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NAHOST Der Club der kranken Herrscher

aus DER SPIEGEL 7/1999

Palästinenserpräsident Jassir Arafat zitterte beim Defilee. Syriens Staatschef Hafis el-Assad stand steif und leichenblaß am Sarg seines alten Feindes, der schwerkranke König Fahd von Saudi-Arabien hatte gar nicht erst kommen können. Das Begräbnis des jordanischen Königs Hussein signalisierte, daß der Krisenregion Nahost ein brisanter Generationswechsel bevorsteht. Die alte Garde der Potentaten war für den Westen über Jahrzehnte eine kalkulierbare Größe: Sie hielten ihre Länder weitgehend stabil. Nun drohen mühsam austarierte Machtstrukturen zusammenzubrechen. Mit 63 Jahren zählte der jordanische König noch zu den jüngeren Herrschern. Syriens Assad ist fünf Jahre älter, Arafat wird demnächst 70. Öl-König Fahd, 75, leidet an Herzmuskelschwäche und Diabetes. Den Syrer Assad haben Zuckerkrankheit und Herzbeschwerden gezeichnet. Arafat leidet vermutlich an Parkinson. Eher vital wirken Libyens Revolutionsführer Muammar el-Gaddafi, 56, und Iraks Saddam Hussein, 61, doch beide müssen mehr als alle anderen Tyrannenmörder fürchten. Auch wenn der Westen froh wäre, sie loszuwerden: Ihr Sturz könnte für Libyen und den Irak verheerende Folgen haben. Beiden gemeinsam ist, daß sie keinen Nachfolger bestellt haben - aus Angst, einen Brutus aufzubauen. Und selbst wo sich eine Erbfolge abzeichnet, ist die Zukunft ungewiß: Könnte Assads Sohn Baschar Syrien zusammenhalten? Wird Saudi-Arabien unter einem König Abdullah, der schon 74 ist, die militanten Islamisten in Schach halten? Jordaniens neuer König Abdullah, 37, ernannte immerhin einen Nachfolger: Er machte seinen 18jährigen Halbbruder Hamsa zum Kronprinzen.

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