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Der vierte Indochina-Krieg

aus DER SPIEGEL 31/1979

zwischen der kommunistischen Großmacht China und der kommunistischen Gerne-Großmacht Vietnam fand im Februar und März dieses Jahres praktisch unter Ausschluß der Weltöffentlichkeit statt. Auf beiden Seiten der Kriegsparteien waren ausländische Beobachter im Frontgebiet nicht zugelassen. Pekings Kriegsherr Teng Hsiao-ping nannte die offenbar erbittert ausgetragenen Kämpfe eine »Strafaktion«, um die »aggressive Arroganz« der Vietnamesen »auf Normalmaß« zu bringen. Vietnam sprach von der »erfolgreichen Abwehr« eines »räuberischen Aggressors«. Beide Seiten feierten das Ende des Grenzkrieges als »großen Sieg«. Wahr ist, daß die Kriegsabenteuer, die schätzungsweise über 50 000 Tote forderten, beiden Nachbarn eher geschadet haben: Chinas Ansehen als Friedensmacht ist ebenso angeschlagen wie der Glaube, die Militärmacht Vietnam könne sich alles erlauben. Erst jetzt, Monate danach, gab die Pekinger Führung Photos chinesischer Kriegsberichterstatter frei -- freilich in erkennbarer Absicht, damit Stärke und Großmut des vorgeblichen Siegers zu dokumentieren: Ob vietnamesische Kriegsgefangene wirklich so pfleglich behandelt wurden (Bild oben rechts), bleibt zweifelhaft.

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