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Hören und Sehen Daumenkino mit Megapixeln

Die Grenzen zwischen Foto und Video verschwimmen: Jede Kamera muss heute beides bieten.
aus DER SPIEGEL 12/2001

Die Bildermaschinen der jüngsten Generation mutieren zu Multifunktionsgeräten. Videokameras fotografieren, Digitalfotoapparate machen Videos, manche dienen nebenbei schon als MP3-Player, Terminplaner oder sogar Internet-Terminals.

Mit knapp zwei Millionen Bildpunkten sind die Fotoausdrucke einiger Videokameras kaum mehr von herkömmlichen Abzügen zu unterscheiden. Wer nur gelegentlich ein Foto nebenbei machen will, ist mit Digitalvideokameras mit einer Fotoauflösung von rund einer Million Bildpunkten gut bedient. Dieser Wert, im Fachjargon Megapixel genannt, reicht für Papierabzüge im Postkartenformat.

Die Fotoqualität vieler Videokameras entspricht heute dem Stand digitaler Fotokameras vor rund zwei Jahren. Die Anzahl der Pixel reicht heute nicht mehr als Unterscheidungsmerkmal aus. Sekundärtugenden wie Ausstattung, Design und Sonderfunktionen werden immer wichtiger.

Inzwischen macht der Fotohandel mit Digitalkameras mehr Umsatz als mit klassischen Spiegelreflexmodellen. Jeder bessere Digitalfotoapparat bietet heute drei Megapixel, die Jagd nach immer besserer Auflösung geht damit im Amateurbereich zu Ende. Der Trend weist zu Hybridgeräten: Funktionen wie Musikhören, Terminplanung und Fotografieren verschmelzen miteinander. Konvergenz lautet das Motto.

Auch herkömmliche Terminplaner, so genannte PDAs, lassen sich mit aufsteckbaren Kameramodulen aufrüsten, liefern aber nur winzige, oft unscharfe Bildchen im Briefmarkenformat.

Kaum ein digitaler Fotoapparat kommt noch ohne Videofunktion zum Aufnehmen von kurzen Bewegtbild-Sequenzen aus, meist grobkörnig wie ein expressionistischer Film, ruckelig wie Daumenkino, kurz wie ein Werbespot. Die Minifilmchen haben jedenfalls den Vorteil, dass sie sich problemlos per E-Mail verschicken lassen.

Ansonsten gilt: Ein rundum zufrieden stellendes Allroundgerät gibt es bislang nicht.

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