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Der Plan der Kohl-Gegner

aus DER SPIEGEL 5/1979

Nicht mehr nur Einzelgänger wie Kurt Biedenkopf (CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. » Der ist mit dem Fallschirm in der Partei gelandet"), nicht mehr nur Fraktionsmitglieder, die um ihre Pfründe bangen, auch die Ministerpräsidenten unionsregierter Länder fürchten jetzt, daß die Christdemokraten durch den Verfall ihres Vorsitzenden Helmut Kohl um alle Chancen gebracht werden.

Auf der Sitzung des CDU-Präsidiums am Mittwoch vergangener Woche vertrat der niedersächsische Finanzminister Walther Leisler Kiep die Interessen seines Chefs Ernst Albrecht: Es sei nun endlich an der Zeit, die »wirkliche Diskussion« zu führen, nämlich das offene Gespräch über Personen.

Albrecht, der am Freitag letzter Woche zu einem langen Gespräch mit CSU-Chef Franz Josef Strauß nach München fuhr, verstärkt damit in der Union die Reihen jener, die Kohl dazu drängen wollen, doch noch den Weg für einen anderen Prätendenten frei zu machen, heiße er nun Albrecht, Stoltenberg oder Strauß.

Der Plan für die Entmachtung des Kanzlerkandidaten ist schon fertig: Kohl soll auf dem bevorstehenden Parteitag in Kiel mit großer Mehrheit als Parteivorsitzender wiedergewählt werden. Ein solches Votum belege, so argumentiert Generalsekretär Geißler, daß sich die CDU nicht zu einer Rechtspartei wandele, sondern an dem sozial ausgerichteten Kurs ihres Ludwigshafener Grundsatzprogrammes festhalte.

Geißler: »Kohl hat hier seine Duftmarken hinterlassen, die man unter einem anderen Vorsitzenden nicht mehr findet. Deswegen muß die Partei durch mit Kohl.«

Als Gegenleistung soll der CDU-Chef in Kiel darauf verzichten, aus seiner Wiederwahl einen Anspruch auf die Kanzlerkandidatur abzuleiten. Wer 1980 gegen Schmidt antreten wird, muß dann in »einem klaren und korrekten Verfahren« (Geißler) mit der CSU abgestimmt werden. Ein erstes vierstündiges Gespräch hat darüber schon in Mainz zwischen Geißler und seinem CSU-Kollegen Edmund Stoiber stattgefunden.

»Die Frage, wer Kanzlerkandidat wird, muß zum richtigen Zeitpunkt entschieden werden«, verlangt Geißler, bislang treuester Gefolgsmann des Mainzers. Auf jeden Fall sollte der Termin nach den Landtags- und Europawahlen sowie nach der Kür des neuen Bundespräsidenten liegen.

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