Kardinal Meisner Tötung Bin Ladens gerechtfertigt

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner vergleicht die Gefahr, die vom Terroristen Osama Bin Laden ausgeht, mit der Situation in der Nazi-Zeit. Ein Tyrannenmord sei moralisch gerechtfertigt. Die protestantische Bischöfin Margot Käßmann hat sich unterdessen gegen den Krieg in Afghanistan ausgesprochen.


Kardinal Joachim Meisner: Wieder ein Vergleich mit der Hitler-Zeit
DPA

Kardinal Joachim Meisner: Wieder ein Vergleich mit der Hitler-Zeit

Berlin - "Aus meiner Sicht wäre es das Beste, Osama Bin Ladens habhaft zu werden und ihn anzuklagen. Aber wenn das nicht möglich ist, bleibt der Tyrannenmord die letzte Möglichkeit", sagte Meisner der Illustrierten "Bunte" laut einem Vorabbericht. Er verglich die Situation mit der Nazi-Zeit, als der Tod Adolf Hitlers der Menschheit viel Leid erspart hätte. "Es geht um die Frage: Muss ich die Menschheit vor so einem Unmenschen bewahren, der nur Tod, Hass und Verderben bringt?"

Es sei wichtig, den Islam näher kennen zu lernen, doch er selbst halte den Islam nicht für tolerant, sagte Meisner, der die größte Diözese der Welt leitet. "Ich kenne kein islamisches Land, das tolerant ist. Toleranz predigt der Islam immer nur dort, wo er in der Minderheit ist." Zudem bezweifle er, dass alle in Deutschland lebenden Muslime Verständnis für das Wertesystem der Bundesrepublik hätten. "Unsere Verfassung verlangt ein Vorverständnis von Würde des Menschen, von Toleranz, von Freiheit. Ich frage: Bringen alle unsere muslimischen Mitbürger dieses Verständnis immer mit?"

Meisner kritisiert Wowereit

Meisner beklagte ferner fehlende Vorbilder in der Politik und kritisierte ausdrücklich den Regierenden Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt hatte. "Wenn Herr Wowereit für diese sexuelle Tätigkeit eine Lanze brechen will, ist das ein Missbrauch seines politischen Mandats. Macht bei einem Amtsträger hat ein persönliches Gewicht. Und wo soll unsere Jugend ihre Leitbilder herbekommen, wenn wir etwa politische Mandatsträger haben, die vier Ehefrauen hatten", sagte Meisner. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sind beide zum vierten Mal verheiratet.

Bereits 1999 hat Meisner eine Kontroverse ausgelöst, als er eine französische Abtreibungspille mit Zyklon-B-Gas verglich. Zyklon B hatten die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern für den Massenmord an den Juden verwendet.

Käßmann gegen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr

Margot Käßmann: Kein out-of-area-Einsatz der Bundeswehr
AP

Margot Käßmann: Kein out-of-area-Einsatz der Bundeswehr

Die evangelische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, hat sich unterdessen gegen einen Einsatz der Bundeswehr außerhalb des Nato-Vertragsgebiets ausgesprochen. "Ich bin davon überzeugt, dass Krieg die Probleme nicht löst, sondern eher verschärft", wird sie von der Hannoverschen "Neuen Presse" zitiert. Sie befürworte eine Verteidigungsarmee, aber die Bundeswehr sollte nicht außerhalb des Nato-Vertragsgebietes eingesetzt werden, sagte die Bischöfin weiter.

Schon jetzt zeige sich, dass der Krieg die Probleme eher verschärfe und nicht effektiv bei der Bekämpfung des Terrorismus sei. Dazu gelte es vielmehr, die Geldflüsse zu den Terroristen zu unterbinden, den Drogenhandel zu stoppen und den vom Opium- und Coca-Anbau lebenden Bauern eine andere Perspektive zu zeigen.

"Mich bekümmert, wie schnell immer wieder viel Geld für militärische Mittel vorhanden ist und wie schwer es fällt, Geld für präventive zivile Maßnahmen zu mobilisieren. Nur mit ihnen aber lässt sich die Gewaltspirale durchbrechen", sagte Käßmann. Sie fügte hinzu, dass sie die Rasterfahndung befürworte, um Terroristen aufzuspüren.



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