Zur Ausgabe
Artikel 3 / 74

Hausmitteilung Datum: 30. August 1976 Heidegger

aus DER SPIEGEL 36/1976

Der Süddeutsche Rundfunk hätte gern die Tonbandaufnahme des Gesprächs gesendet, das der SPIEGEL vor zehn Jahren mit Martin Heidegger geführt und erst nach seinem Tode

veröffentlicht hat (23/1976). Dieser Wunsch war nicht zu erfüllen; er widersprach den verbindlichen Verabredungen mit dem Philosophen. Auch die Erlaubnis, das Gespräch noch zu seinen Lebzeiten zu veröffentlichen, hatte Heidegger strikt verweigert. Er bedankte sich zwar in einem Brief an Rudolf Augstein für die »Bereitschaft zur öffentlichen Aufklärung meines Falles«, schrieb aber dazu (siehe Faksimile) »Ich möchte Sie aber noch einmal bitten, zu verstehen, warum ich auf unserer Absprache beharre. Es ist weder Stolz noch Eigensinn, sondern allein die Sorge für meine Arbeit.«

Es gibt kaum einen Staat, in dem der SPIEGEL frei vertrieben werden kann, dessen Zeitungen nicht aus dem Gespräch mit Heidegger zitiert haben. Die Übersetzungsrechte

sind erbeten aus und erteilt worden nach den Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich, England, Spanien, Italien, Holland und Mexiko. Die Reaktion der Leser übertraf (oft auch an Länge der Zuschriften) jede Erwartung. Ein Leser aus Bern wollte den SPIEGEL für die »höchste Auszeichnung der Republik« vorgeschlagen wissen, ein Buchhändler aus Göppingen hielt das Heidegger-Gespräch für die »bedeutendste Veröffentlichung« der letzten Jahre. Wenige Tage vor seinem Tod im Mai 1976 schrieb Heidegger für Georg Wolff, den dritten Gesprächsteilnehmer, auf ein Manuskript seiner jüngsten Schrift »Neuzeitliche Naturwissenschaft und moderne Technik« die handschriftliche Widmung »Eine noch nicht bedachte Frage -- für Georg Wolff herzlich dankend -- grüssend«.

Zur Ausgabe
Artikel 3 / 74
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.