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Hausmitteilung DDR

aus DER SPIEGEL 33/1981

Datum: 10. August 1981 Betr.: DDR

Ob Räuberpistole mit Bindestrich oder in einem Wort geschrieben wird, darüber waren sich die DDR-Zeitungen am vergangenen Montag nicht einig. Vielleicht lag es daran, dass das Wort im Duden-Ost nicht verzeichnet ist und damit wohl auch nicht zum sozialistischen Wortschatz gehört.

Einheitlich in allen DDR-Zeitungen war statt dessen der Text unter der Überschrift »Neue Räuberpistole": »Die bundesdeutsche Zeitschrift DER SPIEGEL hat ihre Leser mit einem neuen Fälschungstrick beglückt. War es vor einigen Jahren ein erfundenes 'Manifest', so ist es jetzt ein angebliches 'Flugblatt', das die DDR-Führung anklagt, als 'Speerspitze gegen die demokratischen Kräfte im Warschauer Pakt' aufzutreten. Dem SPIEGEL gefällt es offensichtlich nicht, dass die DDR durch ihre Lebensmittellieferungen an Volkspolen hilft, die demoralisierenden und das Land auszehrenden Erscheinungen des gesellschaftlichen Chaos und der Spekulation zu überwinden. Ein Beweis mehr, wie richtig es war, das SPIEGEL-Büro in Berlin aufzulösen.«

Diese Meldung war bereits am Sonntag von der amtlichen DDR-Nachrichtenagentur ADN verbreitet worden, noch bevor der SPIEGEL mit dem Faksimile des Flugblattes erschien (32/1981). Kein Spionagefall im Hamburger SPIEGEL-Haus. Die Deutsche Presse-Agentur hatte die SPIEGEL-Nachricht als Vorausmeldung bereits am Samstag über ihre Ticker laufen lassen.

Das ungewöhnlich schnelle und ruppige Dementi Ost-Berlins zeigt, wie gross die Furcht der DDR-Führung vor dem polnischen Bazillus ist, und lässt den Schluss zu, dass Ost-Berlin das Flugblatt ernst nimmt.

Zweifellos war die SPIEGEL-Meldung für einige DDR-Funktionäre aber auch ein willkommener Anlass, darauf hinzuweisen, wie falsch es wäre, das Ost-Berliner SPIEGEL-Büro wiederzueröffnen. Die Gelegenheit war günstig: SED-Chef Honecker war weit weg, bei Breschnew auf der Krim.

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