Rücktritt von Tony Blair Bye Bye Pudel

Er war immer der Erste: Der Erste, der schon mit 44 Jahren Regierungschef wurde. Der erste Labour-Politiker, der über drei Wahlperioden regierte. Der Erste, seit 150 Jahren, der während seiner Amtszeit Vater wurde. Nun geht der Mann, den die Briten "Bushs Pudel" nennen.


Hamburg - "Manchmal besteht die einzige Möglichkeit, den Sog der Macht zu bezwingen, darin, sich ihm zu entziehen", sagte Blair am 10. Mai und verkündete seinen Rücktritt. Auf den hatten die Parteigenossen schon seit dem dritten Sieg bei Parlamentswahlen im Jahr 2005 gewartet: Damals hatte Blair versprochen, vor Ablauf seiner Amtszeit im Mai 2010 abzutreten. Seither wurden Rücktrittsforderungen immer lauter. Die zehn Jahre als Premier seien für ihn - aber vor allem auch für das Land - lang genug gewesen, erklärte Blair im Mai. Heute nun räumt der 54-Jährige das Feld für seinen bisherigen Schatzkanzler Gordon Brown.

Dessen Amtsübernahme wird von der internationalen Presse unterschiedlich bewertet. "Le Figaro" schreibt, Brown habe, während er zehn Jahre im Schatten stand, "alle Zeit der Welt" gehabt, "um die Lehren aus den Fehlern seines Mentors zu ziehen". Allerdings, so schreibt die französische Zeitung weiter, sei er ein "Rätsel": "Es ist selten, dass Politiker an die Macht kommen, die so wenig über das gesagt haben, was sie tun wollen." Blair habe vor allem durch seine "Dynamik und seine andere Art, Politik zu machen" fasziniert. Das Blatt lobt die Innenpolitik Blairs, stellt aber fest, dass die Briten ihm niemals vergeben haben, "dass er sie glauben machte, dass es Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak gibt".

Abschied von "Bushs Pudel"

Tatsächlich kam für Blair mit dem Irak-Krieg der Absturz in der Wählergunst. Trotz großer Widerstände im eigenen Land beschloss er nach den Terroranschlägen vom 11. September, "Schulter an Schulter" mit US-Präsident George W. Bush zu stehen - während andere europäische Staaten einen Militäreinsatz im Irak kategorisch ablehnten.

Wenig überraschend also, dass Bush den scheidenden Premier heute in einem Interview gegen den Vorwurf in Schutz nimmt, er habe sich wie der "Pudel" des amerikanischen Staatschefs benommen. "Ich habe gehört, dass er 'Bushs Pudel' genannt wurde. Er ist größer als das", sagte der US-Präsident der britischen "Sun". "Irgendwie wurde unsere Beziehung gesehen, als wenn Bush zu Blair sagt 'Sping!' und Blair sagt 'Wie hoch?'. Aber so läuft das nicht. Es ist eine Beziehung, in der wir sagen, wir beide werden zusammen springen." Blair selbst bereut die Entscheidung, sich an die Seite der USA gestellt zu haben, bis heute nicht: "Ich habe getan, was ich für das Richtige für unser Land hielt", sagte er in der Rede, in der er seinen endgültigen Rücktritt ankündigte.

Das Thema Irak überschattet die Bilanz der Amtszeit Blairs wie kein anderes. Dabei profilierte sich Blair zuvor unter anderem im Nordirland-Konflikt. Mit Beharrlichkeit trug er zur historischen Einigung der früheren Feinde bei. Die protestantische Unionisten-Partei und die katholische Sinn Fein bildeten im Mai erstmals gemeinsam eine Regierung.



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