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Hausmitteilung Datum: 19. April 1976 Serie, Essay

aus DER SPIEGEL 17/1976

Die Bundesrepublik muss sich auf eine höchst unerwünschte Neuheit einrichten: Trotz aller guten Nachrichten, die beinahe täglich von Konjunktur-Experten zu hören sind, wird es im Jahresdurchschnitt 1976 voraussichtlich bei einer Million Arbeitslosen bleiben. Dieser Zustand ist für Deutsche schwerer erträglich als für andere Nationen, weil sich im Lande eine Art Vollbeschäftigungs-Ideologie entwickelt hat -- in den Wahlkämpfen wird genug davon zuhören sein.

Das besondere Problem sind die Jugendlichen (unter den Arbeitslosen zur Zeit über zehn Prozent) und deren Ausbildung. Das Kompetenz-Gerangel -- der Bund ist für die betriebliche Berufsausbildung zuständig, die Länder sind es für die Berufsschulen, die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern halten eine autonome Zwischenposition -- führte zu einer seit Jahren fruchtlosen Diskussion über eine Bildungsreform. Aber: Wer mehr gelernt hat, wird nicht so leicht arbeitslos, die Statistikbelegt es. Wer nichts gelernt hat oder nichts hat lernen können, wird vielleicht sein Leben lang von der Gesellschaft durchgefüttert werden müssen. Eine auf drei Teile berechnete SPIEGEL-Serie von Klaus Kröger über die »Generation der Überzähligen« beginnt in diesem Heft (Seite 142).

Auf einen seiner Urahnen -- nicht direkter Vorfahr, aber doch im Gezweige des Familienstammbaums -- habe Ludwig Uhland das Gedicht geschrieben »Ich hatt' einen Kameraden«, erzählt Klaus Harpprecht. Auch er ging an der Seite eines Kameraden, zu dem allerdings keine Kugel geflogen, sondern nur ein Verräter ins Haus kam. Harpprecht, 49, hat im Turmstübchen des Palais Schaumburg für Willy Brandt Reden entworfen, als Brandt Kanzler war, oder doch versucht, sie mit Bildungsgut zu befrachten. Seitdem lebt Harpprecht ("Transatlantisches Tagebuch">, als Sonderkorrespondent des Zweiten Deutschen Fernsehens, wieder in den Vereinigten Staaten ("zweite Heimat"), ein Stück westlich von Washington, im Staate Virginia. Von dort schickte er seinen Essay »Amerikaner -Römer des 20. Jahrhunderts« (Seite 120).

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