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Briefe

Deplazierte Aufbewahrung
aus DER SPIEGEL 12/2007

Deplazierte Aufbewahrung

Nr. 11/2007, Titel: Beutekunst - Der Goldschatz aus dem Bunker. Die seit 1945 verschollenen Funde aus Europas »Dunklen Jahrhunderten«

Auch wenn ihm vor rund hundert Jahren ein legaler Erwerb zugrunde lag: Was hat der Pergamonaltar eingepfercht in einem Monumentalbau Berlins zu suchen? Kulturell verwaist wirken die Sockelgemäuer in Bergama, auf denen er einst stand! Demgemäß ist auch das Schliemann-Gold nicht »unser Erbe« und befindet sich derzeit in Moskau in ebenso deplazierter Aufbewahrung, als wäre es wieder in Berlin. Legalisierte Verbringungskunst steht aus kulturhistorischer Sicht einer Beutekunst kaum nach. Fundmaterialien stehen in einem zu respektierenden Zusammenhang mit ihren Auffindungsorten, diese offenbarten sich jedoch vor 1945.

RIESDORF (BRANDENBURG) ANDREAS TROTZ

Es mutet recht merkwürdig an und zeugt von einer gewissen Doppelmoral, wenn derselbe Klaus-Dieter Lehmann, der davon ausgeht, dass »unser Erbe« »zurück nach Berlin« gehöre, den Ägyptern seit Jahren die Rückkehr ihres Erbes in Form der Nofretete-Büste hartnäckig verweigert.

FREIBURG I. BREISGAU PHILIP AUBREVILLE

Es sollte ansatzweise daran erinnert werden, dass Stalin Ende der zwanziger Jahre Verkäufe von Schätzen sowjetischer Museen in Auftrag gab. Der heimliche Verkauf von Meisterwerken hat die Sammlungen des Landes viel stärker beeinträchtigt als alle Aktivitäten der Nazis! Pikant hierzu: Die Sammlung Andrew Mellons resultierte aus den Verkäufen aus der Eremitage und bildete nach dem Geschenk Mellons an den US-Staat die Grundlage der Nationalgalerie in Washington! Vermutlich ist vieles, was als Raub den oberbösen Deutschen angelastet wird, als Beutegut in den USA beziehungsweise auf dem Kunstmarkt verhökert. Geklaut haben sie alle: die Nazis, die Amerikaner, die Franzosen, die Russen, nur von den Engländern, Meistern der Tarnung, hört man so gut wie nichts.

ISERNHAGEN (NIEDERS.) MANFRED KRAUSE

Mein Vorschlag wäre: Die Russen bauen mit deutschem Geld in Königsberg beziehungsweise Kaliningrad ein »Museum für Deutsch-Russische Freundschaft«, wo diese Kunstschätze ausgestellt werden, statt in irgendwelchen Kellern zu verschimmeln.

HESSISCH OLDENDORF (NIEDERS.) DR. J. PROBST

Russische Beutekunst ist doch nur ein Bruchteil der seit 1945 aus dem damaligen Herrschaftsbereich der Roten Armee nach Osten abtransportierten deutschen Kulturgüter. Unter dem Begriff »Lista Grundmanna« findet man eine polnischsprachige Aufstellung über 74 niederschlesische Schlösser, Klöster und Kirchen, wo die Polen ab 1943 ausgelagertes Kulturgut aus bombengefährdeten deutschen Großstädten auffanden. Diese Kulturgüter sowie die kulturhistorisch wertvollen Stücke aus den genannten Gebäuden haben die Polen 1945 bis 1946 aus zentralen Zwischenlagern allesamt nach Innerpolen transportiert.

STUTTGART JÜRGEN GRAF VON PFEIL

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