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ITALIEN Der Sommer der Pyromanen

aus DER SPIEGEL 35/2000

In Italien sind seit Jahresanfang bei über 7000 Bränden mehr als 66 000 Hektar Wald und Buschland vernichtet worden, so eine erste Bilanz der Forstverwaltung. Das ist eine Fläche größer als Ibiza. Allein in den ersten drei Augustwochen gab es fast 2200-mal Feueralarm. Und es brennt, vor allem im Süden, kräftig weiter. Überall in Südeuropa, von Portugal bis zur Türkei, wüten die Flammen - Griechenland hat schon acht Tote zu beklagen. Doch nirgends fallen ihnen so große Flächen zum Opfer wie in Italien. Die historischen Pinienhaine von Ostia, vor den Toren Roms, wurden jetzt ebenso zu Asche wie die ohnehin knappen Waldstreifen an der Traumküste von Amalfi. Jüngst brannte es sogar bei den Ruinen von Pompeji und auf Capri.

Ursache für den Feuer-Boom ist selten die südliche Sonne. Drei von vier Feuern, so eine Studie des Umweltministeriums, werden vorsätzlich von Menschenhand gelegt - aus Profitsucht. Die Flammen machen aus wertlosem Naturland teures Bauland. Grundbesitzer, Zementlobby und die Mafia verdienen Vermögen dabei. Wird ein Aschefeld dagegen wieder aufgeforstet, kassiert der Gartenbaubetrieb bis 40 000 Mark pro Hektar. Interesse an möglichst vielen Einsätzen haben die privaten Besitzer der Löschflugzeuge ebenso wie Zigtausende von Helfern. Sie streichen bei den Lösch- und Aufräumarbeiten einen Tageslohn von 100 Mark ein. Das ist oft ihre einzige Einnahmequelle. Insgesamt wird der feuerbedingte Umsatz allein in Sizilien auf 500 Millionen Mark im Jahr geschätzt. In Sardinien, Kalabrien, Kampanien dürfte es kaum weniger sein. Die Regierung will nun die Brandstifter mit drastischen Gefängnisstrafen und dem Einsatz ziviler Geheimagenten abschrecken. Wer einen Pyromanen auf frischer Tat fotografiert, soll vom Staat dafür mit 1000 Mark belohnt werden.

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