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Hausmitteilung Datum: 21. März 1988 Polen

aus DER SPIEGEL 12/1988

Ein Pole, der Lenins Gesammelte Werke gegen Toilettenpapier eintauscht, ganz legal; ein polnisches Ehepaar, das mit der Privatproduktion von Haushaltsgegenständen Millionen macht; eine Wissenschaftlerin in Regierungsdiensten, die öffentlich über wachsende Verelendung in Polen referiert - SPIEGEL-Mitarbeiter Leon Szulczynski hat sie jetzt in Warschau getroffen. Er beschreibt in diesem Heft die von Mangelwirtschaft und galoppierender Inflation, aber auch von außerordentlicher Glasnost-Liberalität bestimmte Lage im Land seiner Herkunft.

Szulczynski hatte Polen im Oktober 1968 verlassen, als dort die antisemitische Kampagne des Gomulka -Regimes gegen Revisionisten, Kosmopoliten und Zionisten« heißlief. Der Journalist siedelte in die Bundesrepublik um, fand erste Aufnahme im Haus Heinrich Bölls in Köln, wurde 1969 SPIEGEL-Redakteur in Hamburg. Im Auslandsressort verfolgte er die Entwicklung der polnischen Verhältnisse. SPIEGEL-Gespräche mit Landsleuten wie Lech Walesa und dem Schriftsteller Wladyslaw Bartoszewski konnte er führen, wenn diese in den Westen kamen. Erst zwei Jahrzehnte nach seiner Emigration - so lange brauchte Polens Staatsführung, um einzuräumen, daß 1968 »schwerwiegende Fehler« begangen worden waren - entschloß sich Szulczynski, nun im Ruhestand, zu einem Besuch in der alten Heimat. Einige alte Freunde, Nichtkatholiken wie er, traf er in einer »Solidarnosc-Kirche« wieder. In einem anderen katholischen Gotteshaus Warschaus wurde er mit antisemitischen Parolen konfrontiert.

Er bekam Einblicke ins »Armenhaus Osteuropas« und in die »Schieberwirtschaft«, die Polen in Gang hält, entdeckte »Yuppies auf polnisch«, erfuhr von den über 400 Untergrundzeitschriften, die das Regime duldet, und von der Furcht nicht nur der herrschenden Kommunisten, sondern auch mancher Oppositioneller vor einer Explosion des Volkszorns, die Moskau alarmieren müßte, allem Glasnost zum Trotz ("Die Grenze aller Hoffnungen«, Seite 189).

Szulczynski

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