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Hausmitteilung Datum: 6. November 1967 Abstürze

aus DER SPIEGEL 46/1967

Als der dienstälteste Kontroll-Offizier des Strategic Air Command, Oberst Thomas J. Sims, drei Stockwerke unter der Erde in seiner Kommando-Zentrale am 17. Januar 1966, Ortszeit 3 Uhr 35, zum Telephon griff, standen ein anderer Oberst und zwei Feldwebel neben ihm, die Hand am Pistolengriff. Ihre Aufgabe war, den Oberst der amerikanischen Luftwaffe sofort niederzuschiessen, falls er »unerlaubte oder unrichtige Informationen« weitergeben sollte. Der Oberst benutzte eine Fernsprechleitung, über die Kommandos an jene 680 Riesenflugzeuge gegeben werden können, von denen mindestens die Hälfte, armiert mit je vier H-Bomben, ständig alarmbereit ist, ihre fürchterliche Fracht zu schärfen und abzuwerfen. Was Oberst Sims damals seinem Vorgesetzten meldete, war, dass vier dieser Bomben an der Küste Südspaniens tatsächlich heruntergefallen waren: Ihr Trägerflugzeug war bei einem Tankmanöver kollidiert und abgestürzt. Die in Paris wohnende amerikanische Journalistin Flora Lewis, bei Bonn-Besuchen gelegentlich »Frühschoppen«-Gast, hat diesen Unfall, dessen unausdenkbare Risiken der Öffentlichkeit sorgfältig vorenthalten worden waren, penibel recherchiert. Sie referiert sowohl die Beobachtung eines spanischen Bauern, der das Tankmanöver in zehntausend Meter Höhe so verstand: »Das eine Flugzeug hat das andere gerammt ... Die Piloten müssen sich entsetzlich gestritten haben«, wie die Plan-Bewegungen einer Militärapparatur, die am Ende doch

achtzig Tage brauchte, um die vierte Bombe tief unter dem Mittelmeerschlick zu bergen ("H-Bombe vermisst«, Seite 118).

»Mögen Juristen auch behutsam nach dem passenden Ausdruck suchen«, schreibt der »Tagesspiegel« zur Affäre Schwinkowski, »viele werden es schlicht Korruption nennen.« Springers Haus hat bestätigt, dass mit dem Landtags-Vizepräsidenten von Schleswig-Holstein, dem CDU-MdL Schwinkowski, ein Vertrag bestand, und endlich hat es, nach Dementi und angedrohten Klagen, auch Schwinkowski zugegeben, zugleichangekündigt, dass er »allein aus politischen Rücksichten« sein Amt als NDR-Verwaltungsrat zurückgebe. Aber, so Schwinkowski an den Landtagspräsidenten: »Dem SPIEGEL werfe ich vor, dass er den ... Sachverhalt unvollständig, verzerrt und in tendenziöser Form gebracht hat.« Ob ihm noch mehr Vollständigkeit wirklich lieber gewesen wäre -- etwa die von ihm übernommenen Vertragspflichten als Materiallieferant an das Haus Springer betreffend? »Im Landtag«, empfiehlt das »Handelsblatt«, »sollten ihm entsprechende Konsequenzen nicht erspart bleiben.«

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