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Deutschland Debakel für die SPD

Von Merlind Theile
aus DER SPIEGEL 22/2008

Für Kurt Beck ist das Jahr bislang alles andere als glücklich verlaufen. Sein Umgang mit der Linken nach der Hessen-Wahl geriet zum Schlingerkurs, seine Kanzlerkandidatur bei der nächsten Bundestagswahl erscheint immer fraglicher. Auf die Wähler wirkt der SPD-Chef zunehmend wankelmütig und führungsschwach: In der aktuellen Quartalsumfrage von TNS Forschung für den SPIEGEL erlebt Beck nun einen beispiellosen Absturz. Nur noch 19 Prozent der Deutschen sind mit der Arbeit des Parteivorsitzenden zufrieden, im Januar waren es noch fast doppelt so viele. Becks parteiinterner Konkurrent Frank-Walter Steinmeier steht indes glänzend da: Gut die Hälfte aller Wähler und 64 Prozent der SPD-Anhänger finden, dass der Vizekanzler gute Arbeit macht.

Kurt Beck hingegen hat auch im eigenen Lager dramatisch an Ansehen verloren. Während er Anfang des Jahres bei der SPD-Klientel noch auf 62 Prozent Zustimmung kam, ist er nun auf 36 Prozent abgesackt. Eine wichtige politische Rolle wünschen dem Pfälzer nur noch 30 Prozent aller Befragten - das ist der niedrigste Wert, seit Beck im Mai 2006 das Amt des Parteivorsitzenden übernahm.

Auch insgesamt hat sich der Blick der Deutschen auf ihre politische Führung eher verdüstert, mit der Großen Koalition sind die Bürger immer weniger zufrieden. Die öffentlichen Diskussionen der vergangenen Monate über höhere Lebenshaltungskosten, geringe Löhne und die wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen schlagen jetzt auch auf die Umfragewerte der Regierungsparteien durch.

In den meisten Politikfeldern sehen die Bürger steigenden Handlungsbedarf, etwa im Hinblick auf die soziale Gerechtigkeit. Bessere Bildungschancen für Kinder aus sozial schwachen Familien - das wäre aus Sicht einer parteiübergreifenden Mehrheit der Deutschen die wirksamste Maßnahme, um der wachsenden Ungleichheit in der Gesellschaft zu begegnen.

So kritisch die Sicht der Bürger aber auch ist - die Bundeskanzlerin bleibt davon verschont. Auf der Beliebtheitsskala ist Angela Merkel weiterhin das populärste Regierungsmitglied. Selbst bei den SPD-Anhängern wünschen ihr 80 Prozent künftig eine wichtige politische Rolle, 63 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden. An diese Werte kommt keiner ihrer Parteifreunde aus der Regierung heran. MERLIND THEILE

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