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UNIVERSITÄTEN / MEDIZIN-STUDIUM Der weiße Traum

aus DER SPIEGEL 34/1962

Da hatte er nun, ach, Anatomie, Pathologie und Chirurgie durchaus studiert mit heißem Bemühen. Fast sechs Jahre hatte er an süddeutschen Universitäten zugebracht. Er hatte den Eid des Hippokrates gelernt, namhaften Gelehrten gelauscht, zahllose Bücher gewälzt, reiches Wissen erbüffelt.

Er kannte Muskeln, Knochen, Sehnen und Nerven des menschlichen Körpers. Er wußte von Lymphozyten, Leukozyten und Leistenbrüchen. Die Symptome seltener Krankheiten waren ihm geläufig. Er hatte sich im Sezieren geübt, Bakterienkulturen angesetzt, Krebszellen unter dem Mikroskop betrachtet. Er kannte die Wirkung wichtiger Psychopharmaka. Er war dabeigewesen, als der Professor in komplizierter Operation einen Herzklappenfehler beseitigte, und er hatte erlebt, wie ein Schädelbasisbruch behandelt wurde.

Er hatte in elfsemestrigern Studium 5000 Unterrichtsstunden absolviert, 29 Pflichttestate und 40 Praktikantenscheine gesammelt, drei Monate in einem Krankenhaus famuliert, erst eine naturwissenschaftliche, dann eine ärztliche Vorprüfung hinter sich gebracht und schließlich das medizinische Staatsexamen bestanden.

Nun hatte der junge Medikus im Krankenhaus zu Donaueschingen Spätdienst. Der Chefarzt und die älteren Assistenten waren bereits außer Haus. Der Mediziner nutzte die späten Abendstunden, um die Krankenblätter der Patienten zu vervollständigen. Da meldete sich die Pforte: »Ein Unfall.«

Der Arzt klingelte nach der Oberschwester und eilte in die Aufnahmestation. Es war ein harmloser Fall: Ein Familienvater hatte sich bei feierabendlicher Laubsäge-Bastelei den Handrücken aufgeschlitzt. Blut floß aus der Wunde, aber weder Sehnen noch Nervenstränge waren verletzt.

Indes, der Akademiker war ratlos. Wohl wußte er, daß er die klaffende Wunde schleunigst säubern und vernähen müsse, damit Vereiterungen und andere Komplikationen vermieden würden. Aber derlei simple ärztliche Fähigkeiten hatte er im Verlauf seines langwierigen Studiums nicht erworben.

Die Oberschwester erlöste ihn aus dem Dilemma. Gelassen injizierte sie dem Verletzten ein Betäubungsmittel, reinigte die Wunde, reichte dem Mediziner Nadel und Faden und erklärte ihm Stich für Stich, wie er die Naht führen müsse.

Das Flickwerk war bald beendet. Die Wunde wurde verpflastert, der Patient mit der Auflage entlassen, sich anderntags zur Nachprüfung einzufinden.

Bei strenger Auslegung der amtlichen Vorschriften hätte der junge Mediziner den Bagatelleingriff nur unter Kontrolle eines besser gerüsteten, verantwortlichen Arztes vornehmen dürfen. Doch diese Sicherheitsbestimmung, in den von chronischem Personalmangel geplagten westdeutschen Krankenhäusern ohnedies selten strikt beachtet, verdeutlicht nur das Malaise, das sich an dem authentischen Fall des Jungmediziners von Donaueschingen offenbart: Die deutschen Universitäten entlassen examinierte Mediziner, die oft nicht imstande sind, einfachste ärztliche Verrichtungen zu bewältigen.

Die »beschämende Hilflosigkeit der jungen Ärzte«, wie ein angesehener Hochschullehrer diesen Zustand nennt, ist das Resultat eines unzulänglichen, längst reformbedürftigen Ausbildungssystems. Ausgerechnet in Deutschland, wo einst die moderne Medizin aufblühte, halten Hochschulen und Behörden an angestaubten Lehrmethoden fest. Die deutsche Medizin ist selber krank geworden:

- obwohl nach der amtlichen Bestallungsordnung »die Heranbildung eines zur Erfüllung seiner Aufgaben befähigten Arztes« das Ziel der Mediziner-Ausbildung ist, fühlen sich - nach einer Umfrage der Bundesärztekammer - fast zwei Drittel der frisch approbierten Jungärzte nicht imstande, eine eigene Praxis zu eröffnen.

- Obwohl die Bundesrepublik mit fast 85 000 Medizinern (ein Arzt auf 660 Einwohner) eine weit höhere Ärzte -Konzentration als sämtliche EWG -Länder, alle Ostblockstaaten und sogar die USA aufweist, ist die Bevölkerung - so wenden prominente Mediziner einen Ausspruch des Wiener Klinikers Professor Ernst Lauda auf deutsche Verhältnisse an - »trotz aller Segnungen der modernen Medizin heute schlechter versorgt als vor 80 Jahren«.

- Obwohl die deutschen Mediziner zum Abschluß ihres Hochschulstudiums gleich zwei anspruchsvolle

Zertifikate erhalten (Zeugnis über das Staatsexamen und in der Regel Promotionsurkunde), wird die deutsche Mediziner-Ausbildung im Ausland neuerdings vielfach mit offener Geringschätzung betrachtet.

Selbst das Entwicklungsland Ägypten, das sich gern mit Bonn-Mark fördern läßt und die Aufbauhilfe deutscher Techniker ersehnt, mochte deutschen Mediziner-Prüfungen nicht mehr trauen. Und im Sudan, wo farbige Naturburschen, so meldete ein Gastdozent, in »ausgesprochener Schuljungenart« die Universität von Khartum bevölkern, liege der fachliche Ausbildungsstand an der Medizinischen Fakultät »im Durchschnitt sicher etwas höher als heute an einigen deutschen Universitäten«.

In die Stimmen aus der Wüste fiel ein gemischter Chor aus Deutschland ein: die bundesrepublikanische Ärzteschaft. »Die ärztliche Ausbildung in Deutschland«, konstatierte Dr. Sewering, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, »ist in ihren früheren Formen, die zweifellos einmal Weltgeltung hatten, erstarrt; es wurde versäumt, sie der Entwicklung der Medizin der letzten Jahrzehnte anzupassen.«

Die deutschen Medizinischen Fakultäten erachten es nicht als vordringlich, Ärzte für die Praxis auszubilden. Namens der Freiburger Fakultät und stellvertretend für alle Medizinischen Fakultäten der Bundesrepublik verkündete der Freiburger Professor Hanns Ruffin: »Wir wollen nicht serienweise praktische Ärzte produzieren.«

Versponnen in altväterlichen Wissenschaftsidealen, vermitteln die Universitäten den angehenden Ärzten eine Unsumme theoretischen Wissens, aber »auch nicht annähernd das notwendige praktische Können« (Sewering).

Noch immer gibt es in Deutschland keine amtliche, für die Medizinischen Fakultäten aller 18 Universitäten verbindliche Studienordnung. Nirgendwo ist festgelegt, was ein Arzt können muß; die amtliche, bundeseinheitliche »Bestallungsordnung für Ärzte« ist nur ein Katalog von Vorlesungen und Übungen, die ein Student zu absolvieren hat, will er zum Staatsexamen zugelassen werden.

Noch immer gibt es keine schriftlichen, mithin objektiven Universitätsexamen. Einmal von der Universität entlassen, werden die Mediziner überhaupt nicht mehr geprüft, weder nach der nun folgenden zweijährigen praktischen Ausbildung ("Medizinalassistentenzeit") noch nach einer eventuellen Ausbildung zum Facharzt.

Noch immer ist die deutsche Universitätsmedizin durch eine streng hierarchische Ordnung geprägt, an deren Spitze der schier allmächtige Lehrstuhlinhaber (Ordinarius) steht. Er allein bestimmt, wie gelehrt, was erforscht wird. Von ihm hängt die Karriere der Dozenten, das Wohl der Patienten und das Wehe der Studenten ab - »eine Allmacht«, notierte ein Hochschul-Kritiker in der »Zeit«, »die es in anderen Bereichen der Gesellschaft seit hundert Jahren aus guten Gründen nicht mehr gibt«.

Jegliche Kritik aber am Ausbildungsgang der Mediziner und an der Struktur der Fakultäten ist bislang am festen Gemäuer deutscher Gelehrsamkeit abgeprallt. Der Bonner Professor Habs konstatierte im Auftrag der Medizinischen Fakultäten: »Geschichte und Tradition lassen sich nicht ungestraft beiseite rücken.« Die Medizinische Fakultät der Universität Kiel: »Auch der seitherige Bildungsgang der Mediziner in Deutschland hat zahlreiche hervorragende Ärzte und Gelehrte hervorgebracht.«

Unbestritten: Einst hatte die deutsche Medizin legendären Ruf. Aus aller Welt strömten Ärzte und Studenten herbei, um Kapazitäten vom Range eines Rudolf Virchow, Robert Koch, Emil Behring und Ferdinand Sauerbruch zu hören.

»Trifft man ältere Ärzte im Ausland, sei es in Amerika, sei es in Japan«, notierte der Göttinger Ordinarius Professor Rudolf Schoen, »so denken sie heute noch in Dankbarkeit, oft geradezu mit Rührung, an ihre Jugendjahre an deutschen Universitäts-Instituten und -Kliniken und an ihre deutschen Lehrer zurück ... Heute geht der Weg umgekehrt, von uns ins Ausland, vornehmlich nach den USA, dem Land mit dem unbestritten höchsten Stand der Medizin.«

Die deutsche Medizin von heute aber zehrt vom Glanz einer entschwundenen Zeit, da die Heilkunst noch überschaubar und ein Lehrstuhlinhaber in der Lage war, die Entwicklung in seinem Fachgebiet genau zu verfolgen: Kopf und Köfferchen des weißbekittelten Geheimrats bargen den jeweils letzten Stand der Medizin. Zumindest den wissenschaftlich ambitionierten Studenten, die sich als Jünger um den Meister scharten, verhalf die patriarchalische Intimsphäre zu einer ausgezeichneten Ausbildung. Die übrigen Schüler profitierten hinlänglich für ihre - ebenfalls noch überschaubare - Praxis, in der Baldrian noch Psychotherapie, die Kampferspritze ganze Klassen moderner Arzneimittel ersetzte.

Immerhin erschien es schon im Jahre 1901 ratsam, die bis dahin rein akademische Ausbildung der Ärzte durch ein »praktisches Jahr« zu ergänzen. Und im Ersten Weltkrieg zeigte sich bereits, wie der Heidelberger Professor Willy Hellpach 1919 schrieb, »daß der Mediziner, der an der Schwelle der Approbation steht, zwar eine Fülle von Kenntnissen besitzt, aber an einer erschreckenden Armut des Könnens leidet; daß er primitive Elemente ärztlichen Handelns und Unterlassens dem Krankenpflegepersonal ... ablernen mußte ...« Vollends fragwürdig wurde das deutsche

Ausbildungssystem aber, als sich in den folgenden Jahrzehnten die Wissenschaft der Medizin in immer neue Spezialgebiete auffächerte, immer verwickeltere Probleme zutage gefördert wurden und der Wissensstoff ins Unermeßliche wuchs. Jetzt konnte selbst der Lehrstuhlinhaber nur noch »mit Mühe«, wie ein Ordinarius gestand, sein eigenes Fachgebiet überblikken.

Noch mühevoller hatten es zwangsläufig die Studenten, die mit immer neuem Spezialwissen befrachtet wurden. Der Göttinger Professor Schoen: »Es wurde der enormen Ausweitung der Medizin nur durch noch mehr Vorlesungsstunden, noch mehr hineingepreßten Lehrstoff und neue Prüfungsfächer Rechnung getragen, Überholtes nicht eliminiert, keine Auswahl des Stoffes nach seiner Bedeutung für den Unterricht getroffen, keine Koordination innerhalb der den Unterricht erteilenden Dozenten versucht.«

Hinzu kam die heute vielbeschworene geistige Auspowerung, die mit Adolf Hitlers Machtübernahme in Deutschland einkehrte. Ein Massen-Exodus namhafter Lehrer und Forscher,

das kärgliche Interesse der NS-Herrscher an jeglicher, auch

medizinischer Grundlagenforschung und schließlich der Zweite Weltkrieg vollendeten die Entwicklung, die sich bereits abgezeichnet hatte: Deutschland verlor seine Vormachtstellung in der Heilkunst. Das neue Zentrum der Medizin hieß Amerika.

An der Verteiler-Liste des Nobelpreis -Komitees ließ sich die Entwicklung ablesen. Nur einmal während der letzten 20 Jahre wurde ein Deutscher mit der höchsten internationalen Mediziner -Auszeichnung bedacht; im selben Zeitraum heimsten die Schweiz drei, Großbritannien fünf und die USA nicht weniger als zweiundzwanzig Medizin -Nobelpreise ein.

Das amerikanische Beispiel bestätigte aber auch eindrucksvoll, daß - wie der Göttinger Professor Schoen allgemein konstatierte - ein »hoher Stand der Medizin ... eine notwendige Voraussetzung für die Ausbildung guter Ärzte ist«. Professor Schoen stellte fest, der junge amerikanische Arzt sei »besser auf die ärztliche Praxis vorbereitet, zumal ihm auch die sozialen Seiten der

Medizin geläufig sind, welche bei uns im Studium vernachlässigt werden«. Der amerikanische Arzt sei »sicherer in der Diagnose und Therapie und sicherer in der Menschenbehandlung«.

Die Amerikaner hatten es verstanden, sich der zunehmenden Spezialisierung der Medizin sowohl in der Forschung als auch in der Lehre anzupassen:

- In der Wissenschaft entwickelten sie das System der Team-Arbeit, das der deutschen Forschertradition zuwiderlief, zu höchster Vollendung; nur so ließen sich die verwickelten neuen Aufgaben, etwa die Entzifferung des chemischen Codes der Erbvorgänge oder die Entwicklung von Herz-Lungen-Maschinen, überhaupt bewältigen.

- In der ärztlichen Ausbildung wurden sie der Entwicklung gerecht, indem sie das spezialisierte Wissen in noch stärkerem Maße als zuvor sinnfällig für die Praxis aufbereiteten - im »bedside teaching«, im Unterricht am Krankenbett.

Jetzt bewährten sich die amerikanischen »Medical Schools«, wie sich die

medizinischen Hochschuleinrichtungen in den USA bescheiden nennen. Ihr Unterricht zielt in erster Linie darauf ab, Ärzte für die Praxis fit zu machen. Der Student lernt - in schroffem Gegensatz zu westdeutschen Bräuchen - vorwiegend im Krankenzimmer. Vorlesungen hört er vergleichsweise selten, dafür nimmt er um so häufiger an klinischen Konferenzen der leitenden Ärzte teil.

Im Hochgefühl akademischer Freiheit lassen die deutschen Fakultäten den angehenden Arzt führerlos durch ein schlecht koordiniertes Studium hasten, während die amerikanischen Fakultäten geradezu preußischen Drill aufwenden, um die Studenten mit dem erforderlichen Rüstzeug zu versehen. Der US-Student hat, wie in der Schule, einen genau festgelegten Stundenplan einzuhalten. Er wird ständig kontrolliert, hat jährlich Prüfungen abzulegen und muß sofort ausscheiden, wenn er den Anforderungen nicht mehr genügt.

Jeder US-Medizinstudent ist einem bestimmten Ausbilder zugeteilt, der Gruppen von höchstens zehn Kommilitonen betreut. Da dem Dozenten noch eine stattliche Schar von Hilfskräften zur Seite steht, ist praktisch für jeden Schüler jeweils ein Lehrer da. Denn selbst an großen amerikanischen Medical Schools werden kaum mehr als jeweils 300 Studenten ausgebildet (an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg zur Zeit: 1600).

So ist einleuchtend, daß Experten der »American Medical Association« nach einer Erkundungstour durch deutsche Universitäten vor einigen Jahren zu dem Schluß kamen, die der Praxis abgewandte deutsche Unterrichtsmethode sei »nicht mehr zeitgemäß, und zwar seit 30 bis 40 Jahren«.

Besonders kraß wurden die Schwächen des Systems aber erst deutlich, als während der letzten Jahre eine gewaltige Studentenlawine über die unzulänglich gerösteten deutschen Universitäten hinwegrollte (siehe SPIEGEL -Serie »Die Bundesrepublik - ein unterentwickeltes Land«, SPIEGEL 38/1961). Die Zahl der in- und ausländischen Medizinstudenten schnellte auf 25 000 empor - »die größte Zahl von Medizinstudenten, die jemals existiert hat«, wie die Deutsche Ärzteschaft holperig formulierte.

Typische Auswirkungen: In Erlangen entschloß sich die Medizinische Fakultät, Vorlesungen mit Hilfe des Fernsehens aus den Hörsälen in Nebenräume zu übertragen. An einigen Hochschulen betrieben die Studenten einen schwunghaften Handel mit Labor-Plätzen - »bis zu 200 Mark für einen medizinischen Arbeitsplatz in Hamburg unterderhand«, wie eine Studentenzeitung berichtete. In München warnte der Allgemeine Studentenausschuß erst kürzlich vor dem Studium an der Ludwig-Maximilians -Universität: Hörsäle und Seminare seien hoffnungslos überfüllt; katastrophale Zustände herrschten an der Medizinischen Fakultät.

Die Zahl der Krankenbetten in den Ausbildungsstätten (vorhanden: 16 500, erforderlich: 25 750) reicht für eine gründliche Schulung der Studenten ebensowenig aus wie die Zahl der Hochschullehrer. Nicht einmal genügend Leichen stehen - für den Anatomie -Unterricht - zur Verfügung.

In seiner Untersuchung über »die gegenwärtigen Verhältnisse in den Universitätskliniken« kam der deutsche Wissenschaftsrat zu dem Schluß, daß »erhebliche Schäden« in medizinischer Forschung und Lehre bestünden. Als Gründe wurden angeführt: studentischer Massenandrang, unzulängliche personelle Besetzung, Überbelastung der Klinikdirektoren. Und: Einerseits seien einige der Kliniken zu groß, andererseits mangele es insgesamt an Betten und Räumen.

Zwangsläufig wirken sich diese »erheblichen Schäden« auf einen großen Teil der rund 5000 westdeutschen Abiturienten aus, die alljährlich mit dem Medizinstudium beginnen. Das Ausbildungsschema ist in der Bestallungsordnung festgelegt. Danach hat ein angehender Arzt

- ein »vorklinisches« Studium von fünf Semestern mit einer naturwissenschaftlichen Vorprüfung (Vorphysikum) und einer ärztlichen Vorprüfung (Physikum) sowie

- ein »klinisches« Studium von sechs Semestern (Abschluß: Staatsexamen) zu absolvieren;

- während des Studiums einen Krankenpflegedienst von mindestens acht Wochen Dauer und eine Tätigkeit als »Famulus« von mindestens drei Monaten Dauer abzuleisten;

- nach dem Studium und bestandener

ärztlicher Prüfung zwei Jahre als Medizinalassistent zu arbeiten.

Während sich der Student im Krankenpflegedienst und beim Famulieren im wesentlichen mit den Verhältnissen in den Krankenhäusern und dem ärztlichen Berufsmilieu vertraut machen soll, ist die Medizinalassistentenzeit nach dem Studium der eigentlichen praktischen Ausbildung vorbehalten. Ausgerechnet in dieser wichtigen Ausbildungsphase muß sich der Mediziner weitgehend allein zurechtfinden: Die Universität hat ihn entlassen, der Ärztekammer untersteht er noch nicht - da er noch nicht Arzt ist.

So mangelt es dem Medizinalassistenten oft an Betreuung und Anleitung. »Der Jungarzt«, erklärte schon vor einigen Jahren der damalige Hochschulreferent der Kultusministerkonferenz, Ministerialrat Franz Schad, »ist meist darauf angewiesen, sich seine Erfahrungen akzidentell und autodidaktisch - gelegentlich auf Kosten der Patienten - zu erwerben.« Der Kölner Professor Schulten berichtete, oft würden die Jungärzte »als billige Arbeitskräfte zu Handlangerdiensten mißbraucht«.

Wenn der Medizinalassistent nicht gerade »wegen einer Sucht« oder »wegen Schwäche seiner geistigen und körperlichen Kräfte« auffällt, erhält er nach zwei Jahren von der zuständigen Landesbehörde die Bestallungsurkunde (Approbation) - »ganz gleich, ob er in dieser Zeit etwas gelernt hat oder nicht« (Schulten). Eine Prüfung findet nicht mehr statt.

Die Ausbildung des Mediziners endet damit so fragwürdig wie sie begonnen hat. Denn schon in den beiden ersten Semestern, die namentlich der naturwissenschaftlichen Grundausbildung vorbehalten sind, wird der Student mit einem kläglichen Wesenszug seiner Ausbildung vertraut gemacht: mangelhaft koordiniertem Unterricht. Zwar wird selbst von Kritikern nicht bestritten, daß der angehende Arzt Fundamentalwissen in Botanik, Zoologie, Physik und Chemie erwerben muß; doch nur an wenigen Universitäten werden die naturwissenschaftlichen Kenntnisse in Spezialvorlesungen für Mediziner und damit in Portionen verabreicht, die der Student ohne Beschwerden verdauen kann.

Meist ist der Student darauf angewiesen, die weit anspruchsvolleren Fachvorlesungen zu hören, die speziell für Physiker, Chemiker, Tier- und Pflanzenkundler gedacht sind. Da diese Vorlesungen über mehrere Semester laufen, kann es durchaus geschehen, daß er alles über die Photosynthese, aber nichts über Heilkräuter erfährt, alle Gattungen einheimischer Wirbeltiere kennenlernt, aber nichts über Bandwürmer oder Läuse vernimmt.

Resultat: Viele Studenten fühlen sich entweder genasführt oder überfordert, schwänzen die Vorlesungen und erackern sich reines Examenswissen aus Büchern oder beim Repetitor. So entsteht, was die Mediziner fachkundig als »Paukneurose« diagnostizieren.

Nach der naturwissenschaftlichen Vorprüfung (Vorphysikum) erwirbt der Student, im dritten bis fünften Semester, medizinisch-theoretisches Wissen: Anatomie, Physiologie und physiologische Chemie.

In den anatomischen Kollegs und Kursen soll er sich möglichst viele Details des menschlichen Knochenbaus, der Gelenke, Bänder, Muskeln, der inneren Organe, der Nerven und der Sinnesorgane einprägen; die physiologischen Fächer sollen Kenntnisse über die Funktion von Atmung, Blutkreislauf, Nervensystem, Fetthaushalt und Verdauung vermitteln.

Nicht unumstritten ist der Brauch der Medizinischen Fakultäten, für die physiologischen Fächer nur die Hälfte der Vorlesungszeit anzusetzen, die sie der Anatomie einräumen.

Mit dem Kranken kommt der Schüler in dieser zweieinhalbjährigen Phase des Studiums nicht in Kontakt - im Gegensatz beispielsweise zum französischen Studiosus, der sich schon in den Anfangssemestern vormittags im Krankenhaus einzufinden hat. Der französische Student hat die Krankenpflege zu erlernen, sich in Erster Hilfe zu üben und im Umgang mit Patienten vertraut zu machen. Am Nachmittag hört er die anatomischen und physiologischen Vorlesungen. Diese tägliche Zweiteilung wird während des gesamten Studiums weitgehend beibehalten, so daß der Student am Krankenbett stets die praktische Auswirkung dessen miterlebt, was er in der theoretischen Vorlesung vernommen hat.

Schließlich wird der Medizinstudent in Frankreich wie in den USA schon jetzt in einem Wissenszweig geschult, der an den meisten deutschen Medizinischen Fakultäten geradezu mißachtet wurde: Psychologie. Bis vor kurzem gab

es noch an keiner deutschen Universität eine Pflichtvorlesung »Psychologie für Mediziner«.

Die angehenden Ärzte in Frankreich und in den USA sind mit dem eigentlichen Objekt ihres Mühens, dem kranken Menschen, schon längst vertraut, wenn der deutsche Kommilitone nach fünf Semestern reiner Theorie die »ärztliche Vorprüfung« (Physikum) ablegt. Dieses Examen ist im Grunde das letzte - freilich grobe - Sieb, das unfähige oder mangelhaft begabte Studenten daran hindern könnte, Arzt zu werden. Indes, an deutschen Universitäten fallen nur etwa sechs bis zehn Prozent der Kandidaten durch. Durchschnitt in (etwa entsprechenden) Prüfungen anderer Länder: 30 Prozent.

Der Kölner Ordinarius Schulten schrieb vor zwei Jahren in seinem kritischen Buch »Der Arzt": »Wenn Vorphysikum und Physikum als Filter richtig funktionierten, sollten Dumme oder gar leicht Schwachsinnige niemals bis zum Staatsexamen gelangen können. Leider geschieht-das bei uns aber doch, und so werden immer wieder intellektuell ganz unzulängliche Menschen Ärzte.«

In der Tat hat jeder den medizinischen Doktor-Titel so gut wie erworben, der den flachen Stolperdraht der ärztlichen Vorprüfung übersteigt. Angesichts der laschen Auslese kursiert unter Medizinern sogar von alters her ein Spruch, der den Erwerb des akademischen Titels schon durch die Einschreibung an der Universität als gesichert erscheinen läßt: »Inskribiert und nicht krepiert ist promoviert.«

Gleichwohl harrt des Studenten, wenn er seine Ausbildung ernst nimmt, vom sechsten Semester an harte Arbeit: Die nun beginnende klinische Ausbildung überrascht ihn sogleich mit einer Fülle komplizierter Details, die ihn nur zu oft ratlos machen. Sechs Semester lang ist der angehende Arzt weitgehend sich selbst überlassen. Niemand leitet ihn an, niemand prüft, ob er die unendliche Vielfalt der ihm präsentierten Fakten überhaupt verkraften konnte.

Da alle Hauptvorlesungen nur etwa eine Stunde dauern, verbringt der Medizinstudent seine Zeit damit, von Klinik zu Klinik und von Institut zu Institut zu hasten, um möglichst viel zu erhaschen. So beginnt er beispielsweise seinen Tag in der Frauenklinik mit einem von acht bis neun Uhr anberaumten gynäkologisch-geburtshilflichen Kurs, eilt dann in die Medizinische Klinik, um etwas über Karzinome zu vernehmen, anschließend in das Pathologische Institut, wo der Ordinarius von zehn bis elf Uhr über spezielle Leber-Erkrankungen referiert, dann zu einer Vorlesung über Seuchenbekämpfung ins Hygiene -Institut und schließlich in die Hautklinik, wo ihn zur Mittagsstunde ein Kolleg über Geschlechtskrankheiten erwartet. Sein Nachmittags-Programm ist ähnlich buntgescheckt.

An amerikanischen Universitäten hingegen ist die Gemeinschaftsvorlesung Usus. In diesem Kolleg finden sich - entweder in einer abgeschlossenen Vorlesung oder in einer Vorlesungsreihe - Spezialisten verschiedener Fachrichtungen (Internist, Chirurg, Röntgenologe, Pathologe) zusammen, um etwa das Thema »Überfunktion der Nebenschilddrüsen« zu behandeln.

Dem Studenten erschließen sich dadurch ganze Wissensgebiete sinnfällig,

während deutsche Kommilitonen die verschiedenen medizinischen Aspekte ein und desselben Themas in einer Vielzahl oft nicht einmal zeitlich abgestimmter Vorlesungen zusammenraffen müssen. Zudem dozieren amerikanische Professoren nicht über die Köpfe der Studenten hinweg, sondern diskutieren mit ihnen in kritischem Frage-und-Antwort-Spiel. »Der Typ des alten unnahbaren Geheimrats, wie er noch gelegentlich auf deutschen Lehrstühlen sitzt«, fand Kritiker Schulten, »ist einem solchen Gespräch kaum gewachsen.«

Rund zwei Drittel seiner klinischen Studienzeit verbringt der deutsche Medizinstudent als mehr oder weniger passiver Zuhörer in Vorlesungen. Nur ein Drittel ist praktischen Übungen und

Demonstrationen vorbehalten, die freilich oft wie eine Farce anmuten.

Nach der Bestallungsordnung muß der angehende Arzt zwar nachweisen, daß er regelmäßig und mit Erfolg je zwei Semester lang als Praktikant die Medizinische, die Chirurgische, die Geburtshilflich-Gynäkologische und die Kinderklinik-besucht und sich während jeweils eines Semesters in der Hals -Nasen-Ohren-, der Augen-, der Psychiatrischen und Neurologischen sowie in der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten aufgehalten hat.

Doch diese Praktikantentätigkeit beschränkt sich gewöhnlich darauf, daß der junge Mediziner gemeinsam mit Hunderten von Kommilitonen im Klinikhörsaal zuschaut, wie der Ordinarius und seine Oberärzte einen Kranken operieren oder vorstellen und dabei über ihre Operationstechniken oder Diagnosen berichten. Nur drei oder vier Studenten ist es dabei vergönnt, von der Hörerbank zum Krankentisch zitiert zu werden. Diesen Vorzug genießt jeder Student zwei- oder dreimal während des Semesters.

Von Furunkeln, Anginen, Erschöpfungszuständen, Muskelzerrungen und Bandscheibenschäden erfährt der Student in diesen wissenschaftlichen Veranstaltungen kaum etwas. Viele Mediziner absolvieren ihr Studium, ohne je einen einzigen Scharlachkranken, einen einzigen Masernpatienten gesehen zu haben.

So ergibt sich ein Paradoxon: Einerseits kann es geschehen, daß der mangelhaft geschulte Arzt bei einer einfachen Angina eher ein Pfeiffersches Drüsenfieber oder einen syphilitischen Primäraffekt denn eine simple Erkältungskrankheit vermutet andererseits, daß er (was schwerer wiegt) nicht erkennt, wenn sich hinter chronischer Müdigkeit, Migräne oder Hämorrhoidalblutungen eine beginnende Tuberkulose, ein Glaukom oder ein Rektumkarzinom verbirgt. Die Sicherheit der Diagnose, die der Student nicht nur aus dem Lehrbuch, sondern vor allem im Umgang mit Patienten gewinnen muß, vermag ihm die kärgliche Hochschulpraxis nicht zu vermitteln.

Auch von jener merkwürdigen Prozedur, die in deutschen Universitätskliniken unter der Bezeichnung »Chefvisite« abrollt, profitiert der Student selten etwas. Sie nimmt sich aus wie ein weißer Traum. »Man

muß sie einmal gesehen haben«, lästerte ein Hochschul-Anonymus in der »Zeit«, »diese Prozession weißgekleideter Gestalten - den Chef, gefolgt von den Oberärzten ... Assistenten, Volontären bis zum letzten Famulus - eine imposante und gleichzeitig sogar für manche Patienten bedrückende Demonstration rigorosester Rangordnung. Der Patient erstarrt zum eingeschüchterten Komparsen, und die Möglichkeit eines belehrenden Zweckes dieser spektakulösen Veranstaltung leidet nicht unbeträchtlich an dem Umstand, daß niemand Fragen zu stellen wagt.«

In den Kursen schließlich, in denen der angehende Arzt so elementares Rüstzeug wie das Abklopfen (Perkutieren) und Abhorchen (Auskultieren) der Patienten oder den Umgang mit dem Kehlkopfspiegel lernen soll, drängen sich zuweilen jeweils hundert Studenten. Zehn oder zwanzig von ihnen stehen um ein Krankenbett herum; der Kursusleiter ist nicht mehr in der Lage, das Wissen jedes einzelnen zu kontrollieren und festzustellen, ob der Student die Herztöne richtig abhorcht, die Lunge exakt abklopft oder eine Geschwulst zu ertasten vermag.

Professor Schulten: »Im Regelfall besitzt heute der Student im Examen keine ausreichenden Fertigkeiten im Perkutieren, Auskultieren und so weiter; wenn ihm das nicht noch durch einen glücklichen Zufall in einem späteren Stadium seiner Ausbildung beigebracht wird, so lernt er diese Dinge überhaupt nicht.«

Keineswegs wird der Student im Examen auf solche handwerklichen Fähigkeiten gründlich geprüft. Er hat indes die sogenannten Praktikantenscheine zu präsentieren, die ihm bestätigen, daß er die zahlreichen Kurse »regelmäßig und mit Erfolg« hinter sich gebracht hat. Diesen Freibrief kann er ohne Mühe erlangen. Der Praktikantenschein ist ihm häufig sicher, wenn er seinen Namen zu Beginn des Semesters in die Teilnehmerliste einträgt.

Teilnehmern eines Perkussions- und Auskultations-Kurses an der II. Medizinischen Klinik der Universität Hamburg widerfuhr der zweifelhafte Vorzug, sich die erfolgreiche Teilnahme selbst bestätigen zu dürfen: Der Kursusleiter hatte die Zahl von Praktikantenscheinen, die er aus der Einschreibeliste errechnen konnte, zum Abholen in seinem Sekretariat bereitgelegt - mit Blankounterschriften versehen. Die Studenten brauchten nur noch ihren Namen einzutragen.

In Tübingen gelang es Medizinstudenten gar, Kommilitonen anderer Fakultäten mit Praktikantenscheinen zu versorgen. So bekam ein Studiosus in der Hals -Nasen-Ohren-Klinik den Praktikantenschein des Spiegelkurses nicht nur für sich, sondern auch für seine Frau: Er hatte ihren Namen scherzeshalber in die Einschreibeliste eingetragen. Prompt erhielt sie die Bestätigung, daß sie »regelmäßig und mit Erfolg« den Kursus absolviert habe. Die Frau des Medizinstudenten studierte Romanistik.

Weder das Scheine-Schummeln noch die medizinischen Doktor-Dissertationen, die unter den deutschen Promotionen »wohl den geringsten akademischen Kredit haben« (so der Heidelberger Professor Franz Schmid), haben indes die deutsche Mediziner-Ausbildung so in Verruf gebracht wie das Staatsexamen, mit dem der Student sein Studium abschließt.

»Die Zahl der Durchfälle liegt im Durchschnitt ... bei null Prozent«, schrieb Professor Hans Schaefer in Heidelberg. Das Statistische Bundesamt stellte fest, daß im Wintersemester 1959/60 von Insgesamt 1073 Kandidaten 1042 die Prüfung bestanden. Durchfallquote: 2,9 Prozent. Für dasselbe Semester ergab sich bei den Juristen eine Durchfallquote von rund 21 Prozent, bei den Volkswirten von 26 Prozent.

Während jeder Schlosser- oder Schreinerlehrling vor einem neutralen Gremium beweisen muß, daß er bestimmte Grundkenntnisse seines Handwerks beherrscht, fehlt für die Abschlußprüfung deutscher Mediziner jegliche objektive Kontrolle. Die Prüfungen in den einzelnen Fächern werden nicht vor unparteiischen Instanzen, sondern vom jeweiligen Fachvertreter, also vom Lehrer, abgenommen - mündlich.

»Entsprechend dem alten Standpunkt seiner Gottähnlichkeit betrachtet der

Ordinarius das Examen häufig als Privatsache, die gewöhnlich hinter verschlossenen Türen zwischen ihm und dem Kandidaten erledigt wird«, berichtete Professor Schulten.

Besonders mißlich wirkte sich aus, daß die Prüfer - obwohl schon 1956 in der »Deutschen Medizinischen Wochenschrift« davor gewarnt, »das Examen für Ausländer leichter als für die eigenen Landsleute zu gestalten - ihre Mildherzigkeit in beträchtlichem Maße an Gäste aus entwicklungsbedürftigen Ländern verschwenden.

So mußte sich der Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg, Professor Ludwig Heilmeyer, bei einem Besuch in Teheran von persischen Professoren sagen lassen: »Unsere Medizinstudenten, die an unseren Hochschulen nicht ankommen und auch die Aufnahmeprüfung bei den Engländern und Amerikanern nicht bestehen, gehen an eine deutsche Universität. Sie kommen zwar mit bestandenem Examen zurück - wie sie es bestehen, weiß der Himmel -, aber sie weisen nicht einmal Leistungen auf, wie wir sie bei unseren einheimischen Studenten als selbstverständlich voraussetzen.«

Und der ehemalige Kulturattache der Ägyptischen Botschaft in Bonn, Dr. med. Kamal Moussa, konstatierte in Entwicklungsdeutsch: »Deutsche Kühlschränke gut, deutsche Autos sehr gut, deutsche Ingenieure vorzüglich - in Deutschland ausgebildete Ärzte furchtbar.«

Wie hilfreich die Prüfer aber mitunter auch gegenüber deutschen Kandidaten sind, umschrieb der Heidelberger Ordinarius Professor Schaefer: »Was wir derzeit tun, ist, durch unangebrachte Milde dem Kandidaten so lange eine Chance im Mündlichen zu geben, bis er mit Ach und Krach besteht.«

Unter Medizinern geht gar die Kunde, daß Prüfungen gelegentlich überhaupt ausfallen. So vernahmen Kandidaten einer deutschen Universität in einem gynäkologischen Prüfungsfach lediglich die Frage: »Sind Sie mit einer Zwei zufrieden? Ich habe keine Zeit.« Die Kandidaten waren es.

Die Prüfer leiden in der Tat fast immer unter Zeitmangel. Die »gottähnliche« Stellung des Ordinarius läßt ihn über allzu viele Dinge walten. Er ist immer Chef eines Instituts oder einer Klinik und damit eines Großbetriebes mit Dutzenden oder Hunderten von Mitarbeitern. Er verwaltet die Forschungsbudgets; er entscheidet, welche Untersuchungen vorangetrieben oder gestoppt werden sollen; er billigt oder verwirft die Arbeiten, die seine wissenschaftlichen Mitarbeiter veröffentlichen wollen. Überdies unterhält er als Kliniker normalerweise eine umfangreiche Privatpraxis. Er ist als Gutachter begehrt.

Die Ordinarien beklagen denn auch ihre Überlastung. »Aber versuche einmal jemand«, resignierte ein jüngerer Hochschullehrer, »ihm von dieser Bürde etwas abzunehmen. Bisher sind alle Versuche in dieser Richtung an dem Widerstand der also Überbürdeten gescheitert, die mit Eifersucht darüber wachen, daß ihnen von ihrem Einfluß nichts genommen wird.«

Nach den noch heute gültigen, zum Teil über 150 Jahre alten Bestimmungen des deutschen Hochschulrechts nimmt der Lehrstuhlinhaber der Universität, wie der Hochschulrechtler Professor Werner Thieme im Standardwerk »Deutsches Hochschulrecht« betont, eine »zentrale Stellung« ein.

Aufgrund des bis heute fortwirkenden, in die früheren Reichs- und jetzigen Bundes- sowie Länderverfassungen eingegangenen Allgemeinen Preußischen Landrechts von 1794 sind die Universitäten zwar »Veranstaltungen des Staats« und dessen Aufsicht unterstellt, haben jedoch das Recht, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Zur Verwirklichung dieser verfassungsmäßig sanktionierten Selbstverwaltung haben sich die Hohen Schulen ihre eigenen Organe geschaffen, insbesondere die Fakultäten.

Diese nach Studienrichtungen, wie Theologie, Philosophie, Jurisprudenz, Medizin, Natur- oder Wirtschaftswissenschaften, gegliederten Gremien entscheiden selbständig über den Hochschulbetrieb. Mitglied der Fakultät sind zwar alle Hochschullehrer des betreffenden Fachs, gleichgültig ob sie die einsame Höhe eines Ordinariats erklimmen konnten oder eine rangniedere außerplanmäßige Professur, eine Honorarprofessur oder einen Posten als Privatdozent bekleiden*. Die für den Hochschulbetrieb wesentlichen Entscheidungen aber werden von den Ordinarien getroffen, die den einzelnen Wissensgebieten (etwa: Chirurgie, Innere Medizin, Frauenheilkunde, Pathologie, Anatomie, Physiologie) vorstehen. Sie sind Beamte auf Lebenszeit und bilden innerhalb der Gesamtfakultät ein Sondergremium, die sogenannte engere Fakultät.

Jeder Ordinarius gehört kraft seines Amtes dieser Spitzenmannschaft an. Sie hat den für alle Hochschullehrer und Studenten der betreffenden Fakultät verbindlichen Vorlesungsplan aufzustellen; sie bestimmt, wer der Promotion oder der Habilitation würdig

ist, wer mit dem Professorentitel geschmückt, wer einen Lehrauftrag erhalten (oder wem er entzogen werden) soll.

Die nichtordinierten Hochschullehrer - sie sind im Gegensatz zu den vollbeamteten Ordinarien normalerweise nur »Beamte auf Widerruf« oder »auf Probe« - dürfen in die Sitzungen dieser illustren Gruppe nur einen »Sprecher« entsenden; ihm steht wohl das Recht zu, seine Stimme abzugeben, doch angesichts der Überzahl der bevorrechteten Lehrstuhlinhaber kann er eine Fakultätsentscheidung nicht beeinflussen. Alle Beschlüsse der engeren Fakultät müssen mit absoluter Mehrheit gefaßt werden.

Aber: Selbst wenn eine Medizinische Fakultät beschließen wollte, den Unterricht zu straffen oder neue pädagogische Methoden einzuführen, wäre sie dabei zumindest auf die wohlwollende Duldung des Ordinarius angewiesen, an dessen Fachgebiet etwas geändert werden soll.

Denn niemand kann einem deutschen Ordinarius in seine Vorlesungen hineinreden. Nach dem Verfassungsgrundsatz der Freiheit von Wissenschaft und Forschung, aber auch nach den gültigen Hochschulgesetzen übt er seine »Forschungs- und Lehrtätigkeit in eigener Verantwortung aus« und braucht keinerlei einschneidende Kontrolle seines Unterrichts hinzunehmen, weder durch die Fakultät noch durch den Staat. Er ist noch nicht einmal strikt gehalten, sich an den ohnehin weiten Rahmen seines Lehrauftrags zu halten, sondern dürfte durchaus über Frauenkrankheiten lesen, wenn er das Ordinariat für Innere Medizin besitzt.

Niemand könnte ihn daran hindern, semesterlang ein ausgefallenes Steckenpferd zu feiten oder eine wissenschaftliche Theorie zu vertreten, die bereits von der Forschung angenagt ist. Niemand könnte ihn zwingen, in seinem Kolleg eine bestimmte Systematik einzuhalten oder darauf Rücksicht zu nehmen, daß er beispielsweise überwiegend Anfänger unterrichtet.

Sichtbarer Ausdruck der Machtposition, die in derart krassen Formen freilich selten ausgenutzt wird, ist der Umstand, daß die wichtigsten Kollegs der einzelnen Fächer, die sogenannten Haupt- oder Kernvorlesungen, den Ordinarien vorbehalten bleiben. Den Besuch dieser Pflichtvorlesungen müssen die Studenten bei der Zulassung zum Examen nachweisen.

Mithin wird der Lehrbetrieb der deutschen Medizinischen Fakultäten von dem exklusiven Kreis der 471 Lehrstuhlinhaber monopolisiert; vor allem der klinische Unterricht ist fast völlig nach dem Ordinarius ausgerichtet. »Das hat«, wie

Professor Schulten, selbst Ordinarius, gesteht, »im günstigsten Fall den Vorteil, daß der Student sein Wissen aus erster Hand in hervorragender Form bezieht, und daß ihm eine große Arzt - und Forscherpersönlichkeit gegenübertritt. Das hat, wenn der Ordinarius diese Eigenschaft nicht besitzt, den Nachteil, daß unter Umständen ein ganzes Fach im Unterricht weitgehend ausfällt.«

Zwar steht auch dem nichtordinierten Hochschullehrer das Recht zu, frei zu forschen und zu lehren. Aber während nach den Fakultätssatzungen das Kolleg des Lehrstuhlinhabers ohne Umschweife in das Vorlesungsverzeichnis eingetragen wird, darf ein außerplanmäßiger Professor, ein Honorarprofessor oder ein Privatdozent nur Vorlesungen ankündigen, wenn der Lehrstuhlinhaber nichts dagegen einzuwenden hat.

Der nicht eben generös bezahlte wissenschaftliche Nachwuchs, infolge der hierarchischen Universitätsstruktur in einem beispiellosen Zustand der Abhängigkeit, hat denkbar ungünstige Berufsaussichten. Der Platz an der Sonne bleibt selbst hochbegabten Wissenschaftlern und Lehrern angesichts der beschränkten Zahl von Lehrstühlen oft versagt. Der Kampf um die Existenzsicherung, um die wissenschaftliche Karriere, um die selbständige Forschungsarbeit hat die sonst so sterile Atmosphäre der Universitätskliniken mit dem Dunst akademischer Sozialseuchen geschwängert (siehe Kasten Seite 34).

So hängt auch weitgehend vom Wohlwollen des Ordinarius ab, ob und wieweit ihn der rangniedere Hochschullehrer im Vorlesungsbetrieb unterstützen darf. Der Eifer, mit dem die Medizinischen Fakultäten dieses Privileg verteidigen, nimmt mitunter groteske Formen an.

Durch einen Prozeß mußte sich der Marburger Hygieniker Karl-Heinrich Büsing, außerplanmäßiger Professor, gegen die Beschneidung seiner Hochschularbeit wehren, die ihm als Folge eines Wechsels im Ordinariat drohte. Der neue Lehrstuhlinhaber, Professor Rudolf Siegert, hatte nicht nur - mit Billigung der Fakultät - die von Büsing seit Jahren gelesenen Kollegs für sich usurpiert. Er hatte gleichzeitig verhindern wollen, daß sich der nachgeordnete Büsing weiterhin auf seinem Forschungsgebiet als wissenschaftlicher Gutachter betätige.

Das Verwaltungsgericht Kassel entschied die erste Runde zu Professor Büsings Gunsten; die Kontrahenten legten Berufung ein.

In München untersagte die Medizinische Fakultät dem außerplanmäßigen Professor für Chirurgie, Dr. Georg Maurer, Direktor des Krankenhauses rechts der Isar«, das »dem akademischen Herkommen widerstrebende Begehren«, eine fünfstündige Pflichtvorlesung ("Chirurgische Klinik") abzuhalten und seinen Hörern den für die Zulassung zum Staatsexamen vorgeschriebenen Praktikantenschein auszustellen.

Der angesehene Professor Maurer hatte den angesehenen Professor (und Ordinarius) Rudolf Zenker lediglich von der Bürde befreien wollen, das chirurgische Pflichtkolleg wegen des ungeheuren Studentenandrangs gleichzeitig im Hörsaal der Chirurgischen Universitätsklinik und in dem für chirurgische Demonstrationen nicht übermäßig geeigneten Auditorium der fünf Minuten entfernt liegenden Hautklinik veranstalten zu müssen.

Um dem Verdacht zu entgehen, daß ihm nicht nur an einer Entlastung des Ordinarius, sondern zugleich an Kolleggeldern gelegen sei, hatte Maurer die Pflichtvorlesung gebührenfrei abhalten wollen. Er hatte ferner angeregt, den hochmodernen und mit allen technischen Raffinessen ausgestatteten Hörsaal seines Städtischen Krankenhauses als Unterrichtsraum zu benutzen. Ihn dünkte es widersinnig, daß die Studenten in überfüllten Universitätshörsälen zusammengepfercht wurden, während andere Auditorien halbleer standen.

Professor Maurer besann sich auf sein im Grundgesetz verbrieftes Recht der Lehrfreiheit und klagte beim Bayrischen Verwaltungsgericht. Die Kammer wies ihn ab. Unbeschadet der Tatsache, daß nach den Bestimmungen des bayrischen Hochschullehrergesetzes auch ein außerplanmäßiger Professor (wie Maurer) die fachliche Qualität eines planmäßigen Professors besitzen muß ("Ordinariatsreife"), stellte das Gericht zwischen beiden einen Unterschied fest: Der Ordinarius sei durch die Satzung der Universität verpflichtet, sein Fach in Vorlesungen und Übungen zu vertreten, der Nichtordinarius dazu nur berechtigt.

Der streitbare Maurer legte gegen das Urteil Berufung beim Bayrischen Verwaltungsgerichtshof ein. Bislang haben sich die Richter der höheren Instanz noch nicht entschieden, ob sie seinen Argumenten folgen oder die Münchner Medizinische Fakultät von der Befürchtung befreien wollen, daß die Heranziehung eines nichtordinierten Hochschullehrers zum Pflichtunterricht »eine grundlegende Änderung der Stellung des Ordinarius und damit einen Strukturwandel im deutschen Hochschulwesen bedeuten« würde.

Gegen eben diesen Strukturwandel sträuben sich die Medizinischen Fakultäten. Durch Intervention beim baden-württembergischen Ministerpräsidenten beispielsweise erledigten sie eine reformerische Denkschrift, die der Stuttgarter Ministerialrat Franz Schad als Referent des »Hochschulausschusses der Ständigen Konferenz der Kultusminister« erarbeitet und umsichtig als »Vorläufiges Beratungsprogramm« deklariert hatte. Unter anderem wurde darin zur Diskussion gestellt, die »außerordentlich stark hierarchisch gegliederte Struktur des Lehrkörpers« abzubauen, den Fachvertretern als zwingendes Mindestprogramm einen »Katalog von Unterrichtsgegenständen« aufzugeben und die nichtordinierten Hochschullehrer stärker an der Ärzteausbildung zu beteiligen.

Unter dem Druck entrüsteter Ordinarien wagten Schads Vorgesetzte nicht, den Denkschrift-Verfasser zu reformerischer Weiterarbeit zu ermuntern oder gar selbst Pläne zu entwickeln. Auch umfassende »Vorschläge zur Reform der Ärztlichen Ausbildung«, die von einer Studienkommission der Bundesärztekammer ausgetüftelt und von den gewählten Vertretern der Deutschen Ärzteschaft einmütig gebilligt wurden, erwiesen sich als Makulatur - obwohl einsichtige Ordinarien wie der Kölner Internist Schulten, der Heidelberger Physiologe Schaefer und der Göttinger Internist Schoen an dem Reformwerk mitgearbeitet hatten.

»Es ist ... nicht möglich«, wehrte der Sprecher des Fakultäten-Tages, Professor Habs, indigniert ab, »den Fakultäten einen Ausbidungsplan zu oktroyieren.«

Enttäuscht konstatierte Ende Juni dieses Jahres der 65. Deutsche Ärzte-Tag, es habe sich gezeigt, daß trotz sehr eindringlicher Reform-Forderungen »von den Fakultäten in den letzten 15 Jahren keine Schritte erkennbar geworden

sind, diese von der deutschen Ärzteschaft für so dringlich gehaltene Studienreform zu regeln«.

Es blieb bei spärlichen Maßnahmen und reformerischen Bemühungen einzelner Universitätskliniken. An einigen Hochschulen, so in Marburg, fanden sich Professoren zu Gemeinschaftsvorlesungen zusammen. Verschiedene Lehrer führten schriftliche Examina ein, andere suchten ihre Vorlesungen durch kritisches Frage-und-Antwort-Spiel amerikanischen Stils aufzulockern - etwa an der Hamburger Frauenklinik, wo unlängst ein Diskussionsseminar für ältere Semester eingerichtet wurde.

Viele Wissenschaftler bauten zudem darauf, daß die »Vorschläge des (deutschen) Wissenschaftsrats für den Ausbau der Medizinischen Fakultäten« sich zugleich belebend für eine Neuordnung des Studiums auswirken könnten.

Der Wissenschaftsrat hatte in seiner umfassenden Analyse der deutschen Hochschulsituation mit sinnvollen Vorschlägen - etwa nach angelsächsischem Stil große städtische Krankenhäuser zur Ausbildung der Studenten heranzuziehen und für die sogenannten großen klinischen Fächer (Innere Medizin und Chirurgie, Frauenheilkunde) Zweitlehrstühle zu errichten - mittelbar strukturelle Mängel der Medizinischen Fakultäten bloßgelegt. Er setzte sich damit in Widerspruch zu konservativen Fakultäten, wo - wie in Freiburg - das »Aufspalten der großen Lehrstühle« als eine »Gefahr für die geistige Einheit der medizinischen Grunddisziplinen« gilt ("Frankfurter Allgemeine Zeitung").

Der weitestgehende Versuch einer Neuordnung wurde an der Universität Gießen unternommen, die 1945 geschlossen worden war und erst zwölf Jahre später aus einer Landwirtschaftlichen und Veterinärmedizinischen Hochschule wieder aufgebaut wurde. Nur so gelang es einer Reihe aufgeschlossener Dozenten, »gegen erhebliche äußere Widerstände« eine Medizinische Fakultät unter modernen Gesichtspunkten zu formen. Sie behielten zwar die klassische Hauptvorlesung bei, bemühten sich aber, die Studenten in kleinen Gruppen und dadurch intensiver am Krankenbett auszubilden, die Vorlesungen und Praktika sorgfältig aufeinander abzustimmen.

Grundsätzlich waren die Gießener Neuerer davon ausgegangen, daß die Studierenden als »jüngere Partner« in die Institute und Kliniken der Fakultät eingegliedert werden müßten. Die Konsequenz beschrieb der Chef der Medizinischen Poliklinik Gießen, Professor von Uexküll: »Eine solche Eingliederung ändert aber auch die soziologische Struktur der Fakultät: Die neue Gruppe zwingt mit ihren neuen Rollen und Rollenerwartungen zu einer partiellen Änderung der Struktur ihres Verbandes und des Verhaltens ihrer Mitglieder zueinander, zu den Studenten und zu den Patienten.«

Hinter diesem soziologisch verklausulierten Spruch verbarg sich die Erkenntnis: »Eine echte Studienreform kann nur über eine Fakultätenreform erreicht werden.«

Wie diese Fakultätenreform andernorts je erreicht werden soll, bleibt allerdings offen. Immerhin war der renommierte Soziologe Professor Helmut Schelsky gar zu der Ansicht gelangt, daß die Institutionen deutscher Universitäten als korporative Selbstverwaltungen grundsätzlich zur Reform am eigenen Leibe unfähig seien.

Der Heidelberger Reform-Professor Schaefer hatte die Situation schon vor drei Jahren prägnant umschrieben: »Vielleicht ist eine Revolution nötig«

* Privatdozent ist ein Gelehrter, der seine wissenschaftliche Befähigung nachgewiesen und die Lehrbefugnis erworben hat (Habilitation). Er muß sich in der Regel sechs Jahre lang in Lehre und Forschung bewähren, ehe er zum außerplanmäßigen Professor ernannt werden kann. Die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor begründet keine Anwartschaft auf einen Lehrstuhl. Lehrstuhlinhaber sind entweder ordentliche oder außerordentliche Professoren (Ordinarien oder Extraordinarien), die in der Fakultät die gleiche Stellung haben, aber verschiedenen Besoldungsgruppen angehören. Zu Honorar-Professoren können Gelehrte ernannt werden, die nicht die akademische Laufbahn als Hauptberuf eingeschlagen haben, aber nach ihrer wissenschaftlichen Leistung zur Mitarbeit in Lehre und Forschung geeignet sind.

Deutsche Mediziner-Vorlesung*: In elf Semestern Masern nie gesehen

Bild am Sonntag

»Gibt's denn hier keinen Arzt, der einem mal den Finger

verbinden kann?«

Münchner Professor Maurer, Studenten: Im Sudan bessere Ausbildung als in Deutschland?

Heidelberger Professor Schaefer

Dem Studenten ...

Göttinger Professor Schoen

... fehlt der Unterricht ...

Kölner Professor Schulten

... am Krankenbett

Chirurg Sauerbruch* (19491: Deutschlands Medizin ...

... erstarrte im Geheimratsdenken: Pathologe Virchow (1901)

Ordinarius Zenker

Götter auf dem Lehrstuhl ...

Ärzte-Sprecher Sewering

... vereitelten die Reform

Studenten-Demonstration in Heidelberg (1962): Revolution nötig?

Simplicissimus

»Zwei Stunden noch Mitternacht, Wachtmeister, was sind denn das für Leute?« - »Medizinstudenten, Herr Kommissar; angeblich

soll für übermorgen endlich mol 'ne Leiche zum Sezieren anfallen!«

* Vorlesung in der Chirurgischen Klinik

der Universität Hamburg.

* Links: Ehemaliger Patient Sauerbruchs, der ihm zur Entnazifizierung gratuliert.

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