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Hausmitteilung Datum: 5. September 1966 Krupinski-Gespräch

aus DER SPIEGEL 37/1966

Datum: 5. September 1966 Betr.: Krupinski-Gespräch

»Was Minister von Hassel verbot. Was der SPIEGEL nicht druckte« - na, was ist damit? Richtig: »Bild bringt es!« So stand es am vergangenen Donnerstag schwarz auf rot quer über die Frontseite dieser vielgeliebten Zeitung gedruckt. Die »Bild-Zeitung« brachte Auszüge aus dem SPIEGEL-Gespräch mit Brigadegeneral Walter Krupinski, dessen Veröffentlichung Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel als »Dienstherr« des Brigadiers untersagt hatte: »Bild liegt jetzt der Text des Interviews vor. Wir haben es nicht vom SPIEGEL - jeder weiss, dass unsere Beziehungen zu dem Nachrichtenmagazin nicht besonders herzlich sind.« Schon am Mittwoch hatte aber auch »Die Welt« aus dem gesperrten SPIEGEL-Gespräch zitiert, mit dem gelassen-aufrichtigen Kommentar von Rudolf Horch, einem Bonner »Welt«-Korrespondenten: »Liest man das unveröffentlichte Interview, so ist die Weisung des Ministeriums, die Veröffentlichung zu untersagen, nicht ganz verständlich.« Liest man ... ? Der SPIEGEL ist gewiss die fast letzte Instanz, die ein von ihr geführtes Gespräch zur geheimen Verschlußsache erklärt sehen möchte - als zum »VS - Vertraulich« promovierten Dokument war das Manuskript des Gesprächs tatsächlich dem Bonner SPIEGEL-Büro zurückerstattet worden. Hatte aber der Verteidigungsminister aus persönlichen Gründen - er fand den Ton des Brigadiers Krupinski »arrogant« - dem SPIEGEL die Veröffentlichung verweigert, so durfte um so weniger sein Haus die im Ministerium hergestellten Kopien an Dritte ausliefern. Ein ferngeschriebener Protest des SPIEGEL-Chefredakteurs Claus Jacobi hatte immerhin den Erfolg, dass vom Verteidigungsministerium angefragt wurde, ob die Verteidigungsausschuss-Mitglieder des Bundestags eine Kopie bekommen dürften; sie hatten das Dokument angefordert - natürlich durften sie. Zur Institution der SPIEGEL-Gespräche gehört, dass der Gesprächspartner an alle seine Äusserungen letzte Hand anlegen, ja, dass er sie alle auch wieder ausstreichen kann - es gibt SPIEGEL -Gespräche, die niemals erscheinen. Stets hat sich der SPIEGEL, und also auch im Fall des abwesenden Generals Krupinski, an diese Absprache gehalten. Was es aber noch nicht gab und nicht geben soll, sind unveröffentlichte SPIEGEL-Gespräche, aus denen Fragmente, je nach Couleur ausgesucht, an anderen Orten auftauchen. Wie die Gesprächsfetzen an die Öffentlichkeit kamen, ist ungeklärt. Regierungsdirektor Hellmuth Brennecke, der amtierende Pressechef des Verteidigungsministeriums, hat einstweilen nur bestätigt, dass mehrere Journalisten das SPIEGEL-Gespräch im Ministerium gelesen hätten. Die Fairness zwingt, nun das gesamte Gespräch vorzulegen. Der vollständige Text des SPIEGEL-Gesprächs mit Walter Krupinski, einem der vier deutschen Starfighter-Piloten mit Generalsrang, wird in diesem Heft auf den Seiten 22 bis 30 veröffentlicht.

VS-Siegel des Krupinski-Gesprächs

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