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Der Klügere

aus DER SPIEGEL 14/1981

Alle fürchten den letzten Streit«, schrieb der Hamburger Zeitungsverleger Gerd Bucerius in der letzten Ausgabe des Magazins »Stern« und meinte den Atomkrieg. Beim »Stern« fürchtete man Profaneres: Krach mit dem Verleger Gerd Bucerius.

»Buci« (Hausjargon) hatte in einem elf Din-A4-Seiten langen Kommentar, den er auch an einflußreiche Freunde versandte, zu einer massiven Blatt-Schelte ausgeholt und den am 19. Februar veröffentlichten »Stern«-Bericht über die »Versteckte Atommacht Bundesrepublik« scharf kritisiert.

Für Bucerius wurde darin die Gesinnung der Autoren erkennbar, Nato und Bundeswehr so hinzustellen, als seien sie bereit, den Krieg zu riskieren. Der Bericht habe »die Sicherheit der Bundesrepublik um ein Stück vermindert«.

Der Anwurf aus dem eigenen Haus war dem »Stern«-Herausgeber Henri Nannen ein paar Nummern zu grob, obwohl er den Textabdruck zugesagt hatte, ohne den Wortlaut zu kennen: Die meisten Passagen, die als direkter Eingriff des Gruner + Jahr-Aufsichtsrates Bucerius in die Redaktion des Gruner + Jahr-Blattes »Stern« hätten gedeutet werden können, strich Nannen aus dem Text.

Doch auch für die redigierte Fassung mochte die Chefredaktion die Verantwortung nicht übernehmen. Als Notlösung ließ Nannen im Impressum den Hinweis einfügen »Verantwortlich für Bucerius: der Klügere«. Dazu Nannen: »Erstens weil der Klügere nachgibt, zweitens, weil der Klügere es besser weiß.«

Daß man den Vorgang nicht als »Gag aus besten 'Stern'-Zeiten« (Bucerius über das Impressum) verstanden hat, ließ die Chefredaktion durchblicken: »Ein zweiter Versuch dieser Art wäre ein Casus belli. Dann müßte man über Verträge reden.«

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