Zur Ausgabe
Artikel 60 / 115

Der Warschauer Aufstand

aus DER SPIEGEL 31/1994

jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal. Er begann am 1. August 1944 unter General Tadeusz Bor-Komorowski. Bis zur Kapitulation am 2. Oktober kamen etwa 200 000 polnische Soldaten und Zivilisten ums Leben. Nach der Niederschlagung wurde eine halbe Million Menschen ausgesiedelt, Zehntausende Polen in Konzentrationslager verschleppt.

Der Aufstand hatte nicht nur den Sieg über die Deutschen zum Ziel: Die von der Londoner Exilregierung geführte bürgerliche Heimatarmee wollte Warschau selbst befreien, bevor die Rote Armee die Stadt erreichte und eine kommunistische Herrschaft errichten konnte. Stalins Truppen, die bereits am Weichsel-Ufer standen, griffen deshalb erst kurz vor der Niederlage ein.

Zum Jubiläum flammten die Diskussionen über den Sinn des Aufstandes erneut auf. Kritiker erklären, das Opfer sei zu groß gewesen. Der Historiker Pawel Jasienica: »Der Warschauer Aufstand war militärisch gegen die Deutschen gerichtet, politisch gegen die Sowjetunion und faktisch gegen Polen.« Die Polen gedenken der Erhebung mit zahlreichen Festakten, Kongressen und Konzerten. Wegen der Teilnahme von Bundespräsident Roman Herzog und einer russischen Delegation weigerten sich Veteranenverbände, in einer Parade mitzumarschieren.

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 60 / 115
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.