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Hausmitteilung Datum: 16. 3. 1964 Die Welt, Iswestija

aus DER SPIEGEL 12/1964

Datum: 16. 3. 1964 Betr.: Die Welt, Iswestija

Blickfang der SPIEGEL-Anzeigenwerbung für die Serie »Daheim wenn das Laub fällt« ist ein symbolträchtiges, typographisch im Zeitgeschmack von 1914 gehaltenes Signet: vom August 1914 in den Abgrund, Schrifttype à la »Jugend«. Der Blickfang tat seine Dienste in der »FAZ«, in der »Süddeutschen Zeitung«, in der »Frankfurter Rundschau«, im »Rheinischen Merkur«, in der »Zeit«.

Aber nicht in der »Welt«. Die Verlagsleitung der »Welt« lehnte die Aufnahme der Anzeige ab.

Politische, publizistische oder werbliche Gesichtspunkte können die »Welt« kaum abgehalten haben, gegen entsprechende Gebühr im Inseratenteil anzuzeigen, dass der SPIEGEL die Weltkriegs-Serie veröffentlicht. Jedoch, die »Welt« kann die Ohrmarke der Zugehörigkeit zum Springer-Konzern nicht einfach abschütteln. Unter Konzern-Gesichtspunkten aber geht es darum, die Werbung für andere Publikationen zu erschweren. Die Konsequenz, ihrerseits auf Werbung in anderen Publikationen zu verzichten, zieht die »Welt« daraus allerdings nicht. Im September 1963 schlug sie ein Anzeigen-Tauschgeschäft mit dem SPIEGEL vor, um die »Welt«-Serie »Die Ära Adenauer« im SPIEGEL anzukündigen. Im Gegenzuge konnte der SPIEGEL für sein Sonderheft »Konrad Adenauers vierzehn Jahre« in der »Welt« werben. Freilich, noch ehe die Anzeigen erschienen waren, bat die »Welt« um Rücktritt vom-Geschäft. Nur weil es dafür zu spät war, kam es zur gegenseitigen Insertion für den Adenauer-Abgesang von »Welt« und SPIEGEL.

An dem Vorhaben des SPIEGEL, seine »August 1914« -Serie in der »Welt« anzukündigen, erwies es sich

endgültig: Die Verlagsleitung der »Welt« muss der freien Informationsentfaltung dort Mauern ziehen, wo das Terrain Springerscher Konzerninteressen beginnt. Macht das Tor auf!

Vom neuen Moskauer Knüppel aus dem Sack für die Bundesrepublik bekam auch der SPIEGEL Hiebe. Dem vermutlichen Hintergrund der Tass-Offensive - Drängen der Militärs - entsprechend, griff präzise am Tage der Tass-Erklärung die regierungsamtliche »Iswestija« das SPIEGEL-Gespräch zwischen Conrad Ahlers und dem anonymen Pentagon-Beamten auf, das bereits einen Monat vorher veröffentlicht worden war (SPIEGEL 6/1964). Ahlers, so sagt die »Iswestija«, kenne sich in den Forderungen der westdeutschen Revanchisten gut aus: »Die Art seiner Fragen verrät die militaristischen Bestrebungen Bonns, die von den Regierenden immer wieder abgeleugnet werden.« Wie gut sich Ahlers in den militärischen Bestrebungen

Bonns auskennt, darüber gibt es amtlich verschiedene Meinungen. Fest steht hingegen, dass er bei der politischen Deutung der unvermittelten Moskauer Menetekel-Rufe die gleichen Schwierigkeiten hatte wie andere Journalisten (siehe »Bote am Erlösertor«, Seite 25).

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