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Hausmitteilung Datum: 26. November 1973 Öl, Serie

aus DER SPIEGEL 48/1973

Die Energiekrise kann vom SPIEGEL beschrieben werden und wird es auch in diesem Heft wieder, in zwei Themenblocks im Deutschland-Teil (Seiten 23, 28) und im Auslandsteil (Seite 104). Die Möglichkeiten, diese Krise zu lindern, sind für den SPIEGEL dagegen ziemlich gering. Selbstverständlich ist schon vor vierzehn Tagen die Leuchtschrift über dem Haus abgestellt worden, SPIEGEL-Fahrer haben vierzehn Tage bevor es die Regierung allen Autofahrern verordnete, die Anweisung bekommen, Tempo achtzig und Tempo hundert nicht zu überschreiten; jeder löscht brav das Licht, wenn er sein Zimmer verlässt. Nur mit der Umstellung auf die öffentlichen Verkehrsmittel hapert es, weil die oft nicht mehr verkehren, wenn die Redakteure das Haus verlassen. Manchmal allerdings, zu den Wochenenden, verkehren sie schon wieder.

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Neun Monate lang haben die Tupamaros, eine revolutionäre Untergrundorganisation in Uruguay, den britischen Botschafter Sir Geoffrey Jackson in Montevideo gefangengehalten, dann liessen sie ihn frei. Ein Lösegeld war für ihn nicht bezahlt, Gefangene waren gegen sein Leben nicht ausgetauscht worden. In einer Erklärung der Tupamaros

hiess es damals, sie sähen keinen Sinn darin, Sir Geoffrey noch länger gefangenzuhalten. Allerdings hatten wenige Tage vor seiner Freilassung über hundert Tupamaros aus einem Gefängnis fliehen können -- ob mit stillschweigender Billigung der Regierung, ist bis jetzt nicht geklärt. In einer auf insgesamt drei Folgen geplanten Serie, die in diesem Heft beginnt ( Seite 140, »Halt uns nicht für

dumm, Amigo"), berichtet der britische Botschafter seine Erlebnisse vor und nach der Entführung. So kommt auch die passive Seite im SPIEGEL zu Wort; über die Aktivitäten der Tupamaros ist kontinuierlich berichtet worden, seit diese Organisation ihre ersten grösseren Unternehmungen begann, die Entführung des uruguayischen Präsidenten-Beraters Ulises Pereyra Reverbel im August 1968. Die Tupamaros in Uruguay, die »Bewegung der nationalen Befreiung«, galt als die am besten disziplinierte und effektivste Organisation von Stadt-Guerrilleros in Lateinamerika. Ihre exakt geplanten Überfälle, Waffendiebstähle und Entführungen waren Vorbild für Partisanen in den Nachbarländern, aber wohl auch in der Bundesrepublik. Nicht zuletzt ihre Unternehmungen waren Anlass und Gegenstand der SPIEGEL-Serie »Da hilft nur noch Gewalt« (36 bis 39/1970). Während der Recherchen zu dieser Serie war dem SPIEGEL ein Gespräch mit dem Tupamaro-Gründer Raúl Sendic in Aussicht gestellt worden; es kam nie zustande. Etwa Mitte 1972 wurde die Organisation von den Streitkräften Uruguays, offenbar unter Beratung von amerikanischen und brasilianischen Spezialisten, zerschlagen.

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