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USA »Der Rassismus bleibt ein Problem«

Der Bürgerrechtsaktivist und Prediger Al Sharpton, 52, über die Chancen des demokratischen schwarzen Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama und seine eigenen politischen Ambitionen
aus DER SPIEGEL 12/2007

SPIEGEL: Sie haben gedroht, dass Sie als Präsidentschaftskandidat antreten wollen, das zweite Mal nach 2004. Notfalls auch gegen Barack Obama?

Sharpton: Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich antrete. Ich warte ab, ob jemand für die Belange der Schwarzen eintritt.

SPIEGEL: Aber die Schwarzen haben die historische Chance, mit Barack Obama einen von ihnen zum Präsidenten zu machen. Wäre es nicht das Beste, sich hinter ihn zu stellen?

Sharpton: Ich habe noch keine Umfrage gesehen, nach der Obama gewinnen kann. Ich habe nur Umfragen gesehen, wonach er gut abschneiden würde. Aber letztlich hängt meine Unterstützung davon ab, ob sein Programm wirklich den Interessen der Schwarzen dient. Und das kann ich zurzeit noch nicht feststellen.

SPIEGEL: Zählt nicht, dass er selbst schwarz ist?

Sharpton: Er ist sicher eine eindrucksvolle Persönlichkeit, aber er kann nicht alle Stimmen der Schwarzen bekommen, nur weil er schwarz ist. Wir sind nicht mehr besessen von der Vorstellung, den ersten schwarzen Präsidenten zu haben. Wir hatten schon den ersten schwarzen Außenminister und die erste schwarze Außenministerin, und die beiden brachten uns den schlimmsten Krieg unseres Lebens. Man muss mehr als unsere Hautfarbe haben, man muss von unserem Schlag sein.

SPIEGEL: In seinen Wahlreden wirbt Obama dafür, nicht mehr die Kämpfe von gestern zu kämpfen. Dazu gehört auch der Rassenkonflikt. Ist die Bürgerrechtsbewegung überholt?

Sharpton: Wer das sagt, versucht sich damit nur herauszureden und sein mangelndes Engagement zu begründen. Die meisten unserer jungen Leute sagen, dass sie noch immer wegen ihrer Hautfarbe anders behandelt werden.

SPIEGEL: Viele junge Schwarze haben es heute nach oben geschafft, sie haben in der Wirtschaft, im Sport und in der Politik Karriere gemacht. Für sie gibt es keinen Grund mehr, gegen die Weißen zu kämpfen.

Sharpton: Es gibt immer ein paar Leute, die profitieren, das ist nichts Neues. Das war schon zu Zeiten von Martin Luther King so. Auch damals gab es Schwarze, die glaubten, es sollte besser keine Protestmärsche geben. Die überwältigende Mehrheit der Schwarzen findet, dass Rassismus weiterhin ein Problem ist.

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