Kulturkampf Ausfälle katholischer Würdenträger

Von Meisner bis Mixa – immer wieder haben sich deutsche Bischöfe mit fragwürdigen Äußerungen zu tagespolitischen Themen in die Öffentlichkeit gedrängt. Der SPIEGEL-ONLINE-Überblick.


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Mit seinen Äußerungen über die Familienpolitik von Familienministerin Ursula von der Leyen steht der Augsburger Bischof Walter Mixa in einer Reihe Entgleisungen kirchlicher Würdenträger. Mixa hatte von der Leyen vorgeworfen, ihre Politik sei "vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren." Die Frau werde zur "Gebärmaschine" degradiert, die Ministerin agiere "kinderfeindlich und ideologisch verblendet".

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Erst Mitte Februar hatte der Kölner Kardinal Joachim Meisner die Liebesaffäre Horst Seehofers kritisiert und die Eignung des Landwirtschaftsministers für den CSU-Vorsitz in Bayern in Frage gestellt hatte. "Wie will er denn Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?"

Nicht zum ersten Mal langte der "Gotteskrieger vom Rhein" (SPIEGEL) damit in die Klamotten-Kiste überkommenen Gedankenguts. 2006 erregte er die Gemüter mit einem Verbot des multireligiösen Schulgottesdienstes. 2005 gab es dann Ärger, weil Meisner Abtreibung in einer Reihe mit dem biblischen Kindesmord und den Verbrechen Hitlers und Stalins nannte.

1998 verglich er die Abtreibungspille RU 486 indirekt mit dem in den Konzentrationslagern der Nazis eingesetzten tödlichen Gas Zyklon B. In deutschem Namen seien "schlimmste Verbrechen durch den Einsatz chemischer Substanzen" begangen worden. "Vor diesem Hintergrund wäre es eine unsägliche Tragödie, wenn sich die chemische Industrie anschicken würde, in Deutschland ein chemisches Tötungsmittel für eine bestimmte gesetzlich abgegrenzte Menschengruppe zur Verfügung zu stellen."

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Auch der inzwischen verstorbene Erzbischof aus Fulda, Johannes Dyba, löste mehrfach Diskussionen aus. 1999 hatte er die unter dem Namen "Donum Vitae" (Geschenk des Lebens) geplante Fortsetzung der Schwangeren-Konfliktberatung durch katholische Laien als "Donum Mortis" (Geschenk des Todes) bezeichnet und damit Empörung auf sich gezogen. Im Juli 2000, kurz vor seinem Tod, provozierte er im Zusammenhang mit der Homoehe Schwule mit der Behauptung, sie bevorzugten "importierte Lustknaben".

aci



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