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Hausmitteilung Datum: 24. Dezember 1979 Stalin

aus DER SPIEGEL 52/1979

Weil es mehrere Meyer im SPIEGEL gibt, wird Fritjof Meyer, diplomierter Politologe, wegen einschlägiger Interessen und Verdienste »Meyer-Ost« genannt. Seit 13 Jahren beim SPIEGEL, hat Meyer-Ost rund 350 SPIEGEL-Geschichten und etwa 25 Titelgeschichten über die Sowjet-Union geschrieben -- auch die zu Stalins 100. Geburtstag für dieses Heft ("In seiner Art schon ein genialer Kerl«, Seite 98).

Pendant zu Meyer-Ost ist Michael Morozow, seit 1969 Journalist in der SPIEGEL-Dokumentation ("Archiv"). Morozow, Russe von Geburt, erlebte als Zwölfjähriger, 1936, den Beginn der »grossen Säuberung« in Moskau. »Eines Nachts kamen drei Uniformierte. Begleitet vom tatarischen Hausmeister, durchsuchten sie unsere Ein-Zimmer-Wohnung in der Kirowskaja Nr. 3 peinlich genau, sogar die Walnüsse wurden aufgeknackt -- es hätten ja

irgendwelche Geheimpapiere drin sein können. Schliesslich nahmen sie meinen Vater mit. Acht Wochen später kam er wieder nach Hause -- sie hatten ihm die Zähne ausgeschlagen, doch irgendein Geständnis hatte er nicht

unterschrieben.« 1941 wurde Michael Morozow zur »Volkswehr« eingezogen, aber nicht vereidigt, weil er noch nicht achtzehn war. Dreimal floh Morozow aus deutscher Kriegsgefangenschaft. Beim dritten Male wurde er auf der Flucht in Russland von den

Deutschen festgenommen und als »Ostarbeiter« nach Berlin gebracht. Morozow blieb in Deutschland, studierte in Frankfurt Geschichte, Philosophie und Germanistik und war dann 15 Jahre lang in der Erwachsenenbildung tätig. 1973 veröffentlichte Morozow eine Breschnew-Biographie. Aus seinem neuen Buch über Stalin, das Anfang Januar erscheint, druckt der SPIEGEL, beginnend im nächsten Heft, eine dreiteilige Serie vorab. Dritter im Bunde der Russland-Experten ist Siegfried Kogelfranz, bis Oktober 1978 stellvertretender Leiter des SPIEGEL-Auslandressorts, seither SPIEGEL-Korrespondent in Moskau. Als Österreicher waren ihm die Russen schon immer nicht unsympathisch -- wegen des Staatsvertrags. Seiner Neigung hat er am Donnerstag vorletzter Woche endgültig nachgegeben: Er heiratete im Moskauer »Hochzeitspalast Nummer Eins« Jelena Alexandrowna Mikulina, Tochter des Generals, Helden der Sozialistischen Arbeit und Konstrukteurs -- er entwickelte das Triebwerk für die Mig-Jäger -- Alexander Alexandrowitsch Mikulin. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und hatte jahrelang Zugang zu Stalin. Na denn: bolschoje stschastje -- grosses Glück.

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