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Hausmitteilung Datum: 21. Dezember 1970 Rullmann, Umfrage

aus DER SPIEGEL 52/1970

Aus Belgrad ist zu hören, dass sich der Prozess vor dem Militärgerichtshof gegen den deutschen Journalisten und SPIEGEL-Korrespondenten Hans Peter Rullmann nach drei Monaten Dauer einem Ende nähere; doch sei die Anklageschrift neu formuliert, es seien einige Komplexe fallengelassen, andere dazugenommen worden. So könnten neue Beweiserhebungen notwendig werden, obwohl die Beweisaufnahme eigentlich abgeschlossen sein sollte. Für diesen Fall würde das Verfahren noch bis ins nächste Jahr dauern. Der Offizier, der Rullmann in der nichtöffentlichen Verhandlung verteidigt, wird jedenfalls einen Freispruch verlangen.

Vom April 1969 bis März 1970 hat das Bielefelder Emnid-Institut im Auftrag des SPIEGEL in monatlichen Erhebungen die Urlaubsgewohnheiten der Deutschen untersucht, natürlich auch die der SPIEGEL-Leser. Objekt der Untersuchung waren alle Bürger der Bundesrepublik vom siebzehnten Lebensjahr an, aufgeteilt nach soziographischen Kriterien (wie Geschlecht, Altersgruppen, Bildung, Beruf, Familienstand oder -grösse, Bundesland et cetera), gefragt wurde nach Urlaubsdauer und -häufigkeit und nach den Urlaubszielen. Die Abteilung Marktforschung im SPIEGEL-Verlag, die das Material vom Computer zu einem Tabellenwerk aufbereiten liess, stellt der Mobilität der SPIEGEL-Leser -wie

nicht anders zu erwarten- ein gutes Zeugnis aus (Slogan: SPIEGEL-Leser reisen mehr). Überraschender sind einige allgemeine Resultate, die sich trotz der Ungeschicklichkeit der Schulferienordnung exakt bestimmen lassen: Mehr als 13 Prozent der erwachsenen Bundesbevölkerung sind niemals innerhalb einer Kalenderwoche gleichzeitig in den Ferien, und auch diese 13 Prozent nur während einer einzigen Woche des Jahres, der 33.; in der übrigen Zeit sind meist mehr als 90 Prozent, in 38 der 52 Kalenderwochen sogar mehr als 95 Prozent zu Hause. Statistisches: Unter den inländischen Reisezielen führt das Gebiet »Schwarzwald, Schwaben, Neckar« knapp vor »Südbayern, bayerische Alpen«, im europäischen Ausland (25 Prozent aller Reiseziele) liegt Österreich vor Italien und Spanien. Selbständige und Angehörige freier Berufe bevorzugen im Inland Südbayern, leitende Angestellte und Beamte die Schwarzwaldgegend, selbständige Landwirte das Bodenseegebiet, Arbeiter nicht etwa Nord- oder Ostsee, sondern »sonstige Gebiete in Norddeutschland«; Ledige zieht es wieder mehr nach Bayern, Verheiratete in den Schwarzwald. Die DDR ist für Familien ohne schulpflichtige Kinder achtmal so attraktiv wie für solche mit schulpflichtigen Kindern. Unter den Deutschen mit Abitur findet sich die höchste Quote der Berlin-Reisenden, mit weitem Abstand auch das europäische Ausland als bevorzugtes Reiseziel. Während Rheinländer und Westfalen die meisten Afrika-Besucher stellen, dominiert unter den Besuchern von Amerika die Bevölkerung aus dem Raum Schleswig-Holstein bis Niedersachsen und Württemberg. Bayern machen selten Ferien ausserhalb Europas, haben aber nächst den Hessen prozentual das grösste Interesse an Reisen ins europäische Ausland, das geringste Interesse für Reisen in die DDR.

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