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Spiegel des 20. Jahrhunderts Der ewige Glaube

Theodor Herzl in der polnischen Zeitung »Izraelita« 1897
aus DER SPIEGEL 7/1999

In den Armen der Natur kann dieses entgleiste Volk [die Juden] noch seine Jugend wiederfinden und den Makel des Verfalls von sich werfen, hier kann es seine ursprüngliche Erscheinung wiederfinden, die in Jahrhunderte währenden Wanderungen verlorengegangen ist, seine israelitische Erscheinung!

Wir können diese Bewegung der Wiedergeburt nur fördern. Kann es nun ein Ziel geben, das der gemeinschaftlichen Anstrengung würdiger wäre, als auf den Ruinen einer alten Zivilisation die Heimat einer modernen Kultur zu begründen? Denn es ist klar, daß das, was in Palästina entstehen wird, modern und - bei aller Toleranz für die verschiedenen religiösen Richtungen - fortschrittlich sein muß. Dort soll die jüdische Kultur schöpferisch, begründend sein, dort wird sie sich in ihrem elementaren Wesen erweisen.

Was denn ist der Zionismus? Es ist dies der ewige Glaube unseres Volkes, verstärkt durch philosophischen Geist und angefacht von brennendem Eifer der Tat. Das ganze Judentum soll sich verjüngen und die Wege der Weltkultur einschlagen, doch ohne sein Wesen zu verlieren.

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