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»Der Euro ist Dynamit«

aus DER SPIEGEL 8/1997

SPIEGEL: Herr Hankel, Bundeskanzler Kohl behauptet, daß die in Maastricht beschlossenen Kriterien eingehalten werden. Glauben Sie ihm noch?

HANKEL: Nein. Die Defizite sind zu hoch, sie können auch im Lauf des Jahres nicht mehr zurückgedreht werden. Es sei denn, man stürzt Deutschland in eine noch größere Arbeitsmarktkrise.

SPIEGEL: Was passiert, wenn die Euro-Kandidaten schummeln?

HANKEL: Der Euro käme als Weichwährung zur Welt. Das würde bedeuten, daß in Europa mit einer zusätzlichen Verteuerung der Lebenshaltungskosten und neuen Lohn-/Preisrunden zu rechnen ist.

SPIEGEL: Welche Auswirkungen hätte das für den Sparer?

HANKEL: Verheerende. Der Anteil der Mark an den Währungsreserven fremder Notenbanken ist jetzt schon von 20 auf unter 15 Prozent gesunken. Die Abwertung der Mark ist in vollem Gange und wird sich weiter fortsetzen.

SPIEGEL: Wann macht für Sie der Euro Sinn?

HANKEL: Wir müssen abwarten, bis die europäischen Volkswirtschaften saniert sind. Wir brauchen Hochkonjunkturen und nicht massive Arbeitslosigkeit, damit wir den Schritt in die gemeinsame Währung wagen können. Oder wir müssen nach dem Vorbild der deutsch-deutschen Währungsunion eine Transferkasse zum Ausgleich der gewaltigen Schäden einrichten.

SPIEGEL: Bundeskanzler Kohl will mit dem Euro Europa einigen.

HANKEL: Ich halte den Euro nicht für eine dynamische Kraft, sondern schlicht für Dynamit. Der bisherige Integrationszustand wird gefährdet, und die sozialen Konflikte sowohl in der Gesellschaft als auch zwischen den Gesellschaften werden gewaltig zunehmen.

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