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Der Schub kam aus den USA

Finanzminister James Baker verärgerte die Bundesbank *
aus DER SPIEGEL 44/1987

Als sich US-Finanzminister James Baker, sein Bonner Kollege Gerhard Stoltenberg und Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl am Montag vergangener Woche in Frankfurt trafen, ahnte noch keiner, was dieser Tag bringen würde. Aber auch ohne den »schwarzen Montag« gab es Aufregendes genug.

Baker hatte kurz zuvor der Deutschen Bundesbank vorgeworfen, mit einer Zinsanhebung internationale Währungsabsprachen verletzt zu haben. Seine Drohung: Die Amerikaner würden sich dann nicht mehr an das Louvre-Abkommen vom 22. Februar halten; damals hatten die Finanzminister und Notenbanker vereinbart, den Wert des Dollars um 1,80 Mark herum zu verteidigen.

Eindringlich machte vor allem Karl Otto Pöhl dem Gast aus den USA klar, daß nicht die Deutschen für den internationalen Zinsanstieg verantwortlich gemacht werden könnten. Dieser Schub sei von den USA selbst in Gang gesetzt worden.

Der Grund der Zinssteigerung: Nach wie vor müssen die Amerikaner ein hohes Defizit ihrer Handelsbilanz und ein 160-Milliarden-Dollar-Loch in ihrem Haushalt finanzieren. Das Geld kommt von Ausländern, die nur dann ihr Geld in die USA tragen wenn die Zinsen hoch genug sind.

Verärgert über die Baker-Kritik (ein Bundesbanker: »Nicht nur dümmlich, sondern dämlich"), rechneten die Deutschen Reagans Finanzchef vor, welche Opfer die Bundesbank bereits gebracht habe.

Immerhin lasse die Bundesbank, so Pöhl-Kollege Claus Köhler, bereits seit zwei Jahren zu, daß die Geldmenge weitaus schneller steige als geplant. Reichliche Geldversorgung soll die deutschen Zinsen niedrig halten und den amerikanischen Zinsen einen Vorsprung garantieren.

Der Erfolg: Von Ende 1986 bis Ende September 1987 hat sich der Zinsabstand zwischen Mark und Dollar von 1,4 auf 4,2 Prozent vergrößert. Geld wanderte nach Amerika, die Amerikaner konnten ohne Inflationsgefahr und Rezession über ihre Verhältnisse leben.

Bakers Kritik an der völlig unbedeutenden Anhebung der Zinsen - es geht um kurzfristiges Geld, das sich Privatbanken bei der Bundesbank besorgen - hat Skeptikern Auftrieb gegeben, die vor einer allzu großen Abhängigkeit der Deutschen Zentralbank vom internationalen Geschehen warnen. Ihnen paßt nicht, daß die Stabilität der Mark etwa durch Absprachen über den Dollarkurs gefährdet werden könnte.

Das Ergebnis des Louvre-Abkommens könne nicht darin bestehen, daß der US-Finanzminister der Bundesbank in die Geldpolitik hineinrede, gaben vergangene Woche auch die weltoffenen Frankfurter Banker zu bedenken. Dabei steht die Bewährungsprobe für das Louvre-Abkommen noch aus. Soll das abgesprochene Ziel eingehalten werden, wird die Frankfurter Bank in nächster Zeit noch allerhand zu tun bekommen.

Bisher brauchte die Bundesbank kaum einzugreifen. Andere Zentralbanken wie etwa in Japan, Frankreich und Schweden kauften in den vergangenen Monaten mehr als 70 Milliarden Dollar auf.

Wenn der Dollar das nächste Mal trudelt und die privaten Anleger wie bisher nicht bereit sind, ihre Nachfrage nach der amerikanischen Währung sprunghaft zu erhöhen, dann müssen die reichen Deutschen ran- Dollar aufkaufen und Mark in die Welt setzen. Seit vergangener Woche, seit »Bakers Fehler« (Stoltenberg) und dem Börsenkrach ist der Widerstand in Frankfurt dagegen fester gefügt. _(Nach seiner Rückkehr aus Europa am 20. ) _(Oktober. )

Nach seiner Rückkehr aus Europa am 20. Oktober.

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