Zur Ausgabe
Artikel 7 / 79
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Hausmitteilung Datum: 19. November 1973 England, Irland

aus DER SPIEGEL 47/1973

Inder »Welt« stand es, und ähnlich auch anderswo: Die Veröffentlichung eines Aufsatzes von Rolf Hochhuth (SPIEGEL 41 und 42/1967) sei »eine der teuersten Fehlleistungen des Nachrichtenmagazins« geworden. Bei diesem Text ging es Hochhuth um die Behauptung -- sie ist auch Kernstück seines Schauspiels »Soldaten« -, der polnische General Sikorski sei im Exil während des Zweiten Weltkrieges einem vom britischen Geheimdienst arrangierten Flugzeugabsturz zum Opfer gefallen. Ein ehemaliger britischer Geheimdienst-Offizier, Bickham Sweet-Escott, den Hochhuth mit diesem Ereignis in Verbindung gebracht hatte, verklagte ihn und den SPIEGEL in England -- wegen Beleidigung.

Hochhuth reagierte in England nicht. Aber der SPIEGEL -- das rigorose englische Recht macht's möglich, es den Boten entgelten zu lassen -- war dran. Er schloss mit dem Kläger einen Vergleich, der ausser einem Schmerzensgeld auch enthält, dass der SPIEGEL die Kosten des Klägers trägt.

Letzter Teil des Vergleichs war ein im englischen Recht so genanntes Statement in open Court -- eine von den Anwälten beider Seiten vor dem zuständigen Londoner Zivilgericht, dem High Court of Justice, Queens Bench Division, zu verlesende Erklärung. Sie enthielt, wie vereinbart, auch den Part des SPIEGEL-Anwalts: »Die Herausgeber des SPIEGEL haben mich angewiesen festzustellen, dass sie jedes Wort des Anwalts des Klägers voll unterstreichen ... Jede Unterstellung, dass Mr. Sweet-Escott an diesem Unternehmen beteiligt war oder hätte beteiligt sein können, wie es Hochhuth darstellte, wird eindeutig verneint.«

+

Um zu einem Gespräch mit dem Ira-Stabschef Seamus Twomey zu kommen, der jüngst mit einem Hubschrauber aus dem Gefängnis fliehen konnte, hat Börries Gallasch, Redakteur im SPIEGEL-Ressort Ausland, einiges an Geheimdienst-Spielerei aushalten müssen: den Mietwagen wechseln, die Hotels wechseln, die Erkennungs-Parolen wechseln. Unter einer Zeltplane, den Kopf nach unten, wurde er fünf Stunden mit Autos hin- und hergefahren, in insgesamt vier Wagen. Als er endlich aussteigen durfte, musste er

einen Betrunkenen spielen, der in den Armen seiner Kumpane hängt. Im Zimmer dann empfing ihn am Kaminfeuer

Twomey mit den Worten: »Nice to see you again.« Es war das dritte Gespräch, das Gallasch mit Twomey führte (S. 137).

Zur Ausgabe
Artikel 7 / 79
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel