Zur Ausgabe
Artikel 2 / 89
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Hausmitteilung Datum: 3. April 1972 Rote Kapelle

aus DER SPIEGEL 15/1972

An sieben aufeinanderfolgenden Sonntagen wird, vom 9. April an, das Deutsche Fernsehen ein Dokumentarspiel ausstrahlen, das zusammen mit dem französischen Fernsehen ORTF und der italienischen Anstalt RAI produziert worden ist: »Die Rote Kapelle -- Geschichte eines Agentennetzes«. Der Film soll ausser in der Bundesrepublik auch in Frankreich und Italien, in Österreich und in der Schweiz gesendet werden. Daten und Fakten zu dieser Fernsehfolge stammen aus der SPIEGEL-Serie »Kennwort Direktor«, die 1968 in den Heften 21 bis 30 veröffentlicht worden war.

Lebhafte Vorgeschichte: Der SPIEGEL hatte die Vorabdruckrechte am Buch eines französischen Zeithistorikers zum Thema erworben, dessen Einsichten in die Aktivität der im Widerstand operierenden kommunistischen Agentengruppe sich als unzureichend erwiesen. So machte sich Heinz Höhne, im SPIEGEL für Serien verantwortlich und als Zeithistoriker längst erprobt ("Der Orden unter dem Totenkopf"), an die Arbeit, mit überraschenden Sucherfolgen und gegen erbitterten Widerstand aus zwei betroffenen Gruppen: von Kriminalisten und Juristen, die seinerzeit an den Verfahren gegen die Kapelle-Mitglieder beteiligt gewesen waren, und von Angehörigen oder Überlebenden Gruppenmitgliedern, denen zum Teil schon die geläufige Bezeichnung »Rote Kapelle« als politische Diffamierung eines nur demokratisch gedachten Widerstandes erschien. Es kam zu Boykott-Verabredungen -- »Nichts sagen!« -- gegen den SPIEGEL, auch zu Gerichtsverfahren, von denen bis heute noch nicht alle entschieden sind. Die Veröffentlichung der Serie und deren Sachlichkeit hat dann einige der Betroffenen beruhigt, ja ausgesöhnt -- nicht alle. Inzwischen ist sie bei S. Fischer als Euch erschienen, Auslandsausgaben in England, Italien, den USA und der Schweiz: Gelegenheit zur Bewährung auch vor der historischen Fachkritik als »die erste umfassende Geschichte der geheimnisumwitterten »Roten Kapelle'« (Bayerischer Rundfunk), als »zeitgeschichtliches Pflichtbuch« ("Abendzeitung"). »Es war immer klar«, so »The Times Literary Supplement«, »dass die definitive Geschichte ein Deutscher schreiben müsse, und es ist ein Journalist, der nun die Fakten gesammelt und eine ausgewogene Darstellung geschrieben hat. Heinz Höhne hat äusserst sorgfältig geforscht und die erreichbaren Quellen erschöpfend ausgewertet mit einem Minimum an Spekulation ... ein Werk der Geschichtsschreibung, eindrucksvoll dokumentiert und nüchtern geschrieben.« Hugh Trevor-Roper: »Es hat schon viele Darstellungen über die Rote Kapelle gegeben, aber diese ist die bei weitem bestdokumentierte und kritischste.« A. J. P. Taylor: »Herr Höhne hat ein gutes Buch geschrieben, sorgfältig recherchiert und richtig vorgeführt.« Hoffentlich schafft die ARD das auch.

Zur Ausgabe
Artikel 2 / 89
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.