Augstein) verbreiteten. Danach waren Stalins Verbrechen für Hitlers Verbrechen kausal, ihnen aber mindestens vergleichbar.

Was Wunder, daß da auch der gelernte Historiker Helmut Kohl, promoviert »cum laude«, der zweitschlechtesten Note, zu vergleichen anfing. So gelangte der Propagandaminister des Kanzlers Hitler neben das Antlitz des Kanzlers Kohl auf den SPIEGEL-Titel. Gewiß - auch Gorbatschow macht PR, und Goebbels war ein guter Propagandist. Aber Göring war auch ein guter Pilot (im Ersten Weltkrieg) und Himmler ein guter Buchhalter (des Todes). Ob sich da nicht noch Vergleichsfiguren finden lassen?

SPIEGEL-Titel 5/1979; 20/1981; 19/1983

SPIEGEL-Titel 33/1984; 18/1985; 16/1986

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