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DDR aus zweiter Hand

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aus DER SPIEGEL 34/1984

In der DDR blüht das Geschäft mit Gebrauchtwaren. Um Versorgungsengpässe bei wichtigen Konsumgütern zu beseitigen, gleichzeitig aber Rohstoffe und Produktionsmittel zu sparen, fördert die Ost-Berliner Regierung den Handel mit Waren aus zweiter Hand.

So entstehen bis zum Ende des laufenden Fünfjahresplanes 1985 in allen Kreisen der Republik sogenannte »A & V« (An- und Verkauf)-Läden; der Branchenumsatz soll sich bis dahin gegenüber 1980 verdoppelt haben.

Doch der schwunghafte Altwaren-Handel wirft Probleme auf. Weil die vorhandenen Lager und Verkaufsflächen nicht ausreichen, werden die gebrauchten Jeans, Kinderkleider oder Haushaltsgeräte neuerdings auch unter freiem Himmel verkauft, so etwa in der Naumburger Fußgängerzone, auf dem Rathausmarkt in Eisenach oder auf dem Ost-Berliner Weihnachtsmarkt.

Sperrige Güter, wie etwa Möbel und Kinderwagen, oder empfindliche technische Geräte, wie Stereoanlagen oder Kühlschränke, sind dagegen nur in speziellen »A & V«-Geschäften erhältlich.

Auch beim Ankauf der Second-hand-Ware - der Staat kassiert als Zwischenhändler 20 Prozent des Verkaufspreisesläuft nicht alles reibungslos. Wer Artikel in Kommission geben will, muß sich mitunter ein bis zwei Stunden gedulden, weil geschulte Kräfte fehlen, die das Angebot schätzen. Zudem werden viele Waren nur an bestimmten Wochentagen angenommen, so daß Anbieter häufig mit vollen Taschen zurückkehren müssen.

Die Wartezeiten, kritisierte die Ost"Berliner Zeitung«, seien »erheblich zu lange« und hielten »nicht wenige Leute davon ab, ihr Gebrauchtes anzubieten«.

Benachteiligt sind auch berufstätige Kunden. Da in der DDR, anders als in der Bundesrepublik, zahlreiche Geschäfte samstags geschlossen sind, können Werktätige nur nach Feierabend einkaufen. Um ihnen das Geschäft zu erleichtern, führen viele Second-hand-Shops einen langen Samstag ein.

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