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Hausmitteilung Datum: 9. Juli 1979 K-2

aus DER SPIEGEL 28/1979

Im Kino oder im Fernsehen gab es das schon oft: Der findige und fündig gewordene Reporter eilt zum Telephon, lässt sich mit seiner Redaktion verbinden und gibt seine Story durch, samt der Schlagzeile für die erste Seite. In Wirklichkeit gibt es das auch -- manchmal mehr, meist weniger dramatisch. Viele SPIEGEL-Geschichten sind derart ins Blatt gebracht worden. Doch manchmal gibt es auch Ungewöhnliches. Zum Beispiel: Im Jahre 1976 lernte SPIEGEL-Redakteur Joachim Hoelzgen, der seit 1962 Bergtouren bis zum 3. Schwierigkeitsgrad (von sechs möglichen) macht, den »Muhammad Ali des Alpinismus« kennen, so ein Bewunderer über den 34jährigen Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner, Die Verbindung zwischen Messner und dem SPIEGEL war nützlich. 1977 schrieb SPIEGEL-Redakteur Wilhelm Bittorf -- den Bergen und den Abenteuern zugetan -- ein Porträt des Himalaja-Kletterers Messner (16/1977). Weitere Artikel folgten, und im August 1978 beschrieb Messner im

SPIEGEL seine Besteigung des Mount Everest

ohne Sauerstoffgerät (35/1978). Der »beste lebende Bergsteiger« ("La Montagna«, italienisches Berglexikon) fand Spass an der Zusammenarbeit mit dem SPIEGEL, und er schlug vor, »live« über seine für Sommer 1979 geplante Expedition auf den zweithöchsten Berg der Erde, den K-2, zu berichten, weil er selber immer erst dann schreiben kann, wenn alles vorbei ist.

Das war auch neu für den SPIEGEL. Erstens musste ein SPIEGEL-Redakteur mitklettern, und dann war da noch das Problem mit dem Telephon. Wer bis zum Basislager in 5000 Meter Höhe mit Messner und seiner Mannschaft aufsteigen sollte, war klar: Joachim Hoelzgen. Während Hoelzgen trainierte, verhandelten die SPIEGEL-Ressortleiter Rolf 5. Müller und Jürgen Petermann über Funkgeräte, Sendefrequenzen, Fernschreibverbindungen und Transportmöglichkeiten für das Bildmaterial. Und so läuft nun das SPIEGEL-Unternehmen am K-2 ab: Vom Basislager auf dem Godwin-Austen-Gletscher hat Hoelzgen eine UKW-Verbindung mit den Gipfelstürmern. Über eine weitere Kurzwellen-Funkanlage gibt er seine Informationen an Bittorf durch, der etwa 200 Kilometer entfernt in dem kleinen Provinznest Gilgit sein Quartier hat. Von dort werden die Berichte entweder mit dem Flugzeug oder über den Karakorum-Highway 600 Kilometer weit zum Fernschreiber nach Rawalpindi gebracht. Die ersten Berichte sind da ("Ein Wunder, wenn sie hinaufkommen«, Seite 130), und von Hoelzgen gibt es gute Nachrichten: Er hat sich, nach der Zahl seiner roten Blutkörperchen, so gut akklimatisiert wie Messner. Für Kenner: Hoelzgens Hämatokrit-Wert beträgt 49,0 Volumenprozent.

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