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DER GROSSE WURF

aus DER SPIEGEL 13/1958

In die propagandistischen Vorbereitungen zum V. Parteilag der »Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands« (SED) im Juli dieses Jahres ist auch die »Freie Deutsche Jugend« der Sowjetzone mit ihren sogenannten Pionier-Organisationen eingespannt worden. Die »Jungpioniere« (6 bis 10 Jahre) und die »Thälmann-Pioniere« (10 bis 14 Jahre) veranstalten Kollektiv-Wettbewerbe, die das aktive Interesse der Kinder am SED-Parteitag beweisen sollen Unter der Rubrik »Aus dem Kulturleben« berichtete »Neues Deutschland«, das Organ des SED-Zentralkomitees, über einen solchen Wettbewerb.

Aus Anlaß der I. Zentralen Wintersportspiele der Pionierorganisation »Ernst Thälmann« in Oberhof hatte die Zentralleitung der Pionierorganisation alle Pioniere zu einem großen Wettbewerb im Schneeballweitwurf aufgerufen.

Unter der Losung »Wer wirft den Schneeball um die Erde?« bemühten sich über eine Million Jungpioniere und Thälmann-Pioniere, die größten Weiten zu erreichen. Täglich gingen im Org.-Büro der Winterspiele in Oberhof Postkarten, Briefe und Telegramme mit den Ergebnissen von Pioniergruppen ein. Wenn auch zu Anfang diese Aktion etwas durch ungünstige Schneeverhältnisse beeinträchtigt wurde, so hat der Schneefall in der vergangenen Woche dazu beigetragen, daß es den Pionieren gelang, ihr Ziel zu erreichen.

Die Summe aus den beiden besten Würfen jedes beteiligten Pioniers ergibt die Entfernung von 43 491,552 km. In nicht ganz drei Wochen hat es die vereinte Kraft aller Pioniere geschafft, einen Schneeball einmal um die Erde reisen zu lassen. Dieses Ergebnis sollte den Pioniergruppen Ansporn sein, an weitere größere Aufgaben heranzugehen und in Vorbereitung des V. Parteitages der SED alles daranzusetzen, um sich mit neuen nützlichen Taten für die sozialistische Zukunft in das »Rote Ehrenbuch der guten Taten« einzutragen.

In einer seiner nächsten Ausgaben nahm »Neues Deutschland« den Schneeball-Wettbewerb zum Anlaß, die Vorstellungen der SED-Führung von der »sozialistischen Erziehung« der Jugend näher zu erläutern.

Ein Schneeparadies ist Oberhof schon seit Großvaters Zeiten. Aber ein Paradies für unsere Pioniere ist es erst geworden, seitdem die Arbeiter-und -Bauern-Macht In unserer Republik ihr entscheidendes Wort für das Wohl unserer Kinder sprechen kann.

Der Abend ist hereingebrochen. Durch Oberhof bewegt sich der Fackelzug der Pioniere. Alles ist interessiert auf den Beinen. Lieder und Sprechchöre ertönen kraftvoll aus den jungen Kehlen. »Wir stählen unseren Körper gut, das gibt im Friedenskampf uns Mut«, rufen die Pioniere und fordern immer wieder nachdrücklich die atomwaffenfreie Zone in Europa ...

Die Pioniere bitten die Partei der Arbeiterklasse und die Nationale Front des demokratischen Deutschlands, sie zu beraten im Kampf für die atomwaffenfreie Zone in Europa und bei guten Taten für unsere gemeinsame sozialistische Sache. Das sollte in jedem Ort geschehen ...

Sozialistische Parteilichkeit in der Arbeit der Pionierorganisation bedeutet keinesfalls Einseitigkeit oder Einengung der verschiedenen lebendigen Formen und Methoden der Selbstbetätigung der Kinder. Ganz im Gegenteil. Dafür liefern Oberhof und das vielfältige Leben in den Pioniergruppen unserer Republik den sprechendsten Beweis.

Worin besteht eigentlich das Neue in unserer Pionierorganisation? Das Entscheidende besteht darin, schon im frühen Kindesalter zu beginnen, unsere Pioniere zu bewußten Sozialisten zu erziehen ...

Fälschlicherweise wurde mitunter eine Theorie vertreten, daß die Kinder beschäftigt sein wollen, daß sie spielen wollen, ohne dabei dieser Beschäftigung oder dem Spiel Inhalt und Richtung zu geben. Es stimmt, spielen ist das Recht unserer Kinder. Spielen wird aber von ihnen ernst genommen. Im Spiel erobern sich die Kinder die Wirklichkeit. Darum ist es wichtig, daß wir diesem Spiel sozialistischen Inhalt und eine sozialistische Richtung geben.

Es gibt vereinzelt Einwände gegen die sozialistische Erziehung unserer Kinder. So wird mitunter geäußert, daß die Kinder doch sorgenfrei aufwachsen und sich nicht schon früh mit Politik beschäftigen sollen. Eine unpolitische Erziehung gibt es nicht ...

Die sozialistische Erziehung ist nicht nur gesellschaftlich notwendig, sondern im eigenen Interesse unserer Kinder, damit sie sich in dieser Welt zurechtfinden, sie immer besser erkennen und schöpferisch verändern lernen. Unsere Kinder leben doch nicht in einer besonderen, abgeschiedenen Welt. Die Erfahrung lehrt, daß unsere Pioniere und alle Kinder uns dankbar sind, wenn wir sie richtig, das heißt sozialistisch erziehen.

Dem fragenden Kind kein X für ein U vormachen, die Welt so erklären, wie sie ist - das ist unsere Aufgabe. Richtig und in verständlicher Weise auf die Fragen unserer Kinder zu antworten, ist nicht immer leicht. Das erfordert in erster Linie weltanschauliche Klarheit in den Köpfen der Erzieher. Die neuen Pionierleitungen sollten sich mit dieser Aufgabe besonders ernsthaft befassen. Sie kann nicht von heute auf morgen gelöst werden ...

Die Festigung des Kollektivs der Pioniergruppen, Ihre gemeinsame Tat, ihre gemeinsamen Spiele, gemeinsame Entscheidung und deren Durchführung sind darum von außerordentlicher Bedeutung.

Alle Eltern sollten begreifen, daß sozialistische Erziehung die schönste und humanste Erziehung ist, die jemals Kindern zuteil werden konnte. Wovon die fortschrittlichsten Menschen seit Jahrhunderten träumten, was die Ausgebeuteten und Unterdrückten seit Jahrhunderten herbeisehnten, wir verwirklichen diese Träume und dieses Sehnen.

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