Zur Ausgabe
Artikel 4 / 96

Hausmitteilung Datum: 26. Oktober 1970 Bücher

aus DER SPIEGEL 44/1970

Journalisten, die für den Tag arbeiten, haben ihre eigene Beziehung zur Literatur. Bücher müssen gelesen, können ausgeplündert, Bücher können vorab gedruckt, können im nachhinein kritisiert werden. Oft sind sie Objekt, gelegentlich Resultat journalistischer Arbeit. In diesem Herbst kommen zumindest vier Titel in die Buchläden, deren Autoren SPIEGEL-Redakteure und deren Inhalt direkt oder indirekt Resultate ihrer Arbeit im SPIEGEL sind. Heinz Höhne, Leiter der Serien-Redaktion, hatte 1968 bei der Bearbeitung und Verifikation eines französischen Buches über die Rote Kapelle so viel eigene Forschung investiert, dass die Arbeit sich zu einer eigenen zeithistorischen Forschung auswuchs: »Kennwort: Direktor« (S. Fischer; 336 Seiten; 24 Mark); das Buch erscheint gleichzeitig auch in England, den Vereinigten Staaten und in Italien. Hermann Schreiber hat als SPIEGEL-Kolumnist viele Male de Gaulle und Nixon, Heinemann und Kiesinger begleitet und porträtiert, und natürlich erst recht den Aussenminister, nun Bundeskanzler Willy Brandt. Zusammen mit Axel Springers Sohn Sven Simon, der die Photos beisteuerte, hat er ein Porträt »Willy Brandt« erscheinen lassen (Econ; 124 Seiten; 22 Mark). Die Skala der Kritik reicht von der »Frankfurter Allgemeinen« ("Schreibers Text ist Meisterklasse") bis zum »Bayernkurier« ("Propagandatraktätchen"). Helmut Gumnior, promovierter Dempf-Schüler, hat als Mitglied des Redaktionsressorts Geisteswissenschaften an den SPIEGEL-Gesprächen teilgenommen, die mit dem unbestrittenen Haupt der Frankfurter Soziologenschule Max Horkheimer geführt worden sind. Aus der ersten Unterhaltung ergaben sich viele, ein Fernsehfilm sogar, und die unveröffentlichten Vorräte reichten immer noch für ein Taschenbuch: »Max Horkheimer -- Die Sehnsucht nach dem ganz Anderen« (Furche; 90 Seiten; 3,80 Mark). Michael Morozow ist in Moskau aufgewachsen. Er fühlt sich in der SPIEGEL-Dokumentation für die Sowjet-Union zuständig. Seine Untersuchung »Das sowjetische Establishment« (Seewald; 200 Seiten; 12 Mark) gilt den zweihundert Mitgliedern des Zentralkomitees der KPdSU. Es scheint dort sogar so etwas wie Lobbyismus zu geben, Militärs, Ingenieure, Landwirte, Lehrer -- nicht einen Juristen, ausser dem Generalstaatsanwalt, der seine juristische Ausbildung nicht abgeschlossen hat.

Zur Ausgabe
Artikel 4 / 96
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.