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Hausmitteilung Datum: 14. April 1975

aus DER SPIEGEL 16/1975

Otto von Loewenstern, seit dem Jahr 1957 Redakteur beim SPIEGEL, Jahrgang 1924, ist gestorben. Neun Jahre lang war er (mit einer Unterbrechung) Leiter der Redaktionsvertretung in München -- Münchner Jahre, die bestimmt wurden durch Namen wie Kapfinger und Strauss, Onkel Aloys und Zimmermann, Spielbanken-, Meineid- und Fibag-Affäre, seit 1970 war er Sonderkorrespondent des SPIEGEL und beschäftigte sich vornehmlich mit strukturalen Analysen über die Grenzen der Bundesländer hinweg. Nicht ohne Vergnügen spielte er die Rolle eines baltischen Agrariers; als Autor war er fast extremistischer Demokrat. Heimlich neigte er zu Paradoxien -- er musste eine überscharfe Brille tragen, schrieb aber so winzige Buchstaben, dass die Empfänger seiner Texte eine Lupe brauchten. Das Schachspielen hat er geschätzt und sogar eine Titelgeschichte über Schach geschrieben (43/1958); er war Sammler vornehmlich fernöstlicher Kunst. Loewenstern, stets sehr korrekt, sehr höflich, sehr zurückhaltend und, solange er lebte, ein lebendes Dementi dessen, was sich ein grosser oder mittlerer Moritz unter einem SPIEGEL-Redakteur vorstellen mag, hat von seinen körperlichen Beschwerden niemals viel Worte gemacht und auch seine Krankheit bis zum Ende ignoriert.

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Herbert Ehrenberg, der Autor des in diesem Heft veröffentlichten SPIEGEL-Essay »Der Stein der Weisen -- nicht zu verordnen«, Seite 166, promovierter Volkswirt, Jahrgang 1926, ist Bundestagsabgeordneter der SPD, war im Kanzleramt Chef der Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik und knapp zwei Jahre Staatssekretär im Arbeitsministerium -- ein Mann mit stets eigenen Vorstellungen.

Er kritisierte Schiller, als der noch sein Parteigenosse und Minister war, er kritisierte die Jusos: »Zur Menschenwürde gehört auch Eigentum«; sein vielleicht bekanntestes Buch heisst »Zwischen Marx und Markt«. Ehrenberg ist einer der fünf stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag.

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