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DDR steinchenweise

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aus DER SPIEGEL 24/1988

Die Devisenbeschaffer der SED, immer auf der Suche nach neuen Valuta-Adern, sind wieder fündig geworden: Sie verkaufen die DDR jetzt steinchenweise; dafür entstehen kilometerlange Stücke nagelneuer Straßen. Der Grund ist Nostalgie beim Klassenfeind im Westen. In der Bundesrepublik suchen immer mehr Kommunen und Privatleute nach alten Pflastersteinen, um Innenstädte, Garageneinfahrten oder Terrassen nach Großväterart zu planieren. Die DDR hat davon mehr als genug: Im realen Sozialismus sind noch zahlreiche Landstraßen mit handbehauenen Steinen gepflastert - auf Jahre ein fast unerschöpfliches Devisenreservoir. Auf Bestellung lassen die Verkäufer der staatseigenen Außenhandelsfirma Limex kilometerweise Landstraßen abtragen und die guterhaltenen Steine nach Westen transportieren. 1986 lieferte Limex für 2,5 Millionen D-Mark Pflastersteine verschiedener Größe an westdeutsche Besteller. 1987 betrug der Warenwert schon 5,5 Millionen Mark. Der DDR-Volksmund hat bereits einen aktuellen Hintersinn des Pflasterverkaufs entdeckt: »Ach wär' ich doch ein Pflasterstein, dann könnt' ich bald im Westen sein.«

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