Zur Ausgabe
Artikel 4 / 86

Hausmitteilung Datum: 20. Dezember 1971 TV-SPIEGEL

aus DER SPIEGEL 52/1971

Mit dem Fernsehen leben -- darauf hat sich die Welt längst eingerichtet und die deutsche Frage offengelassen, ob es dieses Fernsehen und ob dieses Fernsehen so sein muss. Die Magazin-Moderatoren, den kummervollen Blick anklagend in die living-rooms gerichtet, geisseln und geisseln, und zwanzig Minuten später rückt Heidi Kabel oder der überaus begabte Millowitsch alles wieder ins sorgenlose Lot. Am Sonntagmittag prüft Werner Höfer, ob ein Journalistenkollege aus Buranda-Urundi die Pläne des amerikanischen Präsidenten in korrektes Deutsch übertragen kann, am Dienstag geht Hans Sachs recht in der Annahme, dass Anneliese Rothenberger ihre Honorare durch öffentliche Auftritte verdient, und am Donnerstag applaudiert das Ensemble, während im Hintergrund das Stuttgarter Männerballett den Kopfstand probt, dem gemeinsam errechneten Resultat, drei mal drei sei neune. Juvat videre, spät und frei nach Hutten, es ist eine Lust zu sehen.

Fünf Jahre lang hat im SPIEGEL ein Telemann Programme und Pläne deutscher Fernsehproduktionen kommentiert, danach, bei Gefahr einer unheilbaren Depression, hat er resigniert. Vor drei Jahren hat das fürs Fernsehen zuständige Kulturressort im SPIEGEL versucht, Vorauswarnungen zu geben, weniger drastisch gesagt: die Produkte der deutschen Programme im vorhinein anzusehen und, notfalls kritisch, anzukündigen. Es war wohl richtig, einen solchen Versuch zu machen, und folgerichtig, ihn wieder abzubrechen: Eines der beiden Institute mochte diese Topfkuckerei nicht mehr zulassen und sein Publikum lieber mit unkommentierten Programmen überraschen -- das ist, abgesehen vom Überraschungseffekt, sicherlich gelungen.

Nicht erst seitdem, sondern wie zuvor auch weiter beschäftigt sich der SPIEGEL mit dem, was in den ohne Ironie als öffentlich-rechtlich ausgewiesenen Anstalten passiert und was sie produzieren, in fast jedem Heft und in jener normalen Form von SPIEGEL-Geschichten, die auf deutsch news-stories heissen. Seit Mitte dieses Jahres wird zudem auf den beiden jeweils letzten Seiten des redaktionellen Teils unter der Überschrift »Diese Woche im Fernsehen« auf eine ausgewählte Gruppe von Sendungen hingewiesen, die dem zuständigen Redaktionsressort in irgendeiner Weise (und das heisst nicht in jedem Fall: positiv) erwähnenswert erscheinen.

Und doch blieb ein Rest, der -- wie in der Politik -- nur durch eine dezidierte, persönliche Meinungsäusserung abzutragen bleibt, die Fakten als bekannt vorausgesetzt. Es wird also, von diesem Heft an, wieder eine Fernsehkolumne geben (Titel »TV-SPIEGEL"), die kontinuierlich, aber nicht unbedingt in jedem Heft erscheinen soll. Die Autoren sind Politiker, Aktive oder ehemals Aktive aus den Fernseh-Anstalten, auch Redakteure und Mitarbeiter des SPIEGEL, Den Anfang macht Fritz Rumler, Kolumnist des SPIEGEL, mit einem Ausblick auf das, was die deutschen Fernsehanstalten an Weihnachten zu bieten planen -- eine schöne Bescherung (Seite 121).

Zur Ausgabe
Artikel 4 / 86
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.