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Briefe

»Der Fluch der bösen Tat«
aus DER SPIEGEL 21/1978

»Der Fluch der bösen Tat«

»Es kann nicht sein! kann nicht sein! kann nicht sein!« reagiert, beschwörend, im Schillerschen Drama Max Piccolomini, Verkörperung arglos-gläubiger Jugend, auf Wallensteins Verrat. Denn Wallenstein repräsentiert für ihn die Idee einer neuen, »schöneren« (sprich: humaneren) Ordnung des Reiches.

Hochhuths Vorwürfe gegen den Mann, der wie nicht leicht ein zweiter für unsere mit dem Blut von Millionen erkaufte demokratische Grundordnung ficht, können in ihrem Kern nicht zutreffen. Filbinger wird sie entkräften!

Der andere Fall ist undenkbar in seinen Folgen für die Arbeit Tausender von Lehrern, die sich, gerade auch von Filbinger, auf ihre Grundordnungstreue mußten überprüfen lassen. Der Kampf gegen Staatsverdrossenheit, Staatsfeindlichkeit und Terrorismus -- im Namen eben dieser Ordnung -- beginnt in den Klassenzimmern.

Wir Lehrer sollen und wollen ihn tatkräftig mitführen. Aber wir müssen ihn glaubwürdig führen können. Und so kann es nicht sein, daß Filbinger, Landesvater, erklärter NS-Gegner, möglicher Bundespräsident, Terrorurteile aus obrigkeitshörigem, staatsvergottendem, menschenverachtendem Geist zu verantworten hätte.

In einer »Geistige Wurzeln des Terrorismus«-Diskussion zitierte neulich ein Abiturient lakonisch das Schillerwort »Das eben ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend immer Böses muß gebären«. Er wollte damit eine Verbindungslinie andeuten zwischen dem ("womöglich heimlich längst entschuldigten") Terrorismus des Dritten Reiches und den Terroristen von heute. Hätte Hochhuth recht -- ich fürchte, die, welche für die neue Ordnung bürgen wollten, könnten einer solchen Geschichtsdeutung nicht mehr überzeugend entgegentreten. Dies darf nicht sein!

München VOLKER DRUBE Gymnasiallehrer

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