Herzattacke Palästinenser-Führer Habasch tot

Habasch setzte Flugzeugentführungen als Waffe ein - steckte hinter der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" im Herbst 1977. Jetzt ist der Gründer der radikalen Volksfront zur Befreiung Palästinas tot. Er starb in einem Krankenhaus in der jordanischen Hauptstadt Amman an einer Herzattacke.


Amman - "Er hatte eine schwere Herzattacke und starb augenblicklich", sagte Leila Khaled, Mitglied der Palästinensischen Nationalversammlung und führendes Mitglied der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). George Habasch hatte die marxistische Terrororganisation mehr als 30 Jahre lang geführt, bevor er im Juli 2000 sein Amt als Generalsekretär abgegeben hatte. Er wurde über 80 Jahre alt.

George Habasch bei einem Interview im Jahre 2000: Gründer der radikalen Volksfront zur Befreiung Palästinas
AFP

George Habasch bei einem Interview im Jahre 2000: Gründer der radikalen Volksfront zur Befreiung Palästinas

Habasch sei vor zehn Tagen wegen Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert worden, teilte Khaled weiter mit. Der PFLP-Gründer, der sich lange im Exil in Syrien aufhielt, wo die PFLP auch ihren Sitz hat, lebte bereits seit einigen Jahren in Jordanien, dem Geburtsland seiner Frau. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas würdigte Habasch als einen "historischen Führer" und ordnete eine eintägige offizielle Trauer an. "Der Tod dieses historischen Führers ist ein großer Verlust für die palästinensische Sache und für das palästinensische Volk, für das er 60 Jahre lang gekämpft hat", sagte Abbas nach Angaben seines Sprechers. Zum Zeichen der Trauer sollten die Flaggen drei Tage lang auf Halbmast wehen.

Vom Kinderarzt zum Terrorchef

Als Sohn christlicher Palästinenser, studierte Habasch zunächst in Beirut Medizin und arbeitete anschließend als Kinderarzt in Flüchtlingslagern. Nach der arabischen Niederlage im Sechs-Tage-Krieg 1967 mit Israel radikalisierte sich seine Einstellung. Er gründete die marxistisch-leninistische PFLP. Friedensabkommen mit Israel lehnte er kategorisch ab. Habasch gab die Parole aus, der israelische Feind müsse überall in der Welt angegriffen werden.

Die PFLP verübte zahlreiche Anschläge auf israelische Botschaften und Ölpipelines. In den siebziger Jahren machte seine Gruppierung vor allem durch Flugzeugentführungen auf sich aufmerksam. So entführte die PFLP 1970 drei Flugzeuge der Fluglinien Swissair, BOAC und TWA in die jordanische Wüste. Dort zwangen die Entführer die Fluggäste zum Verlassen der Maschinen und sprengten diese in die Luft. Habaschs Truppen waren auch 1971 an den folgenden Kämpfen mit jordanischen Truppen beteiligt, dem sogenannten Schwarzen September, die zur Ausweisung Tausender palästinensischer Extremisten aus Jordanien führten.

1977 versuchte ein vierköpfiges Terrorkommando der PFLP mit der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" nach Mogadischu, Somalia, Gefangene der Roten Armee Fraktion aus Gefängnissen in Deutschland freizupressen.

Widersacher Arafats und Erzfeind Israels

Wegen seiner radikalen Haltung wurde Habasch zur Zielscheibe für den israelischen Geheimdienst. Dieser entführte 1973 ein libanesisches Verkehrflugzeug und zwang die Piloten zur Landung in Tel Aviv. Israel vermutete Habasch in der Maschine, der hatte seine Reisepläne jedoch kurzfristig geändert. 1983 beteiligte sich Habasch an einer von Syrien unterstützten Rebellion innerhalb der PLO gegen deren damaligen Führer Jassir Arafat.

Die PFLP gehört seit 1968 zu den Mitgliederorganisationen der PLO, wo sie zweitstärkste Fraktion ist. Habaschs Nachfolger, Abu Ali Mustafa, wurde 2001 gezielt von der israelischen Armee getötet. Als Vergeltung wurde im Oktober 2001 der israelische Tourismusminister Rechavam Seevi ermordet.

cjp/AFP/AP/Reuters



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