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Hausmitteilung Datum: 24. März 1986 Felfe

aus DER SPIEGEL 13/1986

Auch wenn Heinz Felfes Schand- oder Ruhmestaten als Ostspion schon 25 Jahre zurückliegen - daß er einem SPIEGEL-Gespräch so problemlos zugänglich sein würde, hätten die SPIEGEL-Redakteure Wolfgang Malanowski und Ulrich Schwarz nicht gedacht. Am Montag letzter Woche konnten sie den einstigen Chef der »Gegenspionage Sowjet-Union« im BND, der 1961 als KGB-Agent entlarvt wurde, in Ost-Berlin interviewen, zwar nicht in seiner Wohnung (deren Adresse hält er geheim), aber, mit Genehmigung des DDR-Außenministeriums, im Zimmer 308 des Internationalen Pressezentrums der DDR.

Anlaß des Gesprächs waren die Memoiren, die Felfe jetzt unter dem Titel »Im Dienst des Gegners« in der Bundesrepublik, nicht in der DDR, veröffentlicht hat. Was von dem Buch zu halten ist, schreibt in diesem Heft ein durch intime Metier-Kenntnis und frühe Felfe-Bekanntschaft qualifizierter Rezensent: Ex-Verfassungsschutzpräsident Günther Nollau ("Das ist die Handschrift des KGB«, Seite 84). Die SPIEGEL-Redakteure befragten Felfe nach den Motiven, aus denen er damals spionierte und heute publiziert, nach dem Geld, das er damals und heute von seinen sowjetischen Dienstherren bezog/bezieht, sowie nach der (fördernden und zensierenden) Mitarbeit des KGB am Memoiren-Manuskript (SPIEGEL-Gespräch Seite 68).

Der Spionage-Veteran, der seinen alten bundesrepublikanischen Paß und sowjetische Ordensurkunden vorzeigte, möchte gern zur »Entkrampfung« des deutsch-deutschen Verhältnisses beitragen. Zur Überprüfung des Interview-Textes brauchte er (brauchte wer?) sechs Stunden. Als er den SPIEGEL-Leuten am Mittwoch seine Interview-Kopie mit nur geringfügigen Änderungen übergab, erschien er im feinen Nadelstreifen-Anzug. Er war unterwegs zu einer Feier seines 68. Geburtstags, und da, sagte Heinz Felfe, »kommt auch ein russischer General hin«.

Felfe

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