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»Der hat gebrannt«

Der Kabarettist und Schauspieler Horst Schroth, 51, über seinen Versuch, den verstorbenen Ulrich Wildgruber in der seit 1990 einmal jährlich ausgestrahlten Wiedervereinigungs-Soap »Heimatabend« (Sendetermin: Samstag, 23.35 Uhr, Nord III) zu ersetzen
aus DER SPIEGEL 50/1999

SPIEGEL: Herr Schroth, am Dienstag, dem 30. November, haben Sie von Ulrich Wildgrubers Tod erfahren, und schon am Mittwoch haben Sie mit den Proben für den »Heimatabend« 1999 begonnen - the show must go on?

Schroth: Alle Beteiligten waren sich einig, dass der »Heimatabend« laufen soll, weil das auch im Sinne Wildgrubers wäre. Der war ein knallharter Theatermann und hat immer gesagt: Der Lappen muss hoch, komme, was da will. Die Fernseh-Aufzeichnung fand ja live vor Zuschauern statt, die wollten wir nicht wegschicken. Allerdings haben wir aus der Aufführung eine szenische Lesung gemacht.

SPIEGEL: Wie war das, so plötzlich an Wildgrubers Stelle zu treten?

Schroth: Ich habe nicht versucht, ihn nachzumachen - das geht nicht, er ist ein Unikat. Aber ich habe ihn ständig vor Augen gehabt, ich kannte ihn ja aus den jährlichen Folgen seit 1990.

SPIEGEL: Der »Heimatabend« ist eine kabarettistische Soap. Hatten Sie keine Schwierigkeiten, nach Wildgrubers Tod witzig sein zu müssen?

Schroth: Nein, wir haben viel gelacht, trotz aller Wehmut. Wildgrubers Tod hat bei uns keine Lähmung ausgelöst, weil er schon so oft davon gesprochen hatte. Es war einfach Tatsache: Eine Ära ging zu Ende.

SPIEGEL: Ein Einschnitt?

Schroth: Von seinem Kaliber kommt nichts mehr nach. Ich habe noch nie neben jemandem auf der Bühne gestanden, der wie eine lebende Dampfmaschine so viel körperliche Hitze ausgestrahlt hat. Einer, der schwitzend und mit hochrotem Kopf auf die Bühne stürmte. Der Mann hat innerlich gebrannt.

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