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ABGEORDNETE Der Quertreiber

Professor Karl Lauterbach war einer der einflussreichsten Berater, bevor er selbst Politiker wurde. Im Bundestag kämpft der SPD-Linke für einen Systemwechsel in der Sozialpolitik und stellt den politischen Betrieb in Frage. Sein Traum ist ein Parlament der Experten. Von Markus Feldenkirchen
aus DER SPIEGEL 8/2006

Die Frau im Rettungswagen drohte zu sterben. Die jungen Unfallchirurgen hatten ihr einen Schlauch in die Luftröhre geschoben. Nun versuchten sie, die Patientin mit Narkosegas zu betäuben, aber sie blieb bei Bewusstsein. Sie war inzwischen blau angelaufen, die Ärzte versuchten es immer wieder, ohne Erfolg. Als die Frau fast erstickt war, fiel jemandem auf, dass die Gasflasche leer war. Schweigend wechselten die jungen Leute die Flasche.

Niemand hatte danach den Mut, dem Chefarzt von der Panne zu erzählen. Sie hatten Angst vor der Obrigkeit, der Vorfall blieb geheim. Niemand traute sich, das System in Frage zu stellen.

Auch der junge Karl Lauterbach nicht.

20 Jahre später sitzt er in einer Talkshow, es geht um die »Katastrophe Krankenhaus«. Herr Steinfeld, ein junger Assistenzarzt, klagt über 80-Stunden-Wochen, für die er mit Glück 2400 Euro bekomme. Es könnte gerade Mitleid mit Herrn Steinfeld aufkommen, da zupft Lauterbach dem Moderator an der Hose, er flüstert »jetzt nehmen Se mich mal«. Kurz darauf ist es um Herrn Steinfeld geschehen.

»Ich finde, das Selbstmitleid vieler Ärzte im Krankenhaus ist peinlich«, sagt Lauterbach. Es gebe genug Geld für die Ärzteschaft in Deutschland, das Problem sei nur, wie die das untereinander verteilen. »Junge Ärzte wie Sie sollten zu ihrem Chefarzt gehen und sagen: Das machen wir nicht mehr mit! Aber Sie trauen sich nicht, Sie kuschen.«

Herr Steinfeld zuckt, er versucht sich zu wehren, aber Lauterbach redet ihn an die Wand, er bringt Zahlen und Fakten, Herr Steinfeld hat nicht den Hauch einer Chance gegen Professor Dr. med. Dr. sc. (Harvard) Karl W. Lauterbach.

Später wird er sagen, dass der junge Arzt an diesem Abend »ganz schön viele Stockhiebe empfangen hat«, aber dass er selbst daran schuld sei, weil er vor seinem Chef in die Knie gehe und in der Sendung schlecht argumentiert habe. So wie Herrn Steinfeld geht es vielen, die mit Karl Lauterbach zu tun haben.

Er hat sich geschworen, nicht mehr zu kuschen und zu schweigen wie damals im Rettungswagen. Er möchte nur noch die Wahrheit sagen oder das, was er dafür hält. Er möchte die Systemfrage stellen. Es sind keine guten Voraussetzungen, um in Deutschland Politik zu machen.

Im Herbst hat Lauterbach seine Professur an der Kölner Universität gegen ein Bundestagsmandat für die SPD eingetauscht. Einige halten den Linken für größenwahnsinnig, andere für eine eitle Nervensäge, manche für ein Genie. Er ist wohl von all dem ein bisschen und damit eine der ungewöhnlichsten Figuren der jüngsten deutschen Parlamentsgeschichte.

Er ist angetreten, die deutsche Politik zu verändern. Es ist die Frage, ob das politische System einen hochqualifizierten Querulanten akzeptiert, ob es ihm eine Chance gibt oder ihn bald wieder ausspucken wird. »Für viele bin ich die lebende Anklage«, sagt er selbst.

Das System mag es nicht, wenn jemand immer sagt, was er denkt. Lauterbach meint, den Typ des jungen Arztes gebe es zu oft in der Politik. Er fühlt sich von Kuschern umzingelt und möchte das ändern. Er will testen, ob er mit seinen Eigenschaften bestehen kann. Für ihn, den Wissenschaftler, ist sein Weg in den Bundestag auch ein Forschungsexperiment.

Er hat gerade eine Studie seines Instituts vorgelegt, aus der hervorgeht, dass im Rentensystem die Reichen von den Armen profitieren, weil sie viel länger leben. Er hält die Rente mit 67, die Franz Müntefering, der Wichtigste aus seiner Partei, propagiert, für »sinnlos« und »ungerecht«.

Zur Wirtschaftspolitik, zur Bildung, zum Arbeitsmarkt oder zur Familienpolitik hat er auch viel zu sagen. Es ist meist originell, aber es findet sich selten in Parteiprogrammen oder Koalitionsverträgen.

Lauterbach hat bei Robert Reich studiert, dem Arbeitsminister von Bill Clinton, der den Kombilohn in Amerika weiterentwickelte. »Ich kenne mich da exzellent aus«, sagt er. »Aber wenn ich mich auch noch dazu äußere, denken meine Kollegen: Der Jeck is bekloppt.« Er äußert sich trotzdem.

Deshalb ist Lauterbach eine Bedrohung für Leute wie Müntefering oder SPD-Fraktionschef Peter Struck. Sie ärgern sich über ihn, sie rügen ihn, aber sie wirken hilflos dabei. Sie wussten bisher nicht, wie sie mit einem umgehen sollen, der sich den Regeln des Systems widersetzt, der nicht empfänglich ist für dessen Disziplinierungsversuche, die Namen tragen wie Fraktionszwang oder Parteiräson.

Mit der Wahl in den Bundestag hat Lauterbach seine Einkünfte in etwa halbiert.

Er ist gebildeter, ehrgeiziger, unabhängiger, sogar eloquenter als fast alle seine Kollegen im Parlament. Eigentlich ist er ein Politiker, den das Volk sich wünscht.

Aber jetzt wirkt er eher wie ein 100-Meter-Sprinter, der sich in einem Nordic-Walking-Kurs für Hausmänner angemeldet hat. Alles ist ihm zu langsam, die Diskussionen, die Entscheidungsprozesse, selbst die Fahrbereitschaft des Bundestags. »Die brauchen eine halbe Stunde, um einen Wagen zu schicken«, sagt Lauterbach. »In der Zeit habe ich einen Aufsatz geschrieben.«

Er war immer schneller und gescheiter als die anderen. Seine Karriere ist eine Aneinanderreihung von Superlativen, und damit man keinen Superlativ vergisst, weist Lauterbach einen gern darauf hin, wenn er über sein Leben spricht.

Er studierte erst Medizin in Deutschland und promovierte, dann Gesundheitsökonomie an der Eliteuniversität Harvard. Mit 35 Jahren bekommt er ein eigenes Institut, für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie, »das erste in Deutschland«, mit 35 wird er C4-Professor, »der Jüngste, der das in Köln bekommen hat«. Er hat mittlerweile 400 wissenschaftliche Arbeiten geschrieben. »Das ist mehr als ein Professor im Schnitt bis zur Rente macht.« Er hat zwei Ministerinnen beraten, saß im Sachverständigenrat der früheren Regierung und in der Rürup-Kommission, wo er die Bürgerversicherung für das Gesundheitswesen konzipierte. Er hat vier Kinder gezeugt und eine Ehe in den Sand gesetzt. Es ist ein Leben, das eigentlich zu voll ist für 42 Jahre.

Lauterbach sagt, dass er als Berater mit seinen Positionen an Grenzen gestoßen sei. Man könnte auch sagen, dass ihm zu wenig davon umgesetzt wurde, dass Einflüstern etwas anderes ist als Durchsetzen.

Er ist dann mit seiner Fliege am Kragen in den Wahlkampf gezogen, aber es durfte nicht irgendein Wahlkampf werden. »Ich habe das gemacht wie Bill Clinton bei seinem Sieg 1992«, sagt er. Clintons Leute hatten einen Raum eingerichtet, aus dem sie die Kampagne steuerten. Sie nannten ihn »War Room«.

Lauterbach taufte den Besprechungsraum in seinem Kölner Institut ebenfalls in »War Room« um. Es war ein Zimmer mit Neonröhren und PVC-Boden, an der Tür klebte noch das alte Schild: »Liebe Studenten, bitte lassen Sie keinen Müll auf den Stühlen und Bänken liegen.«

In Clintons »War Room« hingen Karten der USA. Bei Lauterbach ging es um Köln-Mülheim oder Leverkusen-Hitdorf, den Wahlkreis 102. Es war eine wunderbare Zeit für ihn, Kreis 102 wurde zum Schachbrett, und er hüpfte einer Strategie folgend von Feld zu Feld. Er hatte viele Bücher gelesen, es war vermutlich der professionellste Wahlkampf des vergangenen Jahres.

Er will nie etwas dem Zufall überlassen, weil er glaubt, dass man alles erreichen kann, wenn man es klug und diszipliniert genug angeht. Er gewann mit 49 Prozent, dem zweitbesten Ergebnis, das es jemals gab in seinem Wahlkreis.

Lauterbach glaubte danach, dass Erfolg auch in Berlin planbar sei.

In einer der ersten Sitzungen seiner Fraktion wollte er sich zum gesundheitspolitischen Sprecher der SPD wählen lassen. Seine Gegenkandidatin hieß Carola Reimann. Lauterbach ist noch immer Gastprofessor in Harvard. Reimann war mal Pharmareferentin. Eigentlich eine leichte Entscheidung für die Fraktion.

Reimann gewann deutlich.

Das System hatte Lauterbach seine erste Lektion erteilt. Es hatte ihm gezeigt, dass Erfolg nicht planbar ist, vor allem, wenn man auf Kompetenz vertraut. Es hatte demonstriert, dass es eigene Kriterien anlegt.

»Frauenquote, Landesgruppe, Flügelzugehörigkeit, Heidewitzka«, sagt Lauterbach.

Der wichtigste Spieler des Betriebs ist die Partei. Man muss artig sein, damit sie einen klettern lässt. Man muss sich hinten anstellen. Es kann nicht schaden, wenn man ein paar Studien durchgeführt hat. Aber wichtiger ist, dass man viele Grillwürstchen gewendet hat, bei Parteifesten oder in Schrebergärten.

Im Wahlkampf hatte man ihn auf ein Schützenfest geführt. Dort versuchten Männer mit dicken Bäuchen und Augenbinden, einem toten Hahn den Kopf abzuhacken. Es spritzte Blut, und Lauterbach sagte, dass er das widerlich finde. Das System aber achtet Schützenfestbesucher, es belohnt sie mit guten Wahlkreisen oder Listenplätzen.

Für die Würstchenwender ist Lauterbach ein Quälgeist, der ihnen aufzeigt, wie gemütlich sie es sich gemacht haben. Er sagt, die meisten Abgeordneten seien nur noch »Stimmvieh und Claqueure«. Manche Fraktionskollegen nennt er »Regierungsknechte«, so wolle er nie werden. Er wirft ihnen vor, keine Ideen zu haben, keine Philosophie, dass Pragmatismus die SPD kaputtmache. »Die sieben Jahre Schröder waren geprägt durch Ideenlosigkeit«, sagt er. Er ist eine Zumutung, weil er ihre politische Existenz in Frage stellt.

Dann besitzt er noch die Frechheit, selbst eine Philosophie anzubieten. Er beruft sich auf einen seiner Professoren in Harvard, auf John Rawls, den großen politischen Philosophen der Linken. Er will Rawls Thesen zur Grundlage einer neuen deutschen Sozialdemokratie machen.

Neulich hat er seinen Fraktionskollegen von John Rawls erzählt. Es sei nicht innovativ, alle Menschen gleich zu behandeln wie die traditionelle Sozialdemokratie, sagte Lauterbach. Man müsse die Schwächsten am besten behandeln, man müsse eine Politik machen, bei der die Gruppen, denen es am schlechtesten gehe, den maximalen Nutzen haben.

Konkret heiße das etwa: »Die Chefärzte dürfen nicht länger die Privatpatienten behandeln, sondern die Sozialhilfeempfänger.« Auch für den Langzeitarbeitslosen müsse der Staat alles Mögliche tun. Deren Lebensqualität sei genauso niedrig wie die von Krebspatienten. Außerdem koste nichts so viel wie ein kranker Langzeitarbeitsloser, sagte Lauterbach und dass das Gerechte sogar ökonomisch sinnvoll

wäre. Es war ein leidenschaftlicher Vortrag, die Genossen hörten gespannt zu, Müntefering machte sich Notizen. Sie waren irgendwie beeindruckt, aber sie wussten nicht, ob es richtig ist, wenn einer wie er den Kurs bestimmt, ein Autonomer, der zu oft zeigt, dass er ihre Welt verachtet.

Wenn die SPD in einem Labor ihren Nachwuchs entwickeln könnte, dann würde Andrea Nahles dabei herauskommen. Nahles war schon sechs Jahre Juso-Vorsitzende, sie ist in der SPD erwachsen geworden.

Nahles ist das Gegenmodell zu Karl Lauterbach, auch wenn beide ein freundschaftliches Verhältnis haben. Sie weiß, wie man die Partei behandeln muss, um nicht ausgespuckt zu werden. Sie sitzt in ihrem Büro, trinkt Früchtetee und sagt, dass Lauterbach vielleicht ein besserer Schauspieler werden müsse, um im politischen Betrieb erfolgreich zu sein. Dass er vorsichtiger und weniger kompromisslos vorgehen müsse. Sie hat erfahren, dass es gut ist, Wurzeln in der Partei zu verlegen.

Wie man Wurzeln verlegt, kann man nicht aus Büchern lernen.

Neulich tagte der Gesundheitsausschuss, es ging um die Fallpauschalen für die Versorgung im Krankenhaus. Lauterbach meldete sich. Nach zwei Minuten wurde er unterbrochen. »Herr Professor, wir sind hier nicht in Ihrem Vorlesungssaal«, sagte Frau Widmann-Mauz von der CDU.

Es sind die Momente, in denen er die Ressentiments gegen seine Herkunft spürt. »Die anderen labern zehn Minuten lang Scheiße, und ich werde nach zwei Minuten unterbrochen«, sagt Lauterbach später. Wenn die sogenannten Experten vortra-

gen, sei das manchmal »ein Geschwurbel, bei dem man nicht zuhören will«.

Das Flugzeug musste enteist werden, es gab Stau vor der Startbahn, Lauterbach ist viel zu spät. Er sitzt im Auto vom Flughafen zur Berliner Charité, eine Konferenz für Krankenhausärzte. Man hat ihn gebeten, zuerst einen Vortrag als Wissenschaftler zu halten, dann sollte er als SPD-Politiker mit Kollegen von anderen Parteien streiten.

»Hier ist die Substanz«, sagt Lauterbach, er zieht einen Packen Folien aus seiner Aktentasche. »Hier steckt drin, was mich von einem Politiker unterscheidet.«

Auf den Folien sind Tabellen, Zahlen, Diagramme, Thesen, alles, was man wissen muss, wenn man kompetent über das deutsche Krankenhauswesen reden möchte.

»Aber weil der Flieger zu spät war, fällt die Substanz leider weg«, sagt Lauterbach, den Eröffnungsvortrag schafft er nicht mehr. »Dann bin ich heute eben nur Politiker.« Der Wagen hält vor der Charité.

Lauterbach sagt, er sei Substanzpolitiker und dass dieser Politikertypus an Bedeutung gewinnen werde. »Der Typus Eichel, der Lehrer, der sich einarbeiten muss, wird an Bedeutung verlieren.« Das ist die Hoffnung. Sie gibt ihm die Zuversicht, dass sein Experiment gelingen kann. Er glaubt, dass Deutschland es sich nicht mehr leisten kann, nicht von kompetenten Leuten regiert zu werden, weil die Fehler immer teurer werden. »Der Typus Schröder hat viele Fehler gemacht, er hat viel gekostet.«

Nach der Veranstaltung wird Lauterbach im Foyer von Dr. Faust aufgehalten. Dr. Faust ist Gesundheitsexperte der CDU, er hat noch ein paar Fragen. »Entschuldigung, Sie haben da eben gesagt, das mit der Hospizfinanzierung sei schon vereinbart. Ist das denn wirklich so?« Es sieht aus, als würde er seinen großen Bruder fragen.

»Wir haben das doch gemeinsam vor ein paar Wochen geregelt«, sagt Lauterbach.

»Dann bin ich beruhigt«, sagt Dr. Faust.

Es ist eine der vielen Begegnungen, nach denen Lauterbach von einem Parlament der Experten träumt. »600 Experten im Bundestag. Das wäre phantastisch«, sagt er.

Der griechische Philosoph Platon hat von einem Staat geschwärmt, in dem die Philosophen regieren, die geistigen Eliten. Er dachte, das sei am besten für alle, weil er der Vernunft den Vorrang gegenüber allen anderen Eigenschaften einräumte.

Es wäre ein Staat, der von Menschen gelenkt würde, denen naturgemäß die Erdung fehlt, selbst wenn Erdung heißt, dass man Würstchen wenden muss.

Es ist gut, wenn Leute wie Lauterbach das System herausfordern, wenn sie Anstöße geben. Sie können dafür sorgen, dass der Betrieb nicht einrostet. Aber vielleicht ist es gut, dass es nicht allein von Leuten wie ihm beherrscht wird.

Zu viele Lauterbachs würde das System nicht vertragen, und vermutlich sind die Abwehrreflexe gegen ihn sogar richtig. Es ist gut für die Demokratie, wenn alle mitmachen dürfen, wenn auch Lehrer, Metzger und Bäcker im Parlament sitzen. Es trägt dazu bei, dass die Demokratie von den Menschen gemocht wird. Vielleicht ist das wichtiger als elitäre Effizienz.

Die Mächtigen in der SPD scheinen fürs Erste beschlossen zu haben, dass sie Lauterbach brauchen, auch wenn es schwerfällt. Sie fürchten, dass die SPD ihr Markenzeichen verliert, als Anwalt der Gerechtigkeit, als Partei der kleinen Leute.

Vergangene Woche ist etwas Überraschendes geschehen. In der Sitzung der Parlamentarischen Linken lobte Peter Struck Lauterbach für dessen Rentenstudie, die kurz zuvor noch als störend empfunden wurde. Sie habe ihm sehr zu denken gegeben, sagte Struck und bat Lauterbach, ein Konzept zum Thema Gerechtigkeit für die Fraktion zu schreiben. Es könnte mehr daraus werden. Auch aus der Partei kommen Anfragen.

Lauterbach glaubt jetzt wieder, dass es sich lohnt, zu nerven, sich mit Autoritäten anzulegen, statt zu kuschen, sich für seine Inhalte zu prügeln. Er ist zufrieden mit dem Verlauf seines Experiments.

Er hat sich geschworen, die Neider und Lästerer zu ignorieren, die ihn »Karlchen überall« nennen, die vom »Herrn Professor« reden und das nicht respektvoll, sondern abwertend meinen.

»Ich halte mich mit negativen Gefühlen nicht auf, das wäre nur Zeit- und Energieverschwendung«, sagt Lauterbach. »Wirklich erfolgreiche Leute machen das nicht.«

Romane handeln meist von Liebe und Beziehungen, von den Enttäuschungen und Verletzungen, die sie in ein Leben tragen können. Karl Lauterbach hat das selbst erlebt, er möchte nicht an diese Gefühle erinnert werden. Irgendwann hat er beschlossen, keine Romane mehr zu lesen.

* Beim Bundestagswahlkampf am 2. September 2005 in Köln.

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