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Briefe

Degoutantes Spötteln
aus DER SPIEGEL 4/2007

Degoutantes Spötteln

Nr. 2/2007, Film: Dani Levys misslungene Hitler-Komödie »Mein Führer«

Misslungen, Herr Broder? Warum? Der Humor von Levy ist unterschwelliger als Mel Brooks - jedenfalls gottlob nicht auf Comedy-Niveau. Wer aufmerksam die vielen und subtilen Hinweise ventiliert, der kommt auf seine Kosten. So lässt er den Hitler-Darsteller Helge Schneider einmal sinngemäß im Film sagen: »Die Endlösung der Juden dürfen Sie bitte nicht persönlich nehmen, Herr Professor Grünbaum. Da haben auch andere mitgesprochen!« Adolf Hitler redet sich raus - so wie viele in diesem oder in anderen Systemen. Bravo, Herr Levy!

BERGKIRCHEN (BAYERN) GUIDO RADIG

Darf man über Hitler lachen? Als Betroffener von Hitlers Machenschaften, stimmte ich dann zu, würde dabei darauf Bedacht genommen werden, besonders der Jugend die Wahrheit zu schildern, welch bestialisch veranlagter Machthaber derjenige, über den nun gelacht werden darf, war!

GRUB (SCHWEIZ) HANS GAMLIEL

Nichts gegen Unterhaltung in der Nähe der Gürtellinie. Aber muss es denn gerade das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, verbunden mit dem Leid und der Ermordung unzähliger Opfer, sein, das dafür herhalten muss? Warum denn nicht gleich auch noch ein paar »lustige Szenen« aus der Kristallnacht, dem Warschauer Ghetto oder den Massenvernichtungslagern? Da macht die Aufarbeitung der Vergangenheit doch richtig Spaß. Wenn uns diese Thematik für billigen Klamauk kein Tabu ist, dann bilden die Mörder von heute die Vorlagen für die Unterhaltungsfilme von morgen. Viel Spaß!

CHEMNITZ DIETMAR SOBOTTKA

Was denkt sich - ausgerechnet - ein jüdischer Künstler dabei, diesen Dämon als menschelnden Clown den Überlebenden und ihren Nachfahren zu servieren? Heute über einen Mann zu spötteln, den Millionen Landsleute ernst genommen haben, ist nur degoutant. Und zu behaupten, dass Witzeln über den Führer dem Antisemitismus entgegenwirke, ist ein Irrtum - es fördert ihn. Und das ist das eigentliche Unglück an diesem Film in einem Deutschland, wo sich der Antisemitismus langsam, aber beharrlich wieder an die Front schleicht.

HAMBURG PIT GOLDSCHMIDT

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