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Hausmitteilung Datum: 15. November 1971 Sammler

aus DER SPIEGEL 47/1971

»Kürzlich gab mein Freund dieses Inserat auf«, schrieb ein Leser an eine Schweizer Zeitschrift, »,Zu verkaufen: SPIEGEL-Jahrgänge 1965-69. komplett. Er erhielt eine einzige Anfrage -- von einem Coiffeur! Wie gross denn die Spiegel wären?« Sicherlich hat es schon stärkere Scherze gegeben als diesen, sicherlich interessiert sich nicht jedermann für alte SPIEGEL-Exemplare. »Christ und Welt, heute die »Deutsche Zeitung«, liess es sich vor einigen Jahren nicht entgehen zu melden, dass auf einer Heidelberger Auktion vier SPIEGEL-Jahrgänge für insgesamt zwei Mark zugeschlagen worden seien.

Aber es gibt, umgekehrt, nicht wenige Leser, die den SPIEGEL sammeln (einige beklagen sich mit fröhlicher Regelmässigkeit darüber, dass die Architekten moderner Wohnungen auf diese Passion zuwenig Rücksicht nehmen), und es gibt ganz offensichtlich einen echten Markt mit Angebot und Nachfrage für alte SPIEGEL-Hefte; die Anzeigenseiten deutscher Tageszeitungen signalisieren es. Auf vielerlei Frage geantwortet: Der SPIEGEL-Verlag nimmt an diesem Markt nicht teil und interveniert auch nicht zur Kursregulierung. Er ist nicht einmal in der Lage, eine einheitliche Kursbildung zu konstatieren. Ein Hamburger Antiquar in der Nachbarschaft der Zentralredaktion bot zum Beispiel alte SPIEGEL-Hefte mit starken Gebrauchsspuren für zwanzig Pfennig je Exemplar, in besserem Erhaltungszustand für dreissig Pfennig an. Ein oberpfälzischer Versandbuchhändler verlangte 55 Pfennig:

Bei kompletten Sammlungen steigt der Preis offenbar. Im eben erschienenen zehnten »Gemeinschaftskatalog Deutscher Antiquare 1971« offeriert eine Antiquariatsbuchhandlung aus Würzburg:

Einige SPIEGEL-Sammler suchen in kleinen Anzeigen bestimmte Hefte zur Komplettierung; ein anderer Chiffren-Anonymus offerierte das SPIEGEL-Heft 41/1962 »gegen Höchstgebot«. Wohl die Offerte eines Kenners für Kenner: Es ist das Heft mit der Titelgeschichte über das Nato-Manöver »Fallex 62«, das die SPIEGEL-Affäre provoziert und also ein wenig bundesdeutsche Geschichte gemacht hat.

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